Regulierungsbehörde weist Kritik des Multimedia-Verbandes zurück
Abrechungssysteme für mobile Dienste sind Sache der Unternehmen

Aktuelle, interessante Inhalte für das mobile Internet haben ihren Preis. Eine Beteiligung an den Erlösen lehnen die Netzbetreiber aber bislang ab. Die Regulierungsbehörde urteilt, die Abrechnung sei Sache der Unternehmen. Nun will der Multimedia-Verband alle Beteiligten an einen runden Tisch laden.

jgo DÜSSELDORF. Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation hat Kritik des Multimedia-Verbandes (DMMV), die großen Mobilfunkbetreiber verhinderten durch unflexible Abrechnungsmodelle Vielfalt bei mobilen Internetdiensten, zurückgewiesen. "Im Mobilfunkmarkt hat niemand eine marktbeherrschende Position, im Gegenteil, der Wettbewerb funktioniert, und aus diesem Grund sind wir der falsche Adressat", sagte Pressesprecher Harald Dörr im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Wie die Netzbetreiber ihre Abrechungspraxis gestalteten, sei Sache der Unternehmen selbst. Die Regulierungsbehörde halte es im Übrigen für sehr unwahrscheinlich, dass die Unternehmen den Kunden interessante Dienste vorenthalten könnten, dazu sei der Wettbewerb zu intensiv. "Wenn wir demnächst sogar sechs Anbieter auf dem Markt haben werden, deutet alles darauf hin, dass der Wettbewerb noch intensiver wird", sagte Dörr.

Der DMMV hingegen erneuerte heute seine Kritik, strebt aber eine einvernehmliche Lösung an. Markus Garbe, Leiter des Arbeitskreises Mobiles Internet, sagte Handelsblatt.com, nur wenn die Netzbetreiber die Inhalteanbieter für mobile Dienste angemessen an den Erlösen beteiligten, werde sich auch in Deutschland ein attraktives Angebot entwickeln. "Seit einem Jahr sagen die Telekommunikationsunternehmen, die Abrechung sei kompliziert; gleichzeitig funktioniert das Modell aber in Finnland, Großbritannien und mit besonders großem Erfolg auch in Japan", sagte Garbe. Für die beiden größten Netzbetreiber, Vodafone und T-Mobil, gehe es wohl in Deutschland um eine Machtfrage. "Die Telcos wissen, dass sie bald mit Minuten kein Geld mehr verdienen können; außerdem engen Schulden für die UMTS-Lizenzen ihren finanziellen Spielraum weiter ein. Deshalb verteidigen sie ihren Besitzstand."

Nach Garbes Worten werden auch ausländische Diensteanbieter den deutschen Markt so lange meiden, bis sich faire Abrechungsmodelle durchgesetzt haben. "Wenn wir nicht weiter hinter die Konkurrenz im Ausland zurückfallen wollen, müssen wir für alle Marktteilnehmer einen freien, ungehinderten Zugang schaffen", forderte Garbe. Nach der Cebit will der Verband daher "Briefe an alle Beteiligten" schicken und zu einem runden Tisch einladen. "Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert", sagte Garbe.

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