Reisekanal Sonnenklar startet am Mittwoch
Pro Sieben Sat 1 wirft ein Auge auf Neun Live

Der Münchener Mitmachsender Neun Live (früher TM 3) steht unter Druck, weil Home Shopping Network (HSN) als einer der Gesellschafter offenbar nicht mehr bereit ist, die Anlaufverluste allein zu tragen.

DÜSSELDORF. Streitigkeiten zwischen dem US-Medienunternehmen sowie den beiden Mitgesellschaftern Georg Kofler und Thomas Kirch gefährden nach Informationen aus der Branche den Sendebetrieb. Brancheninsider berichten, dass die gemeinsame Holding Hot Networks derzeit kein Geld für den Sendebetrieb von Neun Live überweist. Vorstandschefin Christiane zu Salm lehnte am Wochenende eine Stellungnahme ab.

Neun Live ist eine Tochter der Euvía Media AG, die vom Kirch-Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG und dem Teleshopping-Konzern Hot Networks AG betrieben wird. Hot gehört HSN, Kofler und Thomas Kirch. Pro Sieben hatte bei der Gründung des Senders im Herbst vergangenen Jahres mit HSN vereinbart, dass die Amerikaner die Verluste allein tragen und dafür die unternehmerische Führung bekommen.

Ein Sprecher des Fernsehkonzerns Pro Sieben Sat 1 sagte zu den Gerüchten: "Bisher hat Hot Networks jede vertragliche Verpflichtung erfüllt." Bei Hot heißt es, dass in den nächsten Tagen eine Lösung gefunden werde. Derzeit laufen Gespräche zwischen HSN, Thomas Kirch und Kofler. "Das ist keine große Sache", sagt Kofler und gibt sich überzeugt, dass die Probleme von Neun Live schnell ausgeräumt werden. Thomas Kirch, Sohn von Leo Kirch, will seinen Anteil an Hot verkaufen. Auch Kofler will offenbar Anteile abgeben. Probleme bei der weiteren Finanzierung von Neun Live würden den Wert seiner Beteiligung kräftig drücken. "Die Amerikaner spielen Poker", sagte ein Insider zu den Verhandlungen mit Hot Networks.

Möglicherweise wird künftig die Pro Sieben Sat 1 eine stärkere Rolle bei Neun Live und der Muttergesellschaft Euvía spielen. Derzeit versucht die Sendergruppe, unabhängiger vom Werbemarkt zu werden. Ein stärkeres Engagement bei Neun Live und dem künftigen Reisekanal von Euvía, Sonnenklar, käme dabei sehr gelegen. "Die Zufriedenheit mit Euvía steigt von Tag zu Tag," lobte Pro-Sieben-Vorstandschef Urs Rohner jüngst den Sender.

Neun Live reduzierte zuletzt mit starken Umsatzsteigerungen im ersten Quartal seine operativen Verluste. Der Sender legte beim Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 240 % auf 8,6 Mill. Euro zu. Mehr als die Hälfte der Einnahmen stammen von Telefonanrufen der Zuschauer, rund ein Viertel jeweils aus Werbung und dem Verkauf von Reisen. Spätestens 2003 soll der Sender schwarze Zahlen zu schreiben.

Euvía will trotz der ungewissen Zukunft den neuen Reiseshopping-Sender Sonnenklar TV wie vorgesehen am Mittwoch starten. Er wird nur digital über den Astra-Satelliten ausgestrahlt. "Wir liegen im Reisegeschäft derzeit über Plan und haben unsere Umsatzprognosen um etwa 10 % nach oben geschraubt", sagte zu Salm dem Handelsblatt. Im letzten Jahr setzte Sonnenklar 27 Mill. Euro um, dieses Jahr sollen es rund 70 Mill. Euro werden.

Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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