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Regulierer sieht kein Preisdumping bei TDSL-Tarif

Am Freitag wird die Regulierungsbehörde vier grundsätzliche Entscheidungen bekannt geben, die die Entwicklung des Wettbewerbs auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt mitbestimen werden.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Telekom AG kann nach Angaben aus Branchenkreisen damit rechnen, dass die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) kein Preisdumping beim schnellen Internetanschluss DSL feststellen wird. Die Behörde wird wohl zudem bei der mit Spannung erwarteten Preisfestsetzung für den Teilnehmeranschluss im Ortsnetz keine deutliche Senkung des gegenwärtigen Mietpreises anordnen. Während die Erwartungen der Konkurrenten des ehemaligen Bonner Monopolisten mit diesen am Freitag zur Verkündung anstehenden Entscheidungen voraussichtlich weitgehend enttäuscht werden, muss die Telekom durch die absehbare Zulassung des Weiterverkaufs von Ortsnetzdienstleisten künftig mit mehr Wettbewerb rechnen.

Am Freitag wird die Regulierungsbehörde vier grundsätzliche Entscheidungen bekannt geben, die die Entwicklung des Wettbewerbs auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt mitbestimen werden. Zum einen wird die Behörde die monatliche Miete für den Endkundenanschluss im Ortsnetz festlegen und den Branchenkreisen zufolge den Preis von gegenwärtig 25,40 DM "moderat" absenken. "Es ist mit keiner großen Überraschung bei der Teilnehmeranschlussleitung zu rechnen", hieß es in den Kreisen. Die Telekom hatte eine deutliche Anhebung des Preises auf über 30 DM gefordert, die Wettbewerber hatten auf eine deutliche Absenkung unter 20 DM gehofft.

Keine Diskriminieung des Wettbewerbs

Zum anderen hat sich der Verdacht wettbewerbswidriger Dumpingpreise beim TDSL-Tarif in dem rund achtwöchigen Untersuchungsverfahren gegen die Telekom AG nicht erhärtet. Geprüft wurde, ob bei dem Tarif für schnelle Telefonanschlüsse für die Internetnutzung Diskriminierung des Wettbewerbs und unter den Kosten liegende Preise vorliegen. In den Branchenkreisen hieß es, "die Behörde wird eine Entscheidung im Sinne der Endverbraucher treffen" und den Tarif weitgehend billigen. Bei fast jedem neuen Produkt komme es zur Ankurbelung der Nachfrage zu Preisen unter den Kosten, hieß es.

Bei den so genannten DSL-Anschlüssen (Digital Subscriber Line), die die Telekom unter dem Markennamen TDSL verkauft, hatte der Bonner Konzern zuletzt einen Marktanteil von deutlich über 95 Prozent in Deutschland. Mit DSL kann bis zu 30-mal schneller als mit einem herkömmlichen Analog-Modem oder bis zu 12-mal schneller als mit ISDN im Internet gesurft werden. Der niedrigste Telekom-Preis für DSL von knapp 15 DM zusätzlich zum Monatsentgelt für einen ISDN-Ortsnetzanschluss wird von Wettbewerbern als Dumping eingestuft.

Ortsnetz für Wettbewerber weiter öffnen

Die Telekom wird jedoch das von ihr zu gut 98 Prozent dominierte Ortsnetz für Wettbewerber stärker öffnen müssen. In den Branchenkreisen wird als Resultat eines von Debitel angestrengten Verfahrens gegen die Telekom erwartet, dass so genanntes Reselling von Ortsnetzdienstleistungen zugelassen wird. Debitel plant, künftig auch Orts-Gespräche und-Netzanschlüsse anzubieten. Die Telekom hat sich aber bislang geweigert, ein Angebot für den Wiederverkauf von Sprach- und Datendiensten im Ortsnetz an Privat- und Geschäftskunden zu unterbreiten. Debitel ist ohne eigenes Telefonnetz unter anderem als so genannter Wiederverkäufer aktiv und vermarktet zum Beispiel bei den Netzbetreibern eingekaufte Verbindungsminuten auf eigene Rechnung mit einem Aufschlag weiter.

Weiterhin wird die Regulierungsbehörde am Freitag über das so genannte Line Sharing entscheiden. Mittels dieser Technologie können über Telefonleitungen sowohl Sprache als auch Daten übertragen werden. Mit dem Thema befasst sich auch die Europäische Union.

Telekom hat kaum Konkurrenz bei Ortsgesprächen

Im Gegensatz zu Fern- und Auslandsgesprächen findet im Ortsnetz in Deutschland bislang kaum Wettbewerb statt, obwohl mehrere Dutzend Konkurrenz-Unternehmen zur Telekom Ortsnetzanschlüsse anbieten. Der Einstieg in das Ortsnetzgeschäft lohnt sich für die Wettbewerber im Regelfall jedoch erst bei Grundgebühren für Privatanschlüsse zwischen 40 bis 50 DM sowie bei Geschäftskunden. Da die Telekom über die Leitungen auf der so genannten letzten Meile von der Vermittlungsstelle bis zur Teilnehmeranschlussdose in den Räumen des Kunden verfügt, müssen die Wettbewerber diese Leitungen mieten. Alternativ können Kunden auch über vergleichsweise kostenträchtige Verbindungen via Richtfunk, Breitband-Kabel oder Satellit angeschlossen werden.

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