Regionale Angebote direkt aufs Handy
Rabatt ohne Ballast: Ein Kölner Startup macht's Kunden leicht

HB. Zehn Prozent Rabatt auf die neue Brille, 25 Mark Nachlass auf die ersehnte Kamera, fünf Prozent Abzug beim Schreibwarenkauf oder eine Pizza extra beim italienischen Lieferservice: Wer mag da nicht mal probieren? Doch die vom Handel angebotenen Rabattsysteme sind zum Teil recht umständlich: Unzählige Anbieter offerieren unzählige Kundenkarten, Coupons müssen aus dem Internet erst ausgedruckt werden, Bonushefte sorgen für Gewicht in den Einkaufstaschen.

"Das geht doch auch einfacher", fanden die Kölner Betriebswirtschaftsstudenten Hanno Fichtner und Stefan Menden. Pünktlich zum Fall des Rabattgesetzes - wohl spätestens im Oktober 2001 - wollen sie mit ihrem Startup SMS-Rabatt in den 13 größten deutschen Städten aktiv werden. Lokal begrenzt offerieren sie Konsumenten Gutscheine und Rabatte bis zu 50 Prozent übers Handy und bieten Händlern zu günstigen Konditionen eine Werbeplattform.

Probelauf in Köln

4 000 Kölner machen seit Ende Januar beim "Probelauf" von SMS-Rabatt in der Domstadt mit. Zusätzlich haben bundesweit 1 000 Kunden per Telefon oder unter der Internetadresse ihre Konsumpräferenzen angegeben, um so - profilabhängig - aktuelle Rabatte aufs Handy geschickt zu bekommen. Die Nachricht zeigen sie dann dem Händler vor, der den versprochenen Preisnachlass gewährt.

Zuvor muss dieser SMS-Rabatt damit beauftragen, etwa 500 oder 1 000 Kurzmitteilungen mit seinem Angebot an eine bestimmte Zielgruppe zu versenden. 30 Pfennig pro SMS müssen die Händler für die Beteiligung am System berappen. "Bis Januar 2002 werden wir den Break Even erreicht haben", sagt Gründer Hanno Fichtner. 40 000 Kunden sollen dann den Weg zu SMS-Rabatt gefunden haben.

Der Grund für seine Zuversicht: "Das Handy ist doch ein modernes Medium, das mit 50 Millionen Nutzern doppelt so viele potenzielle Kunden erreicht wie das Internet", so Fichtner. Der Münchener Unternehmensberater Hermann Scherer, der sich auf die Entwicklung neuer Umsatzstrategien spezialisiert hat, bestätigt die Vorteile gegenüber E-Mails: "Mit einer SMS erreiche ich mein Gegenüber im Regelfall sofort, direkt und zeitgerecht - unabhängig vom Aufenthaltsort."

Das "Matchen", also das Zusammenführen von Anbietern und Nachfragern, hatte Fichtner bei einer E-Commerce-Beratung für die studentische Unternehmensberatung Oscar in Köln kennengelernt, für die der heute 23-Jährige seit dem ersten Semester gearbeitet hat. Auch der 25-jährige Stefan Menden hat sein Studium bislang eher nebenbei betrieben: Menden ist Vorstand des Organisationsforum Wirtschaftskongress OFW.

Matching für den Mobile Commerce

Während eines Hauptseminars Medienmanagement im Wintersemester 2000 kam den beiden die Idee, das Prinzip des Matching auf den Mobile Commerce, also die Vermarktung via Handy, zu übertragen. Für ihr SMS-Rabattsystem erhielten sie nicht nur beste Noten. Auf der vom Seminar organisierten Messe "Trade Fair" kam der Leverkusener Wagniskapitalgeber Evision AG-Ventures auf sie zu.

Zur Gründung der DoTank GmbH stellten die Leverkusener Investoren "einen hohen sechsstelligen Betrag" zur Verfügung. Dafür halten sie knapp 30 Prozent Anteile am Unternehmen, das neben SMS-Rabatt noch mehr zu bieten hat: Das schon Anfang 2000 gegründete Karriere-Netzwerk Squeaker.net, bei dem im Gegensatz zu den klassischen Jobbörsen Bewerber untereinander sowie Bewerber und Unternehmen Erfahrungen austauschen und persönliche Empfehlungen geben können, ist Teil der GmbH.

Die eigens dafür entwickelte Software soll ab dem Sommer unter dem Firmennamen :kernelement in ausgereifter Form an Unternehmen wie den Pharmakonzern Aventis oder die Community of European Management Schools CEMS vertrieben werden.

Bis August, so glaubt Fichtner, werden zu den derzeit 14 Mitarbeitern neun neue hinzukommen. Auf zwei Millionen Mark schätzen die Gründer die Ausgaben allein 2001 - und hoffen auf eine Anschlussfinanzierung.

Prinzip des Franchisings

Vor allem SMS-Rabatt wollen sie jetzt schnellstmöglichst nach dem Prinzip des Franchisings ausbauen. In Wuppertal, der einzigen anvisierten Stadt mit weniger als 500 000 Einwohnern, hat Fichtner bereits einen Akquise-Partner gefunden. "Die Partner zahlen 15 Pfennig pro verkaufter SMS, dürfen vom Händler aber 30 Pfennig dafür kassieren", erklärt der Jungunternehmer, der mittlerweile das operative Geschäft von SMS-Rabatt allein übernommen hat, während Mendens Part Squeaker.net ist.

Im Marketing agiert Fichtner noch vorsichtig. Die Philosophie bei SMS-Rabatt: "Wir zeigen erst, dass ein Konzept funktioniert, und geben dann das Geld aus." Vielleicht ist das der Grund dafür, dass SMS-Rabatt beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels noch unbekannt ist.

Marc-Wilhelm Kohfink, Chefredakteur des verbandseigenen Handelsjournal, hat bisher nicht davon gehört und zeigt sich skeptisch: "Ob das der große Renner wird, wag ich zu bezweifeln. Man sieht das doch beim E-Commerce: Mittlerweile wollen die Leute lieber gucken als kaufen."

Datenschutzrechtliche Bedenken

Datenschutzrechtliche Bedenken hat dagegen Dirk Klasen von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände. "Doch letztlich liegt das am Kunden selbst, wie er entscheidet. Als begeisterter Shopper fühlt er sich vielleicht stark angesprochen."

Bislang kennt Klasen an ähnlichen Angeboten nur Werbung per SMS, wie sie Mr. Adgood verbreitet, und Rabatte im Internet, die zum Beispiel Raba.tt anbietet. "SMS-Rabatt ist ein neuer Weg, an die Kunden heranzugehen." Und Unternehmensberater Scherer aus München meint: "Selbst in den USA wird bisher das enorme Servicepotenzial, das per SMS erschlossen werden kann, nur ansatzweise genutzt."

Einige Händler sind indes schon bei SMS-Rabatt abgesprungen: Optiker Konrad von Stephani und Tauchschullehrer Thomas Pietschker konnten "keine neuen Kunden" gewinnen. Dagegen spricht Rolf Richter, der Elektrofahrzeuge vertreibt, aus, was viele Händler erwarten: "Ich hoffe, dass sich SMS-Rabatt durch die Zeitungswerbung bald bei den Leuten festfrisst."

Neue Idee: Last-Minute-SMS

Die Kölner Gründer sind ohnehin noch voller Euphorie. Nicht umsonst haben sie ihr BWL-Studium auf Eis gelegt, um ihr junges Unternehmen professionell führen zu können. In nächster Zukunft wollen sie die Last-Minute-SMS ins Leben rufen und auf die Schnelle günstige Restplätze etwa für "Saturday Night Fever" im Musical Dome Köln oder ein Heimspiel des 1. FC Köln vertreiben.

Langfristig sollen die Kunden unmittelbar vor der Ladentür ihr Angebot empfangen können. "Aber obwohl die Netzbetreiber ja feststellen können, wo die Handybesitzer sich gerade aufhalten, rücken sie nicht mit diesen Informationen heraus", bedauert Fichtner. Abwarten heißt hier die Devise. Vielleicht schafft das ja Zeit für Fichtner und Menden, um den Traum vom Studienabschluss zu realisieren.

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