Regionalbörsen
Die „Börsen-Zwerge“ rüsten auf

Die Deutsche Börse macht sich in den letzten Bastionen der Regionalbörsen breit. Jetzt reagieren die Kleinen: Berlin und Bremen wollen kooperieren, Düsseldorf setzt auf das Handelssystem Quotrix.

HB - FRANKFURT/M. Unter den deutschen Regionalbörsen rumort es. Verschiedene Börsen basteln an neuen Konzepten, um im Konkurrenzkampf gegen den scheinbar übermächtigen Branchenprimus Frankfurt zu überleben. So verhandelt Bremen mit Berlin über eine Kooperation. Offiziell werden die Gespräche zwar nicht bestätigt. In Finanzkreisen wird aber vermutet, dass die Hanseaten dem Bund der Hauptstadtbörse mit der Nasdaq Europe beitreten dürften. Die Berliner hatten im Herbst eine Allianz mit dem Europa-Ableger der US-Technologiebörse angekündigt und wollen möglichst noch in diesem Jahr das neue Handelssystem der Nasdaq einführen.

Auch die Bayerische Börse rüstet technologisch auf. Die Münchener kauften Ende März das Handelssystem Premax. Ursprünglich wollten die beiden Frankfurter Maklerfirmen ICF und Steubing Premax als außerbörsliches Handelssystem aufziehen. Dies Pläne wurden aber wegen der Börsenflaute auf Eis gelegt. Jetzt will die Münchener Börse mit der Premax-Software ihren Handel attraktiver machen.

Die hektische Betriebsamkeit der Regionalbörsen ist verständlich. Die sieben Börsen außerhalb Frankfurts verlieren stetig Marktanteile an die Deutsche Börse. So lief im April der Handel mit den Standardwerten aus dem Dax zu 96 % über das elektronische Handelssystem Xetra. Bei kleinen Werten ist die Dominanz nicht ganz so groß. Aber selbst bei Neue-Markt-Titeln beträgt der Xetra-Anteil noch 71 %.

Angesichts des Vormarsches von Xetra sagen Fachleute den Parkettbörsen schwere Zeiten voraus. Nach Ansicht des Vorstandschefs der Börse Stuttgart, Peter Ladwig, werden in Deutschland vermutlich auf Dauer nur drei Börsen überleben. Auch Christine Bortenlänger, Geschäftsführerin der Bayerischen Börse, geht davon aus, dass außer Frankfurt nur zwei Börsen übrig bleiben. In Europa ist die deutsche Börsenvielfalt ohnehin einmalig. Nur Spanien leistet sich vier regionale Börsen - und die reden über die Schaffung einer Holding.

Zusätzlich unter Druck geraten die Regionalbörsen dadurch, dass die Deutsche Börse in deren letzte Domänen eindringt: den Handel mit Auslandswerten und das Geschäft mit Privatanlegern. Seit vergangenem Herbst führt Frankfurt spezielle Xetra-Segmente für Auslandswerte ein. Den Anfang machten die amerikanischen Top-Werte im Segment US-Stars, mittlerweile gibt es auch European Stars. Das Modell kommt an: Bei den US-Werten hat Xetra einen Marktanteil von rund einem Drittel erobert - und der geht nach Angaben der Deutschen Börse praktisch ausschließlich zu Lasten der Regionalbörsen, während das Frankfurter Parkett seinen Marktanteil halten konnte.

Auch das Geschäft mit Kleinanlegern, das wegen der Börsenflaute ohnehin äußerst schleppend läuft, könnte bald noch stärker wegbrechen. Im September will Frankfurt das neue Handelssystem Xetra Best einführen. Es erlaubt Banken, Aufträge von Kleinanlegern gegen die eigene Bestände abzuwickeln. Privatanleger sollen damit angelockt werden, dass ihnen ein minimal besserer Preis als im normalen Xetra-Handel versprochen wird. Zudem garantiert Xetra Best eine sofortige Orderausführung.

Angesichts diese Bedrohung sehen Experten nur für die Börsen Chancen, die sich auf Nischen konzentrieren, die von Frankfurt nicht bedient werden. "Die Regionalbörsen müssen sich spezialisieren, um sich von den Wettbewerbern abzusetzen", meint Susanne Klöss, Geschäftführerin von der Beratungsfirma Accenture. Erfolgreich sei hier etwa die Börse in Stuttgart, die einen großen Teil des deutschen Handels mit Optionsscheinen abwickelt.

Von derartigen Erfolgen kann die Börse Düsseldorf bisher nur träumen. Die Rheinländer setzen auf ihr neues Handelssystem Quotrix, das den Anlegern seit kurzem den Handel bis 23 Uhr bietet. Doch wegen der Ertragskrise der Finanzbranche schließen sich die Banken kaum noch an neue Handelsplattformen an: In Düsseldorf können über das System bisher nur die Kunden des Onlinebrokers 1822 direkt, der der Frankfurter Sparkasse gehört, handeln. Nun hoffen die Börsenoberen auf Juni, wenn sich mit Fimatex und S-Broker zwei weitere Online-Broker anschließen wollen.

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