Regulierer erlaubt Zusammenarbeit
Telekom ist für UMTS-Kooperationen offen

Noch vor drei Wochen wollte Telekom-Chef Ron Sommer von Kooperationen im Mobilfunkmarkt nichts wissen. Zur Überraschung der kleineren Netzbetreiber begrüßte die Mobilfunk-Tochter der Deutschen Telekom am Dienstag die Entscheidung der Regulierungsbehörde. T-Mobil-Sprecher Philipp Schindera sagte im Gespräch mit Handelsblatt.com, T-Mobil könne sich eine Kooperation mit anderen Netzbetreibern grundsätzlich vorstellen.

DÜSSELDORF. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat die zukünftigen UMTS-Mobilfunkbetreiber am Dienstag über den Kooperations-Spielraum beim Aufbau des Mobilfunknetzes der dritten Generation informiert. Demnach dürfen die Netzbetreiber, Deutsche Telekom, Mobilkom, E-Plus, D2-Vodafone, Viag Interkom und die 3G- Gruppe aus der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera, grundsätzlich Grundstücke, Masten, Antennen, Kabel und Basisstationen gemeinsam nutzen. Dies sei nach den Vergabebedingungen zulässig, sagte Behördenchef Matthias Kurth. Die Lizenzbedingungen müssten deshalb nicht geändert werden.

Nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde kann sich nun auch die Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobil, beim Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland eine Zusammenarbeit mit anderen Lizenzinhabern vorstellen. "Wir arbeiten schon beim G2-Netz zusammen, warum sollte das bei UMTS anders werden", sagte T-Mobil-Sprecher Philipp Schindera zu Handelsblatt.com.

Telekom überrascht Konkurrenten

Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch, zeigte sich gegenüber Handelsblatt.com von der Stellungnahme der T-Mobil überrascht. Telekom-Chef Ron Sommer habe Kooperationen stets abgelehnt. So war der Bonner Konzernlenker noch Mitte Mai auf Konfrontationskurs zu den kleineren Konkurrenten gegangen. Das Regelwerk zum Start der dritten Handygeneration sei festgezurrt. Da gebe es nichts zu rütteln, sagte Sommer im Hinblick auf die Entscheidung der Regulierungsbehörde. Jeder der Mitbieter habe gewusst, worauf er sich ein einlässt. Die Telekom habe Kooperationen nicht nötig, so Sommer weiter.

Mobilkom will durch Kooperationen 2 Mrd. Euro sparen

Die Mobilcom rechne beim Aufbau ihres UMTS-Netzes bis 2003 mit Kosten in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Zu diesem Zeitpunkt würde das Unternehmen mit seinem UMTS-Netz in Deutschland 40 bis 50 % der Bevölkerung erreichen können. Der über diesen Zeitraum hinausgehende weitere Netzausbau könne jedoch noch nicht exakt in Zahlen gefasst werden. Durch mögliche zukünftige Kooperationen werde das UMTS-Netz schneller aufgebaut werden können und sei somit schneller verfügbar. Insgesamt erwarte die Mobilcom durch die Entscheidung der Regulierungsbehörde Einsparungspotenziale von bis zu 2 Mrd. Euro.

E-Plus sieht Sparpotenzial von 1,5 Mrd. Euro

Der Mobilfunkbetreiber E-Plus rechnet beim UMTS-Infrastrukturaufbau und bei den Betriebskosten für jeden der sechs UMTS-Lizenznehmer mit Einsparungsmöglichkeiten von bis zu 1,5 Mrd. Euro. Nach Meinung von E-Plus könnten diese Einsparungen in die Entwicklung von UMTS-Diensten für die Mobilfunkkunden gesteckt werden, um für eine schnellere Verbreitung des neuen Mobilfunkstandards in Deutschland zu sorgen. Deutschland brauche mit seinen flächendeckenden GSM-Mobilfunknetzen keinen weiteren Infrastruktur-Wettbewerb bei UMTS", hatte E-Plus in Mitgeteilt.

Vodafone und Telekom wollten Kostendruck für die "Kleinen"

Diesen Wettbewerb wollten jedoch die beiden auf dem deutschen Mobilfunkmarkt beherrschenden Anbieter, D2 Vodafone und D1 Telekom, ihren beiden kleineren Konkurrenten E-Plus und Viag Interkom sowie den Neueinsteigern 3G und Mobilcom /France Telecom aufzwingen. Notfalls wollten die beiden Branchenführer vor Gericht ziehen, falls nach ihrer Ansicht zu weitgehende Kooperationen beim Netz-Aufbau und-Betrieb zugelassen werden. Wettbewerbsbehinderung nannte dies E-Plus: "D1 und D2 haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass die kleinen Anbieter schwerer an den hohen Investitionskosten für UMTS zu tragen haben", hatte E-Plus-Chef Uwe Bergheim unlängst kritisiert.

T-Mobil zieht nicht vor Gericht

Der Mobilfunkbeteiber T-Mobil signalisierte am Donnerstag neben der überraschenden Kooperationsbereitschaft jedoch auch, von Klagen gegen die Entscheidung der Regulierungsbehörde absehen zu wollen. Der nun von der Regulierunsbehörde ausgefüllte Rahmen, wie die bestehenden Lizenzbedingungen interpretiert werden könnten, werde von der Telekom eingehend geprüft, sagte T-Mobil-Sprecher Schindera. Da das Regelwerk als solches jedoch nicht geändert worden sei, werde die T-Mobil die Entscheidung nicht anfechten.

Experten schätzen die Kosten für den Aufbau eines kompletten UMTS-Netzes in Deutschland auf rund 5,1 Mrd. Euro pro Anbieter. Sie addieren sich zu den Ausgaben für die im vergangenen Sommer ersteigerten Lizenzen, die sich pro Firma auf mehr 8,2 Mrd. Euro beliefen. Viele Telekom-Firmen sind schon jetzt hoch verschuldet und müssen nach Meinung von Experten eine mehrjährige Durststrecke überwinden, bis sich Gewinne aus dem UMTS-Engagement erzielen lassen.

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