Reifenmängel sollen Tod von 18 Autofahrern verschuldet haben
US-Klage gegen Reifenhersteller Continental

Amerikanische Anwälte haben eine Entschädigungsklage gegen den deutschen Reifenhersteller Continental eingereicht, weil das Unternehmen Informationen über Sicherheitsmängel bei einer Reifenserie unterdrückt haben soll.

dpa/afp WASHINGTON/HANNOVER. Wie der US-Fernsehsender ABC aus Washington berichtete, halten die Kläger Continental vor, durch defekte Reifen des Typs "52S" der US-Tochter Continental General Tire den Tod von mindestens 18 Autofahrern verschuldet zu haben. Die Reifen wurden seinerzeit exklusiv auf Ford-Fahrzeuge montiert.

Die Kläger beziehen sich auf Ermittlungen der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, die 1993 eine Serie folgenschwerer Unfälle untersucht hatte, bei denen sich während der Fahrt "52S"-Reifen gelöst hatten. Dabei waren insgesamt fünf Menschen getötet worden. Die Untersuchungen endeten damals ergebnislos, seither wurden laut ABC aber mindestens 13 weitere Unfälle mit Todesfolge publik, bei denen geländegängige Limousinen vom Typ Ford Bronco mit Continental-Reifen beteiligt waren. In der Klage wird Continental beschuldigt, Hinweise eines Großabnehmers aus den USA über die Sicherheitsmängel ignoriert und nicht an die US-Behörden weitergeleitet zu haben.

Ein Sprecher von Continental in Hannover dementierte dies und betonte, das Unternehmen habe während der Untersuchungen in den USA "voll und ganz" mit den Behörden kooperiert. "Wir haben alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, die wir hatten", versicherte Firmensprecher Andreas Meurer am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Er bestätigte, dass auch noch Klagen in mehreren Einzelfällen laufen.

Der US-Ableger Continental General Tire rief erst im September diesen Jahres 160 000 Reifen des Typs "ContiTrac AS" zurück, die auf Lincoln-Fahrzeuge montiert worden waren. Die Firma hob aber hervor, es habe keine schwerwiegenden Unfälle mit Verletzten gegeben. Bei manchen Reifen habe sich lediglich durch Hitzeeinwirkung teilweise die Gürtelkante gelöst. Zuvor hatte bereits Firestone, die US-Tochter des japanischen Reifenkonzerns Bridgestone, in den USA 6,5 Mill. Reifen zurückziehen müssen. Die Reifen stehen im Verdacht, Unfälle mit rund 130 Toten ausgelöst zu haben. Bridgestone/Firestone und der Autokonzern Ford als Abnehmer der Reifen werden beschuldigt, schon früh von den Problemen gewusst und nicht gehandelt zu haben.

Reifenrückruf belastet die Conti-Aktie

Die Conti-Aktie hat am Donnerstag im Vormittagshandel deutliche Kursverluste gegen den Trend im M-Dax hinnehmen müssen. Das Papier fiel in Frankfurt bis 11.30 Uhr um 4,48 % auf 19,20 Euro. Der M-Dax kletterte gleichzeitig um 0,26 % auf 4 908,63 Zähler.



Eine Händlern in der BHF-Bank führte die Entwicklung auf die Probleme in den USA zurück. Sie sagte im Gespräch mit dpa-afx, der Reifenrückruf habe größere Ausmaße angenommen, als bisher vermutet. An sich habe diese Entwicklung jedoch schon eingepreist sein müssen.

Analyst Ulrich Huwald von der Conrad Hinrich Donner Bank in Hamburg bezeichnete den Kursverlust der Continental-Aktie dagegen als "nicht dramatisch" und sah keinen Zusammenhang zu den Problemen in den USA. Reifen seien derzeit insgesamt "kein beliebtes Segment". Der Markt neige aufgrund von Gerüchten zu Nervosität. Der Experte schätzte Contintal-Papiere dennoch als "zuverlässig" ein. Huwald: "Ich erwarte kein nachhaltiges Abrutschen unter 18 Euro".

Mit dem Kauf von Teves habe Continental sich auf den Weg vom Reifenhersteller zum System-Zulieferer gemacht. Die Herstellung von Systemkomponenten wie Brems- und Luftfedersystemen ergänzen die Reifenproduktion des Unternehmens seit etwa einem Jahr.

Wenn am 15. November die Unternehmenszahlen für das dritte Quartal veröffentlicht werden, steht nach Ansicht des Analysten auch eine eventuelle Aufwertung des Papiers an. Abhängig von der Teves-Integration ins Mutterunternehmen und der weiteren Entwicklung der zugekauften Tochter, sei spätestens nach Präsentation der Ganzjahreszahlen mit einer Anpassung der Gewinnerwartung zu rechnen. Momentan stuft der Analyst die Continental-Aktie auf "neutral".

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