Regulierer Matthias Kurth verteidigt seinen Kurs im Streit um das Ortsnetz
Ortsnetzmonopol der Telekom fällt bis Jahresende

Bereits jetzt könnten die neuen Telefongesellschaften 60 Prozent aller Telefonanschlüsse in Deutschland von der Telekom mieten und die entsprechenden Kunden abwerben, sagt Telekom-Regulierer Matthias Kurth.

BERLIN. Bis zum Ende des Jahres wird es das Ortsnetz-Monopol der Deutschen Telekom AG nicht mehr geben. Davon jedenfalls ist Telekom-Regulierer Matthias Kurth überzeugt. "Ich habe die Zusage der Telekom, dass sie alle Auftragsrückstände der Wettbewerber bis Ende Oktober abbauen wird", sagte der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post im Handelsblatt-Gespräch. Ein Telekom-Sprecher bestätigte dies auf Anfrage des Handelsblatts.

In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere neue Anbieter, darunter Worldcom und QSC, bei Kurth darüber beschwert, dass die Telekom ihnen die notwendige Infrastruktur für den Ortsnetz-Einstieg in der Regel erst Monate nach der Bestellung liefere und so das Geschäft massiv behindere. Die Wettbewerber befürchten, dass es der Telekom gelingt, ihr Monopol in den neuen Markt für schnelle Internet-Zugänge zu verlängern. Die niedrigen Einführungspreise für ihr DSL-Angebot hatte Kurth der Telekom jedoch nur unter der Bedingung genehmigt, dass sie die "letzte Meile" schnell für ihre Wettbewerber öffnet. Solange die Telekom den deutschen Festnetzmarkt beherrscht, haben alle neuen Anbieter ein Recht darauf, die Telefonleitung vom Hauptverteiler bis zum Kundenanschluss zu mieten. Um an diese Leitung zu kommen, müssen sie eigene Technik in den Hauptverteilern anschließen und weitere Leitungen bis zum eigenen Netz anmieten.

"Es ist völlig unkalkulierbar, wann die Telekom eine bestellte Mietleitung schaltet", begründet Salomon Grünberg, Regulierungsexperte bei Worldcom, seine Beschwerde bei Kurth. Grünberg hält es für höchst unwahrscheinlich, dass die Telekom den Auftragsstau bei Mietleitungen bis November abgearbeitet haben wird. Kurth bezeichnete die Zusagen der Telekom in diesem Fall jedoch als glaubwürdig. "Wir gehen dem natürlich nach, und wenn es erforderlich ist, wird sich meine Behörde erneut einschalten", sagte Kurth. Schon jetzt könnten in den Hauptverteilern 60 % aller Telekom-Anschlüsse auf Wettbewerber umgeschaltet werden. Kurths Optimismus über ein baldiges Ende des Ortsnetz-Monopols teilt bisher allein Arcor-Chef Harald Stöber, andere vom Handelsblatt befragte Unternehmer teilten die Meinung Grünbergs

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Nach Abschluss eines Missbrauchsverfahrens, das die Düsseldorfer Telefongesellschaft GTS bei seiner Behörde angestrengt hatte, hofft Kurth, im Telekommarkt bald zu normalen Lieferverträgen mit Lieferfristen und Vertragsstrafen zwischen Telekom und Wettbewerbern zu kommen. "Die Verträge selbst kann ich aber nicht formulieren", so Kurth. Nach dem Telekommunikationsgesetz könne seine Behörde erst dann eingreifen, wenn der Verdacht besteht, dass die Telekom ihre Marktmacht missbraucht.

"Wenn die Lieferung der Vorprodukte richtig läuft, dann haben wir als Regulierungsbehörde unsere Hausaufgaben gemacht", so Kurth. Neben DSL gebe es ja alternative Techniken wie WLL-Richtfunk und das Fernsehkabel, um Kunden direkt anzuschließen. "Ob sich die Investitionen in alternative Infrastruktur rechnet, ist nicht Sache des Regulierers sondern der Unternehmen", betonte Kurth. Er sieht die Ursache der Probleme vieler neuer Anbieter in den Kapitalmärkten: Geldgeber würden plötzlich schneller Gewinne erwarten als abgesprochen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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