Rehmer schwört auf Sushi
DFB-Elf bildet Krisenstab wegen Playstation-Streik

Sonne, Strand und ein Golfplatz direkt vor der Tür - im 8. Stock des DFB-Hotels "Sheraton Phoenix" wird während der Weltmeisterschaft trotzdem keine Urlaubsstimmung aufkommen.

dpa MIYAZAKI. Im Gegenteil: Schon am zweiten Tag nach dem Bezug des weiß getünchten, schlichten Plattenbaus im "Seagaia Park" war aus den Einzelzimmern der deutschen Fußball-Nationalspieler erstes Murren zu vernehmen. "Dass es die absolute Katastrophe ist, kann man nicht sagen. Aber wir haben zwei Mal Training am Tag, da kriegt man nicht so viel mit vom Hotel", bemerkte am Freitag der Berliner Marko Rehmer. Der aus Thüringen stammende Teamkollege Bernd Schneider ergänzte scherzhaft: "Ich komme ja aus dem Osten, da kenne ich ganz andere Hotels. Aber es stimmt, mit Bayer Leverkusen haben wir in dieser Saison ganz andere Hotels erlebt." Mit der Herberge aus den 70er Jahren hat es allerdings nichts zu tun, dass ausgerechnet das wichtigste Spielzeug der besten deutschen Fußballer seinen Dienst versagt - die Playstation. Schließlich spielt "die ganze Mannschaft", wie Schneider verriet: "Wir haben noch keinen Anschluss gefunden, das macht uns Kopfzerbrechen", fügte er leicht verzweifelt hinzu. Ein teaminterner Krisenstab ist fieberhaft bei der Arbeit, um die mitgebrachten Adventure-, Action- und Sportspiele in Funktion zu bringen.

Das Problem mit der geringen Stromspannung von 110 Volt in Japan habe man inzwischen in den Griff bekommen, konnte Schneider am Freitag vermelden. Doch die europäische Ausgabe der Playstation ist nicht mit den hiesigen TV-Geräten kompatibel. Der Kauf japanischer Playstation-Fabrikate endete mit neuem Frust: In diesen Geräten funktionieren die deutschen Spiele nicht. "Extra-Techniker", so Schneider, sind nun in Aktion, um irgendwann doch noch Galopprennen am Bildschirm zu ermöglichen. Immerhin: In den knapp 20 Quadratmeter kleinen Zimmern zum Preis von umgerechnet 260 Euro kann wenigstens ARD oder ZDF geschaut werden, je nachdem welcher der beiden deutschen Sender während der WM gerade überträgt. Auch Lesen kommt als Freizeitbeschäftigung wieder mehr in Mode: Der gebürtige Ghanaer Gerald Asamoah hat seine eigene Bibel dabei, der Bremer Marco Bode sogar gleich fünf Bücher. "Ich bin aber nicht auf einer Lesereise", betonte der 32-Jährige.

DFB-Sponsoren wie der Bierproduzent "Bitburger" oder ein eigener Koch sorgen bei den Mahlzeiten für gewohnte Verhältnisse, auch wenn Rehmer gleich am Ankunftstag beim Abendessen im allein für den DFB reservierten Restaurant des 9. Stocks japanischen Sushi den Vorzug gab. Die drei oberen Etagen 7, 8 und 9 stehen exklusiv der rund 60- köpfigen Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Verfügung, die Abschottung macht selbst vor dem Swimmingpool im Garten nicht halt. Es ist extra ein vier Meter hoher Sichtschutz um das Schwimmbecken errichtet worden, "wegen der Paparazzi", wie Hotelmanager Toshimaru Fukuishi begründete. "Viel von Land und Leuten werden wir auch nicht sehen", fürchtet WM-Neuling Schneider. Vor vier Jahren, bei der WM in Frankreich, war das noch ganz anders gewesen. An der Cote d'Azur hatten die Spieler sogar die Möglichkeit, sich hin und wieder mit Frau und Kindern in Nizza, St. Tropez oder Monte Carlo zu treffen. Den Flug ins 10 000 Kilometer entfernte, Europäern sehr fremde Urlaubsrevier auf der drittgrößten japanischen Insel Kyushu wollen sich dagegen nur sehr wenige Spielerfrauen antun - zumal das am Pazifik gelegene Miyazaki nicht einen Hauch von Jetset wie das Fürstentum Monaco verbreitet.

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