Reiseflaute und sinkende Preise
TUI-Aktie von unsicherer Zukunft belastet

Die aus Sicht von Anlegern unsichere Zukunft der Reisebranche hat die Aktie des Touristikkonzerns TUI am Donnerstag überraschend stark belastet. Mit dem Finanzdienstleister MLP wechselte sich TUI im Laufe des Tages an der Spitze der größten Kursverlierer ab.

Reuters FRANKFURT/ HANNOVER. Am Nachmittag notierte der Weltmarktführer der Branche im Deutschen Aktien-Index mit minus 7,19 % bei 20,14 ?. Analysten sahen als mögliche Gründe die Verunsicherung der Anleger wegen der Reiseflaute in diesem Jahr, offene Fragen zum weiteren Konzernumbau der TUI und Nachrichten über sinkende Preise für die kommende Reisesaison.

Am Vortag noch war die TUI-Aktie um gut 7 % auf 21,70 ? gestiegen, verlor aber seit Jahresbeginn fast 30 % an Wert. Damit entwickelte sie sich jedoch nicht schlechter als der Dax insgesamt oder etwa börsennotierte Konkurrenten wie der britische Reisekonzern My Travel. Am Donnerstag blieben die Briten an der Londoner Börse von starken Kursabschlägen verschont.

Die TUI-Zentrale in Hannover hatte für den Kurseinbruch keine plausible Erklärung, zumal es weder neue Zahlen noch Spekulationen über mögliche negative Entwicklungen gab. Analysten hielten sich mit schnellen Erklärungen ebenfalls zurück, "da die Märkte momentan überall verrückt spielen", wie ein Branchenexperte sagte. Allerdings verwiesen sie auf die anhaltend große Unsicherheit, wie groß das Umsatzminus der Reisebranche in der noch laufenden Sommersaison ausfallen werde und welche Auswirkungen dies auf die Erträge haben werde, hieß es. Es gebe zwar Anzeichen für eine aktuelle Belebung der Buchungszahlen, sagte Touristik-Analyst Christian Obst von der Hypovereinsbank. "Das ist aber noch zu wenig, um einen Turnaround für den TUI-Kurs zu bewirken", sagte Obst.

Verband: Minus um 10 % möglich

Der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalterverband hatte am Vortag mitgeteilt, es sei möglich, dass der deutsche Touristikmarkt trotz leicht wachsender Buchungszahlen insgesamt in diesem Jahr doch bei einem zweistelligen Minus um 10 % landen werde. "Da wächst bei Anlegern die Unsicherheit. Es fürchten offenbar einige, dass TUI seine Marktanteile in Deutschland in diesem Sommer nicht halten kann", sagte Michael Riedel, Analyst der Bankgesellschaft. Es gebe offenbar auch Befürchtungen über entsprechende Aussagen auf der TUI-Pressekonferenz an diesem Freitag. Die Konzern Tochter TUI-Deutschland präsentiert am Freitag ihr Winterprogramm 2002/03 und wird sich auch zur Preisentwicklung äußern.

"Auch die gestrigen Aussagen des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes über sinkende Preise für kommenden Winter und den nächsten Sommern sorgt für weitere Unsicherheit", meinte Riedel. "Das klingt für viele nach Preiskrieg, und es bleiben Zweifel, ob TUI seine Gewinnmargen halten kann." Jadwiga Bobrowska von WestLB Panmure sieht noch andere TUI-spezifische Gründe. "Es gibt dabei speziell bei TUI weitere Fragezeichen, nicht nur in der Touristiksparte", sagte Bobrowska. Wann und zu welchem Preis der geplante Verkauf der Energiesparte realisiert werde sei offen, ebenso wie hoch die Belastung durch die Krise bei Babcock tatsächlich werde und wann sie in der TUI-Konzernbilanz zu Buche schlagen werde. Bei internationalen Analysten hieß es erneut, TUI bleibe nach dem Umbau weiterhin ein schwer durchschaubares Unternehmen. Christian Obst verwies auf ein generelles Problem. "Die Touristik ist einerseits ein Riesenwirtschaftsfaktor, aber für die Börse noch ein kleiner Markt", sagte Obst. Die Strukturen der Branche seien sicher für viele Anleger nicht immer leicht zu verstehen. Dies erhöhe die Verunsicherung und führe zu entsprechenden Reaktionen am Markt.

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