Regulierungsbehörde entscheidet sich gegen reines Preisverfahren
Internet-Großhandelsflatrate auf dem Prüfstand

Telekom-Regulierer Matthias Kurth will das Angebot der Deutschen Telekom einer Internet-Großhandelsflatrate in zwei getrennten Verfahren prüfen. Zunächst geht es dabei um die Netz-Größen, die Wettbewerbern abverlangt werden. Ursprünglich sollte die Entscheidung am Mittwoch fallen.

BERLIN. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat am Mittwoch ihre Entscheidung über die Großhandelspauschale der Deutschen Telekom für Internetanbieter zurückgestellt. Eine abschließende Bewertung sei nicht möglich gewesen, hieß es in Behördenkreisen. Nach Handelsblatt-Informationen will Telekom-Regulierer Matthias Kurth sicher gehen, dass eine Entscheidung vor Gericht Bestand haben wird. Eine reine Preisentscheidung zum jetzigen Zeitpunkt hätte zudem einen unerwünschten Effekt gehabt: Profitiert hätte vor allem T-Online, die dann künftig weniger Geld für das Zugangsnetz an ihre Mutter Telekom überweisen müsste.

In zwei neuen Verfahren will die Kurth-Behörde nun zunächst eine sinnvolle Netzstruktur für die Flatrate finden, und anschließend die Preise prüfen. Hintergrund ist ein Prozess vor dem Oberverwaltungsgericht Münster über die Netzzusammenschaltung: Das Verfahren hatte die Regulierungsbehörde gegen die Telekom verloren, weil sie Netzstruktur und Preise gleichzeitig geprüft hatte. Die Richter verlangten dafür zwei getrennte Verfahren.

Auf eine Großhandelspauschale drängt seit Jahren AOL, der größte Konkurrent der Telekom-Tochter T-Online. AOL will seinen Kunden eine Monatspauschale von unter 50 DM für das Surfen rund um die Uhr anbieten. Erst eine solche Flatrate könne das Internet, das 27 % der Deutschen nutzen, zum Massenmedium machen, argumentiert AOL. Im vergangenen Dezember machte die Telekom ihren Konkurrenten ein Angebot: Für 4 800 DM monatlich können sie eine 2-Megabit-Leitung von der Telekom mieten. Das entspricht 30 ISDN-Standleitungen.

Preissenkung wäre nur für T-Online vorteilhaft gewesen

Diese Leitungen stellt die Telekom an 1 600 Zusammenschaltungspunkten in ihrem Netz zur Verfügung. Doch über ein so dichtes Netz, dass diese 1 600 Punkte abdeckt, verfügt keiner der Telekom-Wettbewerber. Der größte Datennetzbetreiber Mediaways, dessen Leitungen AOL und andere Internet-Anbieter nutzen, kommt auf 270 Zusammenschaltungspunkte.

In der Branche gilt es daher als aussichtslos, dass ein Telekom-Konkurrent sein Netz in absehbarer Zeit überhaupt auf 1 600 Zusammenschaltungspunkte ausbauen kann, unabhängig davon, was dann eine 2 Megabit-Leitung kostet. Einen Vorteil der zunächst geplanten Preissenkung hätte allein T-Online gehabt, die dadurch ihre Stellung gegenüber AOL und anderen Wettbewerbern weiter hätte festigen können. Wie es heißt, soll AOL deshalb vor wenigen Tagen von ihrer Forderung nach Preissenkungen abgerückt sein. Offiziell wollte das Unternehmen dazu nicht Stellung nehmen. Inoffiziell ist jedoch zu hören, dass man bei AOL erleichtert sei, dass das Verfahren andauert. Wie es in informierten Kreisen heißt, müssten nach einer Preisprüfung die Kosten von 4 800 DM pro 2-Megabit-Leitung um mindestens 30 % sinken.

Beispiel Großbritannien

Im neuen Verfahren soll zunächst eine sinnvolle Netzstruktur für den Internetverkehr gefunden werden. Dazu sollen Gutachten vergeben werden. Als Richtgröße kämen 475 Zusammenschaltungspunkte in Frage: Diese Netzstruktur gilt künftig auch für den günstigsten Tarif bei der Verbindung der Telefonnetze.

Mediaways-Chef Bernhard Ribbrock schlägt demgegenüber vor, dass sich die Regulierungsbehörde am Beispiel Großbritannien orientieren soll. Die dort gültige Großhandelsflatrate "Friaco" sieht vor, dass sich die Konkurrenten von British Telecom (BT) auf einer übergeordneten Netz-Ebene an 70 Punkten mit dem BT-Netz zusammen schalten können. "Friaco funktioniert hervorragend", sagt Ribbrock.

Experten der Regulierungsbehörde halten das BT - und das Telekom-Netz jedoch für schlecht mit einander vergleichbar. Die Telekom will zudem vermeiden, dass der Datenverkehr zuerst weite Wege in ihrem Telefonnetz zurücklegen muss, ehe er ins Datennetz gelangt: Dies würde zu massiven Engpässen führen, so die Telekom.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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