Reiseriese trägt schwere Last
Tui-Bilanz hellt sich langsam auf

Europas größter Reisekonzern Tui erholt sich nur mühsam von der Reiseflaute. Tui steigerte im wichtigen dritten Quartal dank seines Sparkurses und erster Lichtblicke in der Touristik zwar seinen Gewinn.

Reuters HANNOVER. Doch verzeichnet der Konzern im Jahresverlauf 2002 insgesamt weiterhin deutliche Einbußen zum Vorjahr. Tui steht allerdings deutlich besser da, als der britische Konkurrent MyTravel, der am Donnerstag einen hohen Vorsteuerverlust vorlegte.

Mit konkreten Prognosen für das kommende Jahr hielt sich Tui-Chef Michael Frenzel bei der Präsentation der Bilanzzahlen in Hannover zurück. Kostensenkungen und Preisdisziplin sollen die Erträge in der Touristik steigern. Die Wintersaison ist mit einem Umsatzplus von bisher 0,5 Prozent verhalten gestartet, allerdings mit steigender Tendenz. Aus den jüngsten Anschlägen in Kenia, bei denen am Donnerstag elf Menschen ums Leben kamen, erwartet Frenzel keine negativen Auswirkungen.

Angesichts der Bilanz für die wichtigsten Monate im Reisegeschäft Juli bis September zeigte sich Frenzel zufrieden. "Das Geschäft zieht jetzt wieder an", sagte er. Für den Winter erwarte er weitere Zuwächse. "Es gibt keine Reisemüdigkeit."

Der Konzernumsatz ging im dritten Quartal zwar um 7,5 Prozent auf 6,83 Milliarden Euro zurück. Der operative Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebta) stieg dennoch zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 509 Millionen Euro und damit noch etwas stärker als von Analysten erwartet. Der Reingewinn lag mit 287 Millionen Euro sogar zehn Prozent höher.

Für die ersten neun Monate blieb der Konzerngewinn aufgrund des schwachen Starts in diesem Jahr mit 159 Millionen Euro gleichwohl fast 60 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bei einem Umsatzrückgang von fast zwölf Prozent auf 16,1 (Vorjahr: 18,3) Milliarden Euro verlor Tui operativ fast 25 Prozent und erzielte damit ein Ebta von 626 (832) Millionen Euro. Vor allem die Sparten Logistik und Energie büßten auch im dritten Quartal - wie schon im ersten Halbjahr - an Ertragskraft ein.

In der Kernsparte Touristik, die mittlerweile mehr als 60 Prozent des Konzerngeschäftes ausmacht, fiel der Umsatz bis Ende September mit 9,87 Milliarden Euro um 7,2 Prozent schwächer aus. Das operative Ergebnis ging aber stärker um 16,7 Prozent auf 503 Millionen Euro zurück. Dagegen gelang es im dritten Quartal, den Reiseumsatz mit minus 1,4 Prozent bei 4,58 Milliarden Euro und das operative Ergebnis mit minus 1,7 Prozent auf 519 Millionen Euro nahezu stabil zu halten.

Allerdings sei im Schlussquartal des Jahres in der Touristik durch die hohen Vorkosten für Kataloge, Reisebüros oder Hotelverträge saisonbedingt wieder ein Verlust zu erwarten. Dies führt zu einem vorübergehenden Anstieg der Nettoschulden um eine Milliarde Euro auf 5,8 Milliarden Euro, nachdem diese zuletzt gesunken waren. Die Schulden würden aber planmäßig durch Verkäufe von 14.000 Salzgitter-Wohnungen und der Energie-Tochter Preussag Energie im kommenden Jahr auf "deutlich unter vier Milliarden Euro" gesenkt, sagte ein Tui-Sprecher.

Analysten bezeichneten die Tui-Bilanz für das dritte Quartal als insgesamt sehr ordentlich, vor allem in der Touristik. Problematisch bleibe die hohe Verschuldung. Positiv sei aber, dass Tui klare Schritte angekündigt habe, um den Schuldenabbau weiter fortzusetzen.

Frenzel verwies darauf, dass sich das Konzept des integrierten europäischen Touristikkonzerns auszahle. Konkurrent MyTravel, europaweit Nummer drei, machte im Geschäftsjahr 2001/02, das Ende September auslief, einen Vorsteuerverlust von 114 Millionen Euro. Wegen Rechnungsfehlern war die lange Zeit bessere Prognose erst kürzlich korrigiert worden. Für 2003 gab sich MyTravel optimistisch, da die Buchungsumsätze für den Sommer 40 Prozent über dem Vorjahr lägen.

Dagegen blieb der Tui-Ausblick für 2003 vage, wenn auch optimistisch. Für Winter und Sommer sei bei unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Ländern unter dem Strich ein Zuwachs im einstelligen Prozentbereich zu erwarten, sagte er. Trotz teilweise sinkender Preise seien bessere Erträge in der Touristik möglich. "Ich sehe keinen Preiskrieg in der Reisebranche", sagte er. Tui habe zudem keine Probleme mit Überkapazitäten wie andere Anbieter. Die Kostensenkungen, mit denen in diesem Jahr 162 Millionen Euro gespart wurden, werde weiterbetrieben. Die Tui-Aktie legte um fünf Prozent auf 20,34 Euro zu und lag damit besser als der Gesamtmarkt.

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