Regina Halmich boxt weltmeisterlich und wirbt für einen Fliesenkleber
Die den Raab verdroschen hat

Wenn Frauen Männer schlagen, kann das einen Karrieresprung bedeuten. Regina Halmich allerdings musste sich den üblichen Verdächtigen wie Jürgen Drews erwehren.

KARLSRUHE. Zierlich ist sie, ziemlich sogar. Ihre laute Stimme mag nicht so recht passen zu 1,61 Meter und 49 Kilogramm. Regina Halmich ist eben ein Fliegengewicht. Ein weltmeisterliches. Sie ist Faustkämpferin. Sie teilt aus und bricht Nasen. Und sie sagt vermeintlich männliche Sätze wie "Im Ring gibt?s keine Lügen". Glauben wir es einfach mal.

Die 25-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Bekanntheitsgrad via linker und rechter Gerade, Uppercut und Jab erarbeitet. 65 Prozent der Deutschen sollen mit ihrem Namen etwas anfangen können, und dies vor allem seit jener legendären und vom Fernsehen übertragenen Schlägerei mit "TV-Total"-Moderator Stefan Raab. "Das hat richtig Spaß gemacht. Wahnsinn, aber Pro 7 hat nie wieder eine solche Quote gehabt", erinnert sich Halmich im Handelsblatt-Gespräch. Zeitweise sollen im März vergangenen Jahres mehr als neun Millionen Menschen zugesehen haben, wie Frau Mann verdrosch und schließlich dessen Zinken entzwei ging.

Für die Badenerin steht dennoch fest, dass es keine Wiederholung, keinen Rückkampf, nichts dergleichen geben wird. Ungeachtet des üppigen Angebots an Freiwilligen. "Damals sind sie alle gekommen. Jürgen Drews und weiß der Geier wer", erzählt Regina Halmich und wundert sich selbst über die offenbar weit verbreitete Faszination am handfesten Geschlechterkampf.

Letztlich war es eine Zirkusveranstaltung, die freilich noch zu toppen war. RTL zeigte unlängst so genanntes Promiboxen mit um sich schlagenden Hochkarätern wie der Ex-Pornodarstellerin Michaela Schaffrath, die zum Hauduell gegen Rocksängerin Doro Pesch antrat. Regina Halmich war auch dabei, sie beschränkte sich jedoch aufs Coachen. "Das ist Comedy, sollte man also nicht so ernst nehmen", findet sie und glaubt nicht, dass derlei Brimborium den schlechten Ruf der Sportart Boxen weiter verstärkt.

Gleichwohl hat sie festgestellt, dass sie sich in einer "harten Branche, mit vielen Egoisten und von Männern bestimmt", tummelt. Natürlich habe im Laufe der Jahre der Respekt der Kollegen im Hamburger Universum-Boxstall zugenommen. "Dennoch lässt man mich oft an Kleinigkeiten spüren, dass ich eine Frau bin", sagt die ehemalige Rechtsanwaltsgehilfin in einem Anflug von weiblicher Resignation. Dabei, so befindet sie, "bleibt in dieser Szene kein Platz für Gefühle."

Klagen aber ist nicht ihre Art. Schließlich ist ihre monetäre Entwicklung so schlecht nicht. Als sie 1995 ihren ersten Vertrag bei Universum-Chef Klaus-Peter Kohl unterschrieb, verdiente sie 3 500 Mark monatlich. Und dies auch nur, weil sich das Deutsche Sportfernsehen dazu durchgerungen hatte, Halmichs Kämpfe zu übertragen. Inzwischen wird sie als Universum-Angestellte vom ZDF präsentiert, hat mit Werner Köster einen Manager und ordentlich zahlende Sponsoren. Für die Bautechnik-Sparte von Henkel bewirbt sie einen Fliesenkleber ("So leicht, so stark, so schnell") und boxte bei einer Incentive-Veranstaltung in einer türkischen Freiluftdiscothek, für Karstadt trägt sie Textilien aus deren Sportabteilung. Irgendwo um 500 000 Euro sollen als Jahresgehalt zusammenkommen.

Nur in den USA gibt es Boxerinnen mit höheren Einkommen, insbesondere die vom Prominenten-Bonus profitierenden Töchter von Muhammad Ali und Joe Frazier oder das schlagkräftige Model Mia St. John. Halmich mangelt es in ihrer Gewichtsklasse an bedeutenden Namen, und daher ist es für die breite Öffentlichkeit völlig egal, gegen wen sie antritt. Ob die Gegnerin nun Nadja Loritz (Koblenz) heißt, die voraussichtlich am 18. Januar gegen die Karlsruherin um WM-Ehren boxt, oder Lieschen Müller von nebenan: Den Fans sagen die Namen wenig bis nichts, folglich kann es keinen großen Kampf im eigentlichen Sinne geben. Klingt fast so hart wie ein heftiger Punch, ist aber die bittere Wahrheit.

Halmich, die fest an die olympische Zukunft des Frauenboxens glaubt und in einem Fitnessstudio nebenbei Tae-Bo (eine Mischung aus Kickboxen, Boxen, Karate und Aerobic) unterrichtet, hat nie so recht nachvollziehen können, "warum ich mich immer für das, was ich tat, rechtfertigen musste". Schlagende Frauen mit platten Nasen und Narben im Gesicht sind eben nach wie vor für viele Augen gewöhnungsbedürftig. Hinzu kommt, dass die sportliche Ernsthaftigkeit für manche männliche Zuschauer nicht von Bedeutung ist, wie ein Eintrag im Gästebuch ihrer Homepage unterstreicht. Dort steht: "Die Schönere möge gewinnen."

Mit derlei Bemerkungen hat Halmich kein Problem. Schließlich war ihr die Positionierung der eigenen Person auch und gerade in der eher bunten Ecke schon immer wichtig. Bei "Wetten, dass" war sie zweimal, auch "Was bin ich?" stand schon auf dem TV-Einsatzplan. Der unvermeidliche Roberto Blanco lächelt Seite an Seite mit Halmich aus ihrer Bildergalerie im Internet, Karrierehelfer Raab darf schon gar nicht fehlen. "Ich habe immer hundert Prozent gegeben, um meinen Bekanntheitsgrad zu steigern und somit auch gutes Geld verdienen zu können", gibt sie offen zu.

Ein paar Jährchen noch will die Frau, die den Raab verdroschen hat, dies so handhaben. Mit 30 soll die boxerische Karriere aber auf jeden Fall beendet sein. Was bleiben wird, ist die Erinnerung an viele erfolgreiche Kämpfe. Und vor allem an die kaputte Nase des Stefan R.

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