Reine Kopfsache
Olympia-Schwimmer müssen früh aufstehen

Morgenstund' hat Gold im Mund: Nicht nur Deutschlands Schwimmer wollen dieses Sprichwort bei Olympia in Peking in die Tat umsetzen. Die Endläufe sind für zehn Uhr morgens angesetzt.

Bei den Olympischen Sommerspielen in Peking ist die Nacht für die Schwimmer früh zu Ende. Auch die Mannschaft des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) mit ihrem Star Britta Steffen muss sich auf die ungewohnten Endlaufzeiten um zehn Uhr morgens einstellen.

Deshalb ist die Nacht für die Schwimmer in Asien spätestens um sechs Uhr beendet. "Der Körper braucht ein paar Stunden, bis er hochgefahren und zu Höchstleistungen fähig ist", erklärt DSV-Sportdirektor Örjan Madsen. "Außerdem müssen die Athleten ja auch noch frühstücken und das Essen bis zum Wettkampf verdauen", ergänzt der promovierte Sportwissenschaftler.

Geht es nach Steffen, führt der Olympiasieg deshalb nicht nur über die Schnellsten, sondern über diejenigen, die sich am besten auf die Umstände einstellen. "Das wird ein ganz entscheidender Faktor sein", glaubt die 24 Jahre alte Berlinerin, die dem DSV das erste Olympia-Gold seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona bescheren soll: "Es wird im Finale nicht unbedingt um Weltrekorde gehen, sondern darum, wer am Morgen am ehesten seine Form abrufen kann."

Steffen muss sich überwinden

Für den großen Coup muss auch Steffen über ihren Schatten und im wahrsten Sinn des Wortes ins kalte Wasser springen. "Ich bin jemand, der sehr schnell friert. Gerade morgens muss ich mich überwinden", sagt die Europarekordlerin, die vor allem über 100m Freistil nach Gold greift.

Die Finals finden morgens statt, weil sich der US-Sender NBC für knapp 900 Mill. Dollar die Übertragungsrechte zur besten amerikanischen Sendezeit gesichert hat. US-Superstar Michael Phelps sieht darin kein Problem. "Ein Olympiasieg sollte Motivation genug sein, um früh aus den Federn zu kommen", meint Phelps. Der 23-Jährige, der achtmal Gold im Visier hat und damit den Rekord seines Landsmannes Mark Spitz 1972 in München übertrumpfen würde, traf am Montag mit der Schwimm-Mannschaft der USA in Peking ein.

Madsen: "Das ist eine Kopfsache"

Lamentieren gilt ohnehin nicht. "Die Situation ist für alle gleich. Das ist eine Kopfsache", sagt Madsen, der sein Team zurzeit noch in Kumamoto/Japan vorbereitet. Die Station ist bewusst ausgewählt, weil sie in der gleichen Zeitzone wie Peking liegt. Die Differenz zu Deutschland beträgt sechs Stunden. "In der Regel benötigt der Körper pro Stunde Zeitumstellung einen Tag, um sich anzupassen", sagt Madsen.

Am Dienstag stehen die Weiterreise nach Peking und der Einzug ins Athletendorf auf dem Programm. Im Gegensatz zur Konkurrenz aus den USA und Australien genießen Steffen und Co. den Vorteil, den futuristischen "Wasser-Würfel" in Peking schon seit dem Härtetest Anfang Februar zu kennen.

"Es war wichtig, dass sich unsere Athleten im Februar schon mal an die Bedingungen und die frühen Endlaufzeiten am Vormittag gewöhnt haben", sagt Madsen: "Vor allem Britta ist das damals gut gelungen. Da hat sie bewiesen, dass sie sehr professionell und zuverlässig ist."

Steffen schöpft aus der gelungenen Probe mit drei Siegen im Februar jedenfalls Hoffnung. "Wenn die Halle mit 17 000 Zuschauern gefüllt ist, wird das eine fantastische Atmosphäre sein", sagt sie: "Und es gibt mir Mut und Sicherheit, dass ich dort schon mal ganz oben auf dem Podium gestanden habe." So soll es es möglichst auch am 15. August nach dem Finale über 100m Freistil sein.

© SID

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