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Reise in die Vergangenheit

Es war einmal eine Zeit, da wurden die großen Deals tatsächlich noch an der Wall Street eingefädelt. Da zauberten Banker in Hosenträgern und Manschettenknöpfen in holzvertäfelten Hinterzimmern kubanische Zigarren und irischen Whiskey aus Geheimfächern hervor.

Es war einmal eine Zeit, da wurden die großen Deals tatsächlich noch an der Wall Street eingefädelt. Da zauberten Banker in Hosenträgern und Manschettenknöpfen in holzvertäfelten Hinterzimmern kubanische Zigarren und irischen Whiskey aus Geheimfächern hervor.

Heute schlägt das Herz der New Yorker Finanzwelt längst weiter oben in Midtown und im Vorort Greenwhich. Dort dirigieren Polohemd-tragende Hedge-Fonds-Manager in unterkühlt-modernen Büros Milliardensummen, während die Aktienhändler an der Wall Street langsam durch Computer ersetzt werden.

Doch es gibt sie noch, die alte Welt der 80er, die der Autor Tom Wolfe im Buch „Fegefeuer der Eitelkeiten“ schildert. Im Steak-Restaurant „Spark’s“ an der 46. Straße in Manhattan, zwischen zweiter und dritter Avenue, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die meisten Gäste sind etwas älter, ebenso wie die Kellner, die alle ihre schwarze Krawattenspitze in der Hose feststecken.

Antike Holzschränke, Ölbilder an den Wänden und rote Kronleuchter schaffen ein edel-schummriges Ambiente. Typen wie Donald Trump, der zum dritten Mal verheiratete New Yorker Immobilien-Milliardär, führen hier ihre Partnerinnen aus, die zumeist ebenso blond sind wie Trumps drei Ehefrauen.

1985 wurde im Eingang des „Spark’s“ Paul Castellano erschossen, damals der Kopf der berühmten New Yorker Mafia-Familie Gambino. Wollte man die Szene heute nachstellen, dann würden die ausnahmslos schwarzen Limousinen vor der Tür und der breitschultrige Türsteher perfekt ins Gesamtbild passen.

Die Steaks im "Spark's" sind riesig und saftig. Sie werden fast alle „rare“ (roh) bis „medium-rare“ in schlichten weißen Tellern serviert. Wer sein Stück Fleisch gut durchgebraten haben will, gibt sich als Anfänger zu erkennen und erntet skeptische Blicke vom Personal.

Die Weinkarte erinnert in ihrem Umfang an ein Buch von Leo Tolstoi. Wer über das entsprechende Spesenkonto verfügt, lädt seine Gäste auf Kosten der Firma für knapp 100 Dollar pro Kopf in einen der privaten Speisesäle im hinteren Teil des Restaurants ein.

Wer übersättigt von Steak und Meeresfrüchten und leicht angesäuselt vom guten Wein den Heimweg antritt, sehnt sich ein wenig an die alten Zeiten zurück, als halb Manhattan so funktioniert haben muss wie das „Spark’s“.

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