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Regulierer prüft Verhalten der Telekom im Ortsnetz

Die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat gegen die Deutsche Telekom ein Missbrauchsverfahren wegen möglicher Diskriminierung eines Wettbewerbers im Ortsnetz eingeleitet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag erfuhr, untersucht die Regulierungsbehörde seit Ende Oktober auf Antrag des Stuttgarter Telefondienstleisters Debitel, ob die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung bei Ortsgesprächen missbraucht hat.

rtr FRANKFURT. Debitel will erreichen, dass die Telekom das von ihr dominierte Ortsnetz für Wettbewerber stärker öffnet. Das Unternehmen plant, künftig Ortsgespräche anzubieten und Ortsnetz-Kunden direkt einen Anschluss zu liefern. Die Telekom weigere sich aber bislang beharrlich, ein Angebot für den Wiederverkauf von Sprach- und Datendiensten im Ortsnetz an Privat- und Geschäftskunden zu unterbreiten, teilte Debitel in Stuttgart mit.

Sollte die Behörde Debitel in dem Missbrauchsverfahren Recht geben, bekäme die Deutsche Telekom voraussichtlich deutlich mehr Wettbewerber bei Ortsgesprächen. Derzeit werden noch fast alle Ortsnetz-Gespräche über die Telekom abgewickelt. Debitel ist als Unternehmen ohne eigenes Telefonnetz unter anderem als so genannter Wiederverkäufer aktiv. Dabei werden Telefon- Dienstleistungen wie etwa Verbindungsminuten bei den Netzbetreibern eingekauft und auf eigene Rechnung mit einem Aufschlag weiterverkauft.

Unternehmenssprecher Rudi Schmidt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Telekom habe sich über Monate hinweg geweigert, der Forderung von Debitel nach dem so genannten Reselling im Ortsnetz nachzukommen. Die Telekom habe entgegen ihrer gesetzlichen Verpflichtung kein Vertragsangebot gemacht. Deshalb habe man die Regulierungsbehörde eingeschaltet, um die Telekom zur Abgabe eines Angebots für Wiederverkäufer von Ortsgesprächen zu zwingen. Das von der Regulierungsbehörde eingeleitete Missbrauchsverfahren geht auf eine Entscheidung der Behörde im September 1999 zurück. Danach muss sich die Telekom als marktbeherrschendes Unternehmen Angebote an Wiederverkäufer im Ortsnetz behördlich genehmigen lassen, um einen Missbrauch ihrer Marktstellung zu verhindern.

Bei Fern- und Auslandsgesprächen ist der Wettbewerb auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt zwischen dem ehemaligen Monopolunternehmen Telekom und seinen neuen Konkurrenten inzwischen weit fortgeschritten. Rund 40 % des Umsatzes mit diesen Gesprächen entfallen auf die Wettbewerber. Hingegen kommt die Telekom bei Ortsverbindungen auf einem Marktanteil von 97 bis 98 %, obwohl rund 55 Unternehmen weitere Unternehmen einen Direktanschluss im Ortsnetz anbieten.

Der Einstieg in Ortsnetzverbindungen lohnt sich für die Wettbewerber wegen der Kosten für einen Ortsnetzanschluss im Regelfall erst bei Grundgebühren für Privatanschlüsse zwischen 40 bis 50 DM und für Geschäftskunden. Die Telekom verfügt über die Leitungen auf der so genannten letzten Meile zum Kunden von der Vermittlungsstelle bis zur Teilnehmeranschlussdose in den Räumen des Kunden; die Wettbewerber müssen diese Leitungen für 25,40 DM pro Monat von der Telekom mieten oder selbst verlegen. Alternativ können Telefonkunden jedoch auch über vergleichsweise kostenträchtige Verbindungen via Richtfunk, Breitband-Kabel oder Satellit angeschlossen werden.

Mit seinem Vorstoß bei der Regulierungsbehörde will Debitel im Gegensatz zu Konkurrenten das Problem der so genannten Kollokation umgehen. Zahlreiche Konkurrenten der Telekom haben sich bei der Regulierungsbehörde beschwert, dass die Zusammenführung der Technik von Wettbewerbern und Telekom, die für das Angebot eigener Ortsnetze notwendig ist, nur schleppend voran gehe. Die Wettbewerber werfen der Telekom vor, damit den Wettbewerb im Ortsnetz verzögern zu wollen. Debitel will das Problem der Netzzusammenführung dadurch umgehen, dass man als Wiederverkäufer darauf setzt, dass die Telekom die für Ortsnetzgespräche notwendigen Leistungen zu Preisen unter den Kosten von 25,40 DM liefert.

Die Telekom lehnt dieses Ansinnen nach Worten eines Sprechers ab und begründete dies damit, dass bereits der von der Regulierungsbehörde festgelegte Preis von 25,40 DM nicht Kosten deckend sei.

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