Reich: IKB Deutsche Industriebank kann Plattform sein für künftige Export- und Projektfinanzierungstochter
KfW-Chef Reich warnt vor Kreditengpass

Banken und Unternehmen müssten jetzt handeln, um die Mittelstandsfinanzierung langfristig zu sichern, warnt Hans W. Reich, Vorstandssprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Mittelständler müssen transparenter werden, die Banken ihre Finanzinstrumente verbessern.

hjk/kie/nw/rob FRANKFURT/DÜSSELDORF. "Ja, es ist zu befürchten, dass es einen Kreditengpass geben und die Finanzierung des Mittelstandes sehr schwierig werden wird." Hans W. Reich, Vorstandssprecher der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), drängte im Gespräch mit dem Handelsblatt darauf, dass jetzt gehandelt werden müsse. "Nur dann kann die langfristige Mittelstandsfinanzierung gesichert werden."

Die KfW ist als Förderbank des Bundes stark in der Finanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen engagiert. Im vergangenen Jahr sagte sie rund 8,2 Mrd. Euro für die Mittelstandsförderung in Deutschland und Europa zu. Reich gibt sich überzeugt, dass der Mittelstand im Kern gesund ist und selbst einiges zur Verbesserung seiner Finanzlage beitragen kann. Vor allem in zwei Punkten bestehe jedoch Handlungsbedarf. "Die Rechnungslegung vieler Mittelständler muss zeitnäher und transparenter werden. Und die Unternehmer müssen die Märkte in Bewegung setzen und Wettbewerb zwischen den Banken schaffen, indem sie mehrere Finanzierungsangebote einholen und verhandeln." Aber auch die Banken stünden in der Pflicht. Durch das Zusammenfassen kleiner Kredite in einem Pool, der anschließend verbrieft und am Kapitalmarkt platziert werde, könnten sie die Finanzierungen profitabler machen. Genauso wichtig sei die Spreizung der Konditionen. Damit würde die individuelle Bonität der Kreditnehmer berücksichtigt.

Auch Jürgen Bock, Präsident der Vereinigung Mittelständischer Unternehmer (VMU), ist keineswegs sicher, dass die langfristige Finanzierung kleiner und mittelgroßer Unternehmen gesichert ist. Die Großbanken zögen sich aus dem Firmengeschäft zurück. "Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken können diese Lücke niemals füllen." Für eine gesicherte Kreditvergabe müsse aber auch der Mittelstand strukturelle Veränderungen leisten, sagt Ljuba Kokalj vom Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. "Der Mittelstand zeigt gegenüber den Finanzinstituten bisher zu wenig Transparenz." So müssten die Firmen Dinge wie die Personal- und Nachfolgeplanung oder die Marktentwicklung eines Unternehmens besser kommuniziert werden, wenn sie im Kreditwettbewerb bestehen wollten.

Reich hofft, dass die engere Kooperation zwischen der KfW und der IKB Deutsche Industriebank AG, der Entwicklung neuer Finanzierungsinstrumente für den Mittelstand neuen Auftrieb gibt. Die KfW hält seit Ende 2001 rund ein Drittel der Anteile an der IKB. Deren Kerngeschäft: die Mittelstandsfinanzierung. Nach der Einigung mit der EU-Kommission könnte die IKB auch bei der Neuorganisation der KfW eine wichtige Rolle spielen, erklärte Reich. "Sie könnte eine Plattform sein, auf die wir Teile der Export-und Projektfinanzierung übertragen." Eine Aufstockung der Beteiligung an der IKB plane er indes nicht. "Es kann völlig ausreichen eine Beteiligung nur in dieser Höhe zu halten, um unsere gemeinsamen Ziele zu erreichen." Geprüft würden auch Optionen wie die Neugründung einer GmbH, einer AG oder eine weitere Akquisition.

Am 1. März hatten sich EU-Kommission und Bundesfinanzministerium über den künftigen Rahmen für die KfW geeinigt. Die Förderbank wird weiter von Anstaltslast und Garantie des Bundes profitieren, sie muss aber Teile der Export- und Projektfinanzierung in ein Tochterunternehmen ausgliedern. Dafür hat sie Zeit bis Ende 2007. Ausgeweitet wird der Spielraum der KfW in Europa. Mit der IKB arbeitet die KfW seit langem zusammen, im November 2001 hat sie die Kooperation mit einer Beteiligung in Höhe von jetzt 34 % unterlegt.

Die strategische Zusammenarbeit mit der IKB werde jetzt zügig ausgebaut, kündigte Reich an. "Die IKB ist unser Ohr im Markt für die Bedürfnisse des Mittelstandes", sagt der KfW-Chef. Künftig wollen die beiden Banken gemeinsame Schuldscheindarlehen an den gehobenen Mittelstand vergeben, die anschließend verbrieft und am Kapitalmarkt platziert werden sollen. Als weitere Felder der Zusammenarbeit identifizierte Reich Finanzierungen von Akquisitionen - dort wolle die KfW künftig auch europaweit agieren - sowie Mezzaninefinanzierungen, sprich die Kombination aus Eigen- und Fremdkapitalfinanzierungen. Die Partner wollen zudem ihre Kapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen, also das Geschäft mit Private Equity, ausbauen. Reich lässt sich dabei von alten Fehlern der Branche nicht schrecken: "Wenn Banken im Private-Equity-Geschäft gelitten haben, heißt das nicht, dass man sich grundsätzlich aus diesem Markt verabschieden muss. Wir werden aus den Fehlern lernen." Kooperieren wollen beide Banken auch in der Export- und Projektfinanzierung vor allem für den gehobenen Mittelstand. Dies werde den Banken ein zusätzliches operatives Geschäft von mindestens 500 Mill. Euro pro Jahr bescheren. Unter dem Strich werde für beide Seiten ein spürbarer Gewinn stehen.

Der Mittelstand betrachtet die Zusammenarbeit von IKB und KfW skeptisch. Bock: "Schuldscheindarlehen und Aquisitionsfinanzierungen bergen die Gefahr der Übersicherung". Besser sei eine Mischfinanzierung aus Eigen- und Fremdkapital. Damit werde das Risiko breiter gestreut.

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