Reiner Optimismus sorgt nicht mehr für weitere Kursgewinne
Dow Jones scheut vor der 10 000-Punkte-Marke

Erster Versuch: knapp gerissen - am Freitag wagt der Dow den zweiten Anlauf. Die Latte liegt auf 10 000 Punkten und der Standardindex tut sich am Morgen erneut schwer. Der Dow Jones verliert am Morgen 40 Punkte, auch die Nasdaq notiert schwächer.

NEW YORK. Am Donnerstag hatten die beiden großen Indizes den ganzen Tag über in der Gewinnzone gehandelt, erst in der letzten Handelsstunde tauchten sie in die Miesen. Am Ende schloss die Nasdaq mit einem von 16 Zählern bei 1 843 Punkten, der Dow schaffte ein Plus von 8 Zählern bei 9 998 Punkten. Der Handelstag war symptomatisch für einen Bewusstseinswechsel an der Wall Street. Reiner Optimismus sorgt nicht mehr für weitere Kursgewinne, und so hat die "magische 10 000" ihren Zauber verloren. Der Markt lässt sich von Index-Ständen kaum mehr beeinflussen, sondern wartet darauf, dass sich eine konjunkturelle Erholung in den Unternehmensgewinnen wiederspiegelt.

Nachrichten aus dem konjunkturellen Umfeld geben am Morgen erneut Anlass zu Spekulationen. Die Produzentenpreise sind im Januar um 0,1 Prozent gestiegen, was bei steigenden Ölpreisen vor allem dem Energiesektor zuzuschreiben ist. Diesen herausgerechnet sind die Produzentenpreise um 0,1 Prozent gefallen. Die Wall Street hatte auch für den Nicht-Energiebereich mit einem Plus gerechnet. Nun umtreibt Analysten die Frage, was die Deflation weiter verursacht: Hohe Profitabilität oder ein mangelnde Nachfrage. Anleger gehen von letzterem aus, und ziehen erneut Geld aus dem Markt.

Etwas positiver hört sich an, was der weltgrößte Computerhersteller Dell berichtet. Trotz eines Umsatzrückgangs um 6,5 Prozent konnte man den Gewinn im vierten Quartal um 5 Prozent steigern. Das Unternehmen weist einen Gewinn von 17 Cent pro Aktie und in Höhe der Analystenerwartungen aus. Zu verdanken hat man diesen Gewinnzuwachs vor allem den Privatkunden, die 58 Prozent mehr Computer kauften als im Vorquartal. Nach wie vor schwach ist die Nachfrage seitens der Firmenkunden. CEO Michael Dell gibt sich bedingt optimistisch. Für das laufende Quartal rechnet er noch mit einem Umsatzrückgang zwischen 3 und 5 Prozent, was für die Monate nach dem Weihnachtsgeschäft typisch wäre. Wenn es mit der Konjunktur danach allerdings wieder aufwärts gehe, "ist Dell das best positionierte Unternehmen im Computersektor", so der Konzernchef. Nach einer aktuellen Studie des Branchendienstes Gartner Dataquest hatte Dell in 2001 einen Marktanteil von 13,3 Prozent weltweit und 25 Prozent in den USA, jeweils vor den Konkurrenten Compaq und Hewlett-Packard. Dell notiert vor der Glocke schwach behauptet.

Zwei weitere Unternehmen der Tech-Branche machen zum Wochenschluss negative Schlagzeilen. Nvidia, der Hersteller von Graphikchips unter anderem für Microsofts Xbox, wird von der Börsenaufsicht SEC unter die Lupe genommen. Es geht um Bilanzposten aus den Jahren 2000 und 2001. Einige Mitarbeiter sollen sich mit eigenen Aktien eingedeckt haben, nachdem der Microsoft-Deal intern bekannt geworden war. Im Zuge dieser Ermittlungen sind die Behörden nun auf möglicherweise belastende Dokumente gestoßen. Die Aktie von Nvidia verliert vorbörslich 8 Prozent.

Auch beim Telekommunikationskonzern Worldcom stehen Mitarbeiter unter Verdacht, unrechtmäßig Kommissionen erhalten und sich bereichert zu haben. Das Wall Street Journal schreibt am Morgen, zwei Männer und eine Frau hätten Umsätze, die bereits von anderen Abteilungen verbucht wurden, als eigene Erfolge deklariert und dementsprechend Honorare erhalten. Was wie ein kleines internes Problem eines Unternehmens aussieht, schlägt in Zeiten der Enron-itis hohe Wogen. WorldCom notiert vor Handelsbeginn erneut in der Verlustzone.

Der Biotechsektor steht seit Tagen aus der Verliererseite; am Freitagmorgen ist das nicht anders. Die Aktie von Immunex belastet die Branche schon mit einem vorbörslichen Verlust von 3 Prozent. Das populäre Medikament Enbrel zur Behandlung von rheumatischer Arthritis, scheint in einigen Fällen schwere Nebenwirkungen zu entwickeln. Nach einer Studie sollen Patienten eine Form der Hauttuberkulose entwickelt haben.

Deutlich besser dürfte es am Morgen den Chipwerten gehen. Die Credit Suisse First Boston äußert sich positiv über die Branche. Analyst Tim Hahn sagt, der Chipsektor habe "das Schlimmste überstanden, sowohl was die Preise als auch was die Nachfrage angeht." Die Hersteller von Speicherchips, darunter Atmel und Micron stuft er von "halten" auf "kaufen" auf.

Auf den Einzelhandel drückt weiter die Aktie der Modekette The Gap, die seit monaten deutlich schlechter performt als der Sektor. Die Rating-Agentur Standard & Poor?s hat die Kreditwürdigkeit des Unternehmens am Donnerstag auf Junk-Status gesenkt. Damit erfährt das Unternehmen, das die Häuser The Gap, Banana Republic und Old Navy betreibt, die größtmögliche Abstufung, was Anleger an das Schicksal anderer Firmen erinnert: Nach der Abstufung auf "Junk" haben einige Unternehmen in den letzten sechs Monaten Konkursverfahren eingeleitet. The Gap baut Verluste vom Donnerstag aus Prozent.

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