Reisebranche
Thomas Cook schreibt Reisejahr 2002 ab

Das Reisejahr 2002 ist für die Branche nicht mehr zu retten. Als Konsequenz kappt Thomas Cook als erster Touristik-Riese die Kapazität für die wichtige Sommersaison. Die Konkurrenz dürfte dem Signal folgen.

OBERURSEL. Die Touristikbranche verliert den Glauben, dass Blatt mit dem entscheidenden Sommergeschäft noch wenden zu können. Gut ein halbes Jahr nach dem Einbruch der Reisebuchungen tritt Thomas Cook als erster großer Reisekonzern auf die Bremse. Europas Nummer zwei kappt sein Angebot für die schönsten Monate des Jahres kräftig: "Wir fahren unsere Flugkapazitäten im gesamten Konzern knapp zweistellig im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück", sagte Cook-Vorstandschef Stefan Pichler dem Handelsblatt. Experten gehen von einem Minus von 10 % aus, nachdem die gemeinsame Touristiktochter von Lufthansa und Karstadt-Quelle ihre Kapazitäten im Winter bereits um 17 % zusammengestrichen hatte.

Thomas Cook spielt damit abermals den Vorreiter für die Branche. Bereits direkt nach den Terroranschlägen in den USA war Pichler mit einem drastischen Sparprogramm vorgeprescht. Zu Thomas Cook gehören unter anderem die Veranstalter Terramar, Neckermann, Kreutzer und der Ferienflieger Condor. Mit der Kapazitätskürzung für den Sommer reagiert Cook auf nach wie vor deutliche Buchungsrückstände gegenüber dem Vorjahr. Hoffnungen in der Branche, das wichtige Sommergeschäft noch auf Vorjahresniveau zu halten, scheinen damit geplatzt.

Konzernchef Pichler rechnet nun für das europäische Sommer-Geschäft mit einem einstelligen Minus, nachdem der Winter noch einen knapp zweistelligen Rückgang brachte.

Touristik-Experte Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank erwartet, dass auch Marktführer TUI für den Sommer seine Kapazitäten im einstelligen Prozentbereich kürzen muss. Details wird der Mutterkonzern Preussag voraussichtlich auf der Bilanzpressekonferenz am 25. April vorlegen. Preussag-Finanzmanager Peter Ganz sagte vor Journalisten in Mannheim, der Konzern werde für 2002 "angeschlagene Kennzahlen" präsentieren müssen. Die Sommersaison macht in der Touristik-Branche rund drei Viertel des Jahresgeschäfts aus.

Der mutmaßliche Anschlag auf der tunesischen Urlaubsinsel Djerba wird nach Ansicht Pichlers für die Reisekonzerne dagegen keine drastischen Folgen haben. Bisher habe es kaum Stornierungen oder Umbuchungen gegeben. Die Buchungseingänge für den Sommer 2002 sind bisher dennoch mau. Noch liegt die Nachfrage bei Thomas Cook zweistellig im Minus. Viele Urlauber, darunter vor allem die Familien, warten ab, obwohl sie von den Veranstaltern mit teils massiven Rabatten umworben werden. Die Konzerne hoffen nun auf die Spätbucher: 30 % der Kunden buchen ihre Reise bei Thomas Cook inzwischen erst vier Wochen vor Reiseantritt.

"Wir rechnen fest damit, dass sich in den kommenden Wochen und Monaten die Nachfrage weiter erholen wird", sagte Pichler. Die Buchungen lägen nach schwachem Start inzwischen wieder über den Tageseingängen des Vorjahres.

Die Balearen, das Lieblingsziel deutscher Urlauber, zählen jedoch schon jetzt zu den Verlierern. "Wir werden wohl 2002 ein zweistelliges Minus auf diesem wichtigen Markt verzeichnen," sagte Pichler. Besser verkaufen sich günstige Reiseziele wie Bulgarien, Kroatien oder die Türkei. Der Rückstand, den die Branche gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, ist allerdings kaum mehr aufzuholen.

Im Gegensatz zu früher fuhren die großen Reiseveranstalter diesmal allerdings nicht die Preise, sondern vor allem Kapazitäten und die Kosten herunter. Wie positiv sich dies auf die Gewinnmarge auswirkt, zeigen die Zahlen von Thomas Cook bereits für das erste Quartal 2002: Trotz zweistelliger Umsatzeinbußen gelang es dem Konzern nach bereinigten Zahlen das Ergebnis vor Steuern und Goodwill-Abschreibungen (Ebta) mit einem Minus von 1 % fast stabil zu halten. Pichler ist deshalb zuversichtlich, für das Gesamtjahr im Konzern - ungeachtet des erwarteten Umsatzrückgangs - ein Ebta nahe am Vorjahreswert von 155,2 Mill. Euro zu erzielen.

Von CARSTEN HERZ, Handelsblatt

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