Reisetipp
Stilles Glück im Winkel

Die Nordwestecke Mecklenburgs um ihren Hauptort Klütz lockt mit Wandervergnügen und herbstlicher Natur.

Ole Lueder braucht keine Kreditkartennummer und keine Bestätigung per Fax oder E-Mail. Für ihn gilt das am Telefon gesprochene Wort: Das Zimmer im Gutshaus Redewisch ist bestellt und reserviert. Das ist so klar wie ein Mecklenburger Korn.

Ole Lueder ist Gastwirt und Gutsherr in einer Person. Der gebürtige Oldenburger kaufte 1999 im mecklenburgischen Boltenhagen von der Treuhand das Gutshaus zurück, das seine Vorfahren 1817 erworben und samt landwirtschaftlichem Betrieb bis zur Enteignung 1945 geführt hatten. Vater Carl-August renovierte mit großem Aufwand das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, Sohn Ole, eigentlich gelernter Kaufmann, machte daraus ein Hotel. "Das war", sagt er, "so ?ne fixe Idee."

Sie zu verwirklichen kostete viel und fordert hohen Einsatz. Wie ein neuer Junker kann sich der Besitzer nicht fühlen. Er begrüßt seine Gäste im Empfang, bedient sie als Kellner und Barmann - und gelegentlich mäht er als Gärtner den großen Rasen vor dem Gutshaus.

Leben nach Gutsherrenart dürfen die Gäste. Sie nächtigen in liebevoll ausgestatteten Zimmern, essen im großen, stilvoll erneuerten Speisesaal und blicken in die sattgrüne Landschaft, die wie ein englischer Park wirkt. Fast schon familiär ist die Atmosphäre, "gediegen" - wie der Norddeutsche sagt, aber keinesfalls "überspönsch" - will sagen: over-styled. In der Küche regiert nicht Paul Bocuse, aber der Mecklenburger Wickelbraten mit Backpflaume ist genau das Richtige für den Appetit nach langen Tagestouren an den Küstenkliffs und im Ostsee-Hinterland.

Wenn dann über den Wiesen der große Mecklenburger Mond aufgeht und man bei einem Glas Rotwein wachträumt von der spröden und doch so weichen Liebe im Norden, ist das stille Glück im Winkel perfekt. Im Klützer Winkel, wie die Gegend im nordwestlichen Mecklenburg heißt - benannt nach ihrem Hauptort Klütz mit seiner mächtigen, alten Backsteinkirche und dem Barock-Schloss Bothmer samt seiner viel gerühmten Lindenallee.

Es ist eine von vielen Alleen, eines von vielen Schlössern in diesem Bindestrich-Bundesland, dessen langer Name Mecklenburg-Vorpommern meist zu M-V abgekürzt wird. Abgesehen von den alten Hansestädten Rostock, Stralsund und Wismar sowie der Landeshauptstadt Schwerin, ist M-V ein fast reines Agrarland - ohnehin oder nach der Wende wieder geworden. Die Mähmaschinen sind straßenbreit, riesig die Felder. Der Boden ist schwer und ertragreich. Aber mehr bringt der Tourismus mit eher biederen Badegästen und beschaulichen Vergnügen wie Wandern an der Steilküste, Radfahren über manchmal noch holpriges Dorfstraßenpflaster, Reiten über Feldwege und Wiesenpfade. Natur pur. Selbst von der Gutshaus-Terrasse lässt sich Wild beobachten. Im Schlosspark von Kalkhorst winken Botaniker-Freuden wie der exotische Ginkgo-Baum oder der heimische wollige Schneeball.

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