Reifenrückrufe und Qualitätsmängel
Ford mit Gewinnwarnung für Schlussquartal 2001

Der US-Konzern Ford rechnet für das vierte Quartal dieses Jahres mit einem drastisch höheren Verlust als bislang vorhergesagt. Ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten werde nun ein Verlust von 50 Cent je Aktie erwartet, teilte der zweitgrößte US-Autoproduzent am Mittwoch mit. Bislang hatte Ford geplant, im Schlussquartal des Jahres einen geringeren Verlust auszuweisen als im dritten Quartal.

Reuters DETROIT. Von Juli bis September hatte der Betriebsverlust von Ford 502 Mill. $ oder 28 Cent pro Aktie betragen. Finanzexperten gehen davon aus, dass Ford im Rahmen eines für Januar geplanten Umstrukturierungsprogramms eine große Zahl an Stellen streichen und mehrere Werke stilllegen wird. An der Börse gab der Kurs der Ford-Aktie nach.

Analysten hatten bei Ford bislang für das vierte Quartal im Schnitt einen Verlust von rund 14 Cent je Aktie erwartet. Als Gründe für den nun erwarteten höheren Verlust nannte Ford hohe Marketing- und Produktionskosten sowie höhere Rückstellungen für Kreditausfälle auf Grund des Wirtschaftsabschwungs in den USA. Ford leidet auch unter dem massiven Preiskampf auf dem US-Markt. Nach den Anschlägen vom 11. September hatten die US-Hersteller angeführt von Branchenführer General Motors (GM) zum Ankurbeln der Nachfrage extrem günstige Finanzierungen bis hin zu zinslosen Krediten eingeführt. Dadurch hatte sich der Preiskampf nochmals massiv verschärft. Die günstigen Finanzierungen gelten als extrem belastend für den Ertrag.

Bereits zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass Ford für das Schlussquartal höhere Verluste ankündigen werde. In US-Medienberichten hatte es geheißen, Ford erwarte einen Verlust von 35 Cent je Aktie.

In der US-Autobranche kursieren nun bereits Spekulationen, in welchem Umfang Ford im Rahmen seines Restrukturierungsplans Mitarbeiter entlassen wird. Analyst Saul Rubin von UBS Warburg geht davon aus, dass Ford zwei bis drei Fabriken bis zu einer endgültigen Schließung im Jahr 2003 einmotten und bis zu 12 000 Arbeiter entlassen wird. Allerdings müsse Ford eigentlich bis zu sechs Werke mit rund 30 000 Arbeitern stilllegen, um die Produktion der Nachfrage anzupassen, teilte Rubin mit. Für die drei großen US-Autohersteller GM, Ford und Chrysler gilt ein Abkommen mit der US-Autogewerkschaft UAW, wonach diese vor 2003 keine Fabrik schließen dürfen.

Der Verlust im vierten Quartal bedeutet, dass Ford erstmals seit fast einem Jahrzehnt in drei Quartalen in Folge rote Zahlen schreiben wird. Im zweiten und dritten Quartal des Jahres hatte sich der Verlust von Ford auf insgesamt 1,4 Mrd. $ summiert. Im vergangenen Jahr hatte Ford noch als der am besten geführte Konzern unter den drei US-Herstellern gegolten. Damals war die DaimlerChrysler-Tochter Chrysler bereits in Schwierigkeiten geraten. Inzwischen setzt Chrysler ein umfassendes Reformprogramm um, das den Abbau von 26 000 Arbeitsplätzen beinhaltet. Branchenexperten gehen mittlerweile davon aus, dass Chrysler im Vergleich zu seinen Konkurrenten die jetzigen Probleme am schnellsten überwindet, da die Daimler-Tochter als erste in Schwierigkeiten geraten sei und schnell eine konsequente Umstrukturierung gestartet habe.

An der New Yorker Börse gab der Kurs der Ford-Aktie in der ersten Handelsstunde um rund 2,8 % auf 17,25 $ nach. Seit April hat die Aktie damit fast die Hälfte ihres Kurswertes eingebüßt. Ein Analyst sagte, gleichwohl gebe es derzeit wenig Potenzial für Kurssteigerungen der Aktie. In dem derzeitigen Kurs seien Teile des erwarteten Erfolgs einer Restrukturierung bereits einbezogen.

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