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Rehhagels EM-Helden in Not - Aufschub für Vogts

Rehhagel in Not, Vogts in der Bredouille, Merk in der Mangel der Kritiker: Die deutschen Protagonisten erlebten in der Ausscheidung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einen „schwarzen Mittwoch“ und stehen vor schweren Zeiten.

dpa HAMBURG. Rehhagel in Not, Vogts in der Bredouille, Merk in der Mangel der Kritiker: Die deutschen Protagonisten erlebten in der Ausscheidung zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einen "schwarzen Mittwoch" und stehen vor schweren Zeiten.

"Wir haben zwar die Europameisterschaft gewonnen, sind aber nicht die Beherrscher des Weltfußballs", musste Griechenlands Coach Otto Rehhagel nach dem 0:0 des EM-Champions gegen die Türkei feststellen. Nach dem Fehlstart mit einem Punkt aus zwei Spielen stehen die Hellenen ebenso unter Druck wie Berti Vogts, der nach Schottlands magerem 0:0 gegen Slowenien um den Trainerposten bangt. Und Markus Merk wird von den unterlegenen Tschechen für das 0:2 in den Niederlanden verantwortlich gemacht.

"Das war unmoralisch. Wer eine solche schandhafte und arrogante Spielweise zulässt, sollte sich schämen", echauffierte sich Trainer Karel Brückner über den Fifa-Referee aus Kaiserslautern, der drei umstrittene Entscheidungen gegen die Gäste traf. Während sich die Zeitung "Lidove noviny" ("Beim ersten Schritt zur WM 2006 sackte das tschechische Team in die Knie") um Sachlichkeit bemühte, wollte Marek Heinz im Unparteiischen gar "den 12. Mann der Niederländer" gesehen haben. "Herr Merk hat merkwürdige Maßstäbe angelegt, wir fühlen uns geschädigt", sagte Borussia Mönchengladbachs Profi. Dagegen feierte der Gegner vor allem Matchwinner Pierre van Hooijdonk. "Traumstart für Oranje. Opa van Hooijdonk liest aus eigenen Werken", titelte "De Telegraaf" über den Stürmer, der an Stelle von Roy Makaay den verletzten Ruud van Nistelrooy vertrat und zwei Mal (33./84.) traf.

Vier Tage nach dem 1:2 in Albanien kam Griechenland gegen Nachbar Türkei nicht über ein torloses Remis hinaus und muss vor dem schweren Spiel in der Ukraine schon ernsthaft um die WM-Teilnahme zittern. "In Portugal bei der EM haben wir zumindest immer ein Tor geschossen, im Moment kommen wir einfach nicht zum Abschluss", erklärte Rehhagel das Hauptproblem. "Wir müssen realistisch sein. Es wird mit nur einem Punkt jetzt schwierig, aber wir haben weiterhin alle Chancen." Die Türken feierten die Nullnummer wie einen Sieg. "Dem Europameister einen Punkt abzunehmen, ist ein Erfolg", schrieb die Zeitung "Sabah".

Während Hans-Peter Briegel mit Albanien 0:2 in Georgien unterlag, feierte aus deutscher Sicht nur Lothar Matthäus mit Ungarn (3:2 über Island) einen Sieg. Berti Vogts erkannte beim schottischen 0:0 gegen Slowenien zwar einen Aufwärtstrend, aus der Schusslinie aber ist der umstrittene Coach nach nur drei Siegen in 19 Länderspielen nicht. "Gegen Norwegen müssen wir nun siegen", forderte Vogts, der eine Schonfrist zumindest bis zum Spiel am 9. Oktober erhalten dürfte. "Sein Job ist wieder etwas sicherer", meinte der "Herald". Andere Medien fordern weiter Gordon Strachan als Coach.

Nach dem 2:1 in Polen sitzt Englands Coach wieder fest im Sattel. "England rettet Eriksson aus dem Feuer", titelte "The Guardian". Dass die Insel-Medien sich nach dem 2:2 in Österreich auf ihn und sein Team einschossen, hält er ohnehin für "dummes Zeug. Es tut mit leid, dass ich das sagen muss. Aber die Massenmedien überziehen oft", betonte der Schwede. Während seine Akteure daher einen Presseboykott initiierten, konnte sich Eriksson für seine richtigen Entscheidungen auf die Schulter klopfen. Er ersetzte den oft fehlerhaften Keeper David James durch Paul Robinson und brachte den 1:0-Torschützen Jermain Defoe von Beginn an. Ein Eigentor des Polen Glowacki ließ Eriksson dann endgültig zum großen Gewinner des Tages werden.

Neben England konnten auch andere Fußball-Großmächte aufatmen. Frankreich schaffte nach dem 0:0 gegen Israel einen glanzlosen 2:0- Erfolg auf den Färöer-Inseln. Giuly (31.) und Cissé (73.) trafen für die "Blauen", die in der Gruppe vier dank des 1:1 zwischen der Schweiz und Irland (alle vier Punkte) zur Spitze aufschlossen. In Gruppe fünf liegt Italien dank des 1:0 in Moldawien (Tor: del Piero/31.) mit sechs Zählern allein vorn. Portugal erzielte in seinem Auftaktmatch der Gruppe drei ein klares 4:0 über Estland. Postiga (2), Ronaldo und Pauleta trafen. Dagegen kam Nachbar Spanien in der Gruppe sieben in Bosnien-Herzegowina über ein 1:1 nicht hinaus. Vicentes Führung (66.) glich Bolic (74.) beinahe postwendend aus. In der Gruppe acht thront Kroatien nach zwei Siegen mit sechs Punkten allein an der Spitze. Srna (63.) traf in Schweden zum wertvollen 1:0 des WM-Dritten von 1998.

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