Regime verlangt eindeutige Beweise
Taliban bieten bin-Laden-Prozess in Afghanistan an

Angesichts der erwarteten Militärschläge haben die Taliban den USA umfassende Verhandlungen und einen Prozess gegen Osama bin Laden in Afghanistan angeboten. Falls eindeutige Beweise für bin Ladens Beteiligung an den Terroranschlägen von New York und Washington vorgelegt würden, könne ihm in Afghanistan der Prozess gemacht werden, sagte der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, am Freitag. "Wir verurteilen Terrorismus und sind bereit zu Verhandlungen über alle Themen, einschließlich Osama bin Laden", sagte Saif.

dpa/rtr ISLAMABAD/KAIRO. Er bot auch Verhandlungen für den Fall an, dass die USA nicht mit einem Prozess in Afghanistan einverstanden sind. Saif ließ aber offen, ob die Taliban auch bereit wären, Bin Laden auszuliefern. "Wir werden nie etwas tun, was gegen den Islam oder die afghanische Kultur ist", sagte Saif. Beobachter sind der Ansicht, dass Saifs Angebot für Verhandlungen ernst gemeint ist, da er noch am Wochenende mit der Taliban-Führung in Kandahar im Süden Afghanistans gesprochen hatte.

Die USA setzen im Kampf gegen den Terrorismus nach den Worten ihres Verteidigungsministers Donald Rumsfeld nicht auf "große Schlachten", sondern auf Strategien wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Der Konflikt ähnele dem Kalten Krieg mit den kommunistischen Staaten, sagte Rumsfeld am Dienstag in Kairo. Damals habe es keine großen Schlachtfelder, sondern anhaltenden Druck und die Zusammenarbeit vieler Staaten gegeben. Wichtig sei es, dauerhaft Druck auf Terroristen und die sie unterstützenden Länder auszuüben. Nach einem Bericht der "Washington Post" warnen US-Geheimdienste vor weiteren Anschlägen, die im Zusammenhang mit dem moslemischen Extremisten Osama bin Laden stünden.

"Die Chancen, dass sich irgendein militärisches Handeln auf einzelne Terroristen auswirkt, scheinen mir gering", sagte Rumsfeld nach einem Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo. Es werde sich eher um einen kalten Krieg als um einen "heißen Krieg" handeln. Der Kampf werde nicht mit einem Knall enden, sondern mit dem inneren Zusammenfall des Terrorismus. Wie lange der Kampf gegen den Terrorismus dauern werde, wisse er nicht. Rumsfeld wirbt derzeit in islamischen Staaten um Unterstützung für den von seiner Regierung angekündigten Feldzug gegen den internationalen Terrorismus. Nach Saudi-Arabien, Oman und Ägypten wurde Rumsfeld am Freitag in Usbekistan erwartet.

Die "Washington Post" berichtete, US-Geheimdienst-Vertreter hätten Abgeordnete des Kongresses darüber informiert, dass im Falle eines US-Militärschlages gegen Afghanistan neue Anschläge auf US-Einrichtungen sehr wahrscheinlich seien. Ein Vertreter habe gesagt, dazu bestehe eine "Möglichkeit von 100 Prozent". Die Geheimdienste hätten entsprechende neue Informationen aus Großbritannien, Deutschland, Afghanistan und Pakistan. Es werde vermutetet, dass Anhänger der Gruppe El Kaida aus Ägypten, Somalia und Pakistan daran beteiligt sein könnten.

Der britische Außenminister Jack Straw wandte sich am Freitag in einer Rundfunkansprache direkt an die afghanische Bevölkerung. Bin Laden müsse der Gerechtigkeit zugeführt werden, sagte Straw in einer vom "World Service" der "BBC" und "Voice of America" gesendeten Rede. "Diejenigen, die versuchen solche Männer vor der Gerechtigkeit zu schützen, teilen deren Schuld", sagte Straw. "Das ist kein Kampf gegen den Islam, es ist eine Kampf gegen Terror." Es gehe nicht um Vergeltung. Straws Ansprache wurde in mehreren Landessprachen verlesen. Der britische Premierminister Tony Blair wurde am Freitag zu Gesprächen in Pakistan und Indien erwartet.

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