Reimann unter Druck
Trainer in Abwehrhaltung

Willi Reimann suchte sich am Dienstag beim Training einen Platz hinten in der Ecke. Die Anweisungen erteilte Eintracht Frankfurts Co-Trainer Jan Kocian. Reimann schaute zu. Während die Bundesligafußballer den Ball passten, stoppten oder köpften, hatte der 54-Jährige die Arme verschränkt. Sinnbild einer Abwehrhaltung.

FRANKFURT. Willi Reimann, als schweigsam, stoisch, bisweilen störrisch beschrieben, hat sich erneut selbst ins Abseits manövriert. Mit zwei Schubsern gegen den vierten Schiedsrichter Thorsten Schriever hat er am Sonnabend bei der Niederlage in Dortmund einen Präzedenzfall in der Bundesliga geschaffen. Schon zum dritten Mal in dieser Saison verursachte Reimann große Aufregung. Im Herbst 2003 geißelte er die eigenen Fans ("dumme Ochsen"), kürzlich ließ er sich zu unnötigen Provokationen gegen Andreas Möllers Berater Klaus Gerster hinreißen ("dem gehört in die Fresse gehauen"). Möller hat den Verein inzwischen verlassen. Schon damals bat Heribert Bruchhagen zum Rapport, nun rüffelte der Vorstandsboss öffentlich das "absolute Fehlverhalten." Dennoch weicht er vorerst nicht von Reimanns Seite. Noch kann die in der Rückrunde so erfolgreiche Eintracht nicht ohne den unnahbaren Westfalen.

Am MIttwoch tagt das DFB-Sportgericht. Der Kontrollausschuss fordert eine Innenraumsperre für fünf Spiele und 25 000 Euro Geldstrafe. Zusammen mit Sportjurist Christoph Schickhardt hat die Eintracht die Verteidigungsstrategie ausgetüftelt. "Es spricht alles für Willi, außer die Tat", sagt Schickhardt. Reimann ist bei der Verhandlung angehalten, die Contenance zu wahren. In einer sachlichen Debatte sollen die Vorwürfe entkräftet werden. Doch dem Vernehmen nach werden die DFB-Richter die Strafe nicht erheblich mildern, allerdings auch von einem Lizenzentzug auf Zeit absehen.

Die Spieler sehen einer möglichen Sperre unaufgeregt entgegen. "Es wäre schlimmer, wenn er zwei Wochen krank wäre", sagt Alexander Schur. Uwe Bindewald ärgert indes das vorgesehene Strafmaß. "Niemand ist zu Schaden gekommen. Wer privat ein krummes Ding dreht, kommt besser weg." Das Team, das Reimann eher akzeptiert denn respektiert, ist in einer seltsamen Situation: Gewinnt es ohne Trainer, verhilft es denen zu neuen Argumenten, die Reimann los werden wollen - Präsident Peter Fischer etwa.

Vor allem mangelnde Kommunikationsfähigkeit wird Reimann angelastet. Derzeit ist das indes durchaus vorteilhaft: Reimann hat keine Probleme damit, den eindringlichen Empfehlungen, die ihm Schickhardt und Bruchhagen erteilten, nachzukommen: möglichst wenig zu sagen.

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