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Justiz bestätigt Ermittlungen gegen Telekom-Chef Sommer

Die Fehlbewertung des Immobilienvermögens setzt den Vorstand der Deutsche Telekom immer mehr unter Druck: Die Bonner Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag Presseberichte, wonach das laufende Ermittlungsverfahren auf Telekom-Chef Ron Sommer ausgeweitet worden sei. Hintergrund sind die eingegangen Strafanzeigen in den vergangenen Wochen. Sommer soll über Jahre hinweg von der Überwertung der Immobilien gewusst haben, ohne zu handeln.

dpa BONN. Vor wenigen Wochen hatte die Telekom ihr Vermögen in Höhe von rund 17 Milliarden Euro um rund zwei Milliarden Euro nach unten korrigiert. Wegen einer möglichen Falschbewertung, Bilanz- und Kapitalanlagebetrug ermittelt die Bonner Staatsanwaltschaft bereits seit längerem gegen den ehemaligen Finanzvorstand Joachim Kröske. Aktionärsvertreter haben angekündigt, dem Vorstand auf der Hauptversammlung am 29. Mai die Entlastung zu verweigern.

Ein Telekom-Sprecher wies die erhobenen Vorwürfe gegen Sommer am Montag erneut zurück: Die Bilanzen des Unternehmens seien stets korrekt gewesen. Auch habe die Deutsche Telekom deutlich gemacht, warum eine Abwertung des Immobilienvermögens vorgenommen worden sei. Die pauschale Wertberichtigung des Immobilienvermögens begründete der Bonner Riese unter anderem mit dem beschleunigten Verkauf eines Teils seiner Immobilien.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» könnte Sommer schon seit geraumer Zeit von der Überbewertung Kenntnis gehabt haben. Entsprechende Schreiben lägen den Ermittlern vor, in welchen Telekom-Manager und externe Gutachter den ehemaligen Aufsichtsratschef Helmut Sihler und den Vorstand bereits frühzeitig auf eine drohende Falschbewertung hingewiesen hätten.

Ein Gruppe von Aktionären hatte Ende Februar Strafanzeige gegen Sommer erstattet. Sie werfen ihm und dem Konzernvorstand «falsche Angaben» und «unrichtige Darstellung» nach dem Aktiengesetz vor. Sie vermuten, dass wissentlich der Wert des Unternehmens, insbesondere des Vermögens der Telekom, falsch angegeben worden sei.

Wegen der Wertberichtigung ihres Immobilienbesitzes droht der Telekom möglicherweise auch eine Prospekthaftungsklage und eine Sonderprüfung der Immobilienbesitzes. Diese Schritte erwägt jedenfalls die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf. Eine Nicht-Entlastung des Vorstandes wäre dabei noch die schwächste Maßnahme, sagte Petra Krüll von der DSW. «Den Rücktritt von Sommer fordern wir aber nicht».

Einen Unternehmensvorstand können die Aktionäre ohnehin nicht in die Wüste schicken. Über die personelle Besetzung entscheidet allein der Aufsichtsrat, der von den Aktionären gewählt wird. Doch von einer Nicht-Entlastung des Vorstandes durch eine Minderheit könnte auf einer Hauptversammlung eine Signalwirkung ausgehen, glaubt Krüll.

Der Telekom-Chef steht wegen des stark gefallenen Kurses der T- Aktie bereits seit Wochen in der Schusslinie. Gerüchte machten die Runde, Sommer werde bald seinen Hut nehmen. Ein solches Ansinnen hat der Topmanager aber immer wieder bestritten. Auch der Bund als Haupteigner der Telekom und der Aufsichtsrat stellten sich hinter den Vorstandsvorsitzenden. Am Montagnachmittag lag der Kurs der Telekom - Akie um 4,29 Prozent niedriger bei 25,65 Euro.

Für das Schicksal Sommers ist nach Ansicht von Experten ohnehin ein ganz anderes Ereignis von Bedeutung: Die geplante Übernahme der US-Mobilfunkfirma VoiceStream. Bei einer Hauptversammlung in den USA fällt an diesem Dienstag eine weitere Vorentscheidung: Dort werden die Aktionäre des Unternehmens über die Kaufofferte der Telekom entscheiden.

Eine Mehrheit des Kapitals hatte sich die Telekom bereits durch die Zustimmung der Hauptaktionäre von VoiceStream - Hutchison Whampoa und Sonera - gesichert. Im April soll mit der erwarteten Genehmigung durch die US-Aufsichtsbehörde FCC die letzte Hürde genommen werden. Sollte die VoiceStream-Übernahme doch noch scheitern, könnten Sommers Tage bei der Telekom tatsächlich gezählt sein.

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