Regionalfluglinie erwartet schweres Jahr 2003
Eurowings spart für Lufthansa

Lufthansa konzentriert sich zunehmend auf lukrative Langstrecken und geht damit den Billigfliegern aus dem Weg. Den Regionalverkehr sollen Firmen mit niedrigeren Kosten übernehmen - wie Eurowings.

DORTMUND. Die Fluggesellschaft Eurowings AG will sich mit verschärften Kostensenkungen attraktiver für ihren großen Partner Deutsche Lufthansa machen. Ein Effizienzprogramm namens "Changing Wings" soll bis Ende 2003 die Gesamtkosten um 30 Mill. Euro oder 7 % drücken.

"Wir müssen der Lufthansa Argumente liefern, warum unsere Flotte wachsen soll und weitere Strecken in das Eurowings - Netz aufgenommen werden", sagte Eurowings-Vorstandschef Friedrich-Wilhelm Weitholz dem Handelsblatt.

Alle Liniendienste des Regionalfliegers werden seit Sommer 2001 im Joint-Venture mit der Lufthansa betrieben. Der Kranich-Konzern ist aktuell mit 24,9 % an Eurowings beteiligt und hat die Option, seinen Anteil bis Ende 2003 auf 49 % aufzustocken. Hinter dem finanziellen Engagement der Lufthansa steckt die Strategie, den unter hartem Preisdruck stehenden Regionalverkehr verstärkt auf Partner abzuwälzen, deren Kostenstrukturen günstiger sind. Eurowings oder die Lufthansa - Tochter City Line kommen zum Zug, sobald Lufthansa eine Strecke mit großen Jets mangels Nachfrage nicht mehr profitabel bedienen kann.

In diesem Jahr hat die Kranich-Linie verstärkt Routen an Eurowings abgetreten. "Da ist einiges von oben heruntergefallen", sagte Weitholz. Er erwartet zum Jahresende eine deutliche Umsatzsteigerung auf knapp über 600 Mill. Euro. Trotz widriger Rahmenbedingungen gibt sich der Eurowings-Chef zuversichtlich, am Jahresende auch wieder schwarze Zahlen ausweisen zu können. Der Ausblick auf 2003 fällt indes trübe aus: Deutschland befinde sich "mental in einer Depression und wirtschaftlich in einer Rezession", sagte Weitholz. Privatleute wie Unternehmen würden wohl weiter sparen - schlecht für den innerdeutschen Flugverkehr.

Vor allem der ausufernde Preiskrieg der Billiglinien macht dem Regionalfluggeschäft enorm zu schaffen. Zwar hat das neue Duo Eurowings/Lufthansa auf die Konkurrenz von Ryanair und Co. mit dem Start des eigenen Preisbrechers Germanwings reagiert. Doch während die neue Airline-Tochter vom Standort Köln/Bonn aus expandieren soll, gerät das angestammte Regionalfluggeschäft der Dortmunder zusehends unter Druck. Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Monitor Group zufolge verlieren Regionalflieger jeden dritten Kunden an Billig-Linien, sofern diese eine vergleichbare Strecke parallel betreiben.

Die enge Anlehnung an Lufthansa hält das Eurowings-Management deshalb für die einzig lohnende Perspektive. Die Regionalfluggesellschaft sieht ihre Chancen auf nachfrageschwächeren CityStrecken, die sich mit großen Flugzeugen nicht rechnen. Gute Geschäfte verspricht man sich zudem von den Zubringer-Diensten zu den Drehkreuzen im großen Fluglinien- Bündnis Star Alliance. Die Mehrzahl der Regionalfluglinien müsse sich den Allianzführern anschließen "und daran ihr Geschäftsmodell orientieren, um überleben zu können", glaubt Weitholz.

Für ihre Unterstützung fordert die Lufthansa von ihren Teampartnern aber vor allem eines: Kostendisziplin. Unter den Regionalfliegern, die jeweils Maschinen zwischen 50 und 100 Sitzen betreiben, will Eurowings-Chef Weitholz daher die Kostenführerschaft ausbauen. In Branchenkreisen heißt es, vor allem die Gehälter lägen bei Eurowings deutlich niedriger als bei der Lufthansa-Tochter City Line. "Wir haben gute Stückkosten. Diesen Vorteil müssen wir beibehalten", sagt Weitholz.

Darüber hinaus will Eurowings Synergien nutzen, die sich aus der Kooperation mit Lufthansa ergeben. Die gesamte Netzsteuerung hat die Lufthansa bereits übernommen, Essen und Getränke kommen inzwischen von der Lufthansa - Catering-Tochter LSG Sky Chefs.

Mit dieser eingeschränkten Selbstständigkeit muss Eurowings leben, wenn es die Zukunft des Unternehmens zu sichern gilt. Weitholz hat sich an die Junior-Rolle offenbar gewöhnt. "Dass der Luftverkehr in Zukunft deutlich wachsen wird, steht fest", sagt Weitholz. "Wir werden mitwachsen, weil wir mit der stärksten Kraft in Europa verbündet sind."

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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