Reiten Olympia
Deutsche Springreiter nur auf Platz fünf

Die erfolgsverwöhnten deutschen Springreiter haben sich beim olympischen Turnier in Hongkong kräftig blamiert. Nachdem der Goldtraum früh geplatzt war, stürzte die Equipe um Ludger Beerbaum nach zwei Runden beim Nationenpreis auf einen enttäuschenden fünften Rang ab. Gold sicherten sich die USA im Stechen vor Kanada. Bronze ging an Norwegen.

Ludger Beerbaum starrte in den schwarzen Himmel von Hongkong, Meredith Michaels-Beerbaum lächelte etwas verlegen und Bundestrainer Kurt Gravemeier schüttelte immer wieder den Kopf: Nach dem Absturz auf Platz fünf im Mannschaftsspringen der olympischen Reiterspiele herrschte bei den deutschen Springreitern Frust und Ratlosigkeit. Ganz bitter wurde es für Marco Kutscher, der nach einem erneuten Debakel sogar das Einzel-Finale am Donnerstag verpasst hat.

"Bitterste Niederlage in meiner Amtszeit"

"Das war die bitterste Niederlage in meiner Amtszeit", sagte Bundestrainer Kurt Gravemeier, der bislang auch bei seinen zweiten Olympischen Spielen als Chef-Coach ohne Goldmedaille blieb. Für mich gab es schon schlimmere Niederlagen", sagte hingegen der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum, der aber auch einrämute: "Wir müssen überlegen, warum das so in die Hose ging."

Gold sicherten sich wie in Athen die USA im Stechen gegen Kanada - doch da hatten die erfolgsverwöhnten deutschen Reiter längst abgesattelt. Die Bronzemedaille holte Norwegen. Für die deutschen Springreiter war es das drittschlechteste Ergebnis bei Olympischen Sommerspielen nach dem elften Platz in Barcelona 1992 und Rang sechs 1952 in Helsinki.

Am zweiten Tag des Nationenpreises war wieder kein Deutscher ohne Fehler geblieben. Meredith Michals-Beerbaum (Thedinghausen) mit Shutterfly und Christian Ahlmann (Marl) mit Cöster zeigten mit je vier Fehlern ordentliche Ritte. Doch die beiden erst neun Jahre alten Pferde zeigten Nerven. Sowohl Beerbaum (6 Punkte) mit seinem Wallach All Inclusive als auch Kutscher (19 Punkte) mit Cornet Obolensky wichen dem Hindernis im Anschluss an den Wassergraben aus. "Nach dem Wasser hat mein Pferd den Dienst quittiert", sagte Kutscher deprimiert.

Vorbereitung als ein Grund für die Niederlage

Als ersten Grund für die bittere Niederlage führten die enttäuschten Reiter die Vorbereitung an. "Drei Wochen ohne Wettkampf und Parcours, das war wahrscheinlich zu lange für unsere jungen Pferde", sagte Kutscher. "Die Zeit ohne Wettkampf war zu lang", sagte auch Meredith Michaels-Beerbaum, die nun vor dem Einzelfinale am Donnerstag aber einiges anders machen will. "Bislang war ich so diszipliniert und habe viel Fitness gemacht. Jetzt gehe ich erstmal Shoppen."

Marco Kutscher belegte in der Einzelwertung mit 38 Punkten den 43. Rang und ist damit ausgeschieden. Michaels-Beerbaum (14 Punkte) auf Rang 16, Ahlmann (22) auf Rang 31 und Beerbaum (24) mit Glück auf Platz 33 haben den Sprung ins 35-er Finale geschafft. Kleiner Trost: Pro Nation dürfen ohnehin nur drei Reiter starten.

Beerbaum verpasste die Chance, seine fünfte Goldmedaille zu gewinnen und damit in der Rangliste der erfolgreichsten Olympioniken Deutschlands auf den sechsten Rang hinter Reiter-Legende Hans Günter Winkler zu rücken. Winkler hat auch fünf Goldmedaillen, dazu aber anders als Beerbaum eine silberne und eine bronzene.

Der 44 Jahre alte Routinier Beerbaum ließ zudem die Chance auf eine Wiedergutmachung von 2004 ungenutzt. Bei den Spielen in Athen hatte die deutsche Equipe bereits Gold gewonnen, ehe der Mannschaft die Medaillen nach einem positiven Medikationsfall bei Beerbaums Pferd Goldfever am grünen Tisch wieder aberkannt wurden. Beerbaum wurde aus der Wertung gestrichen, der Rest der Mannschaft musste sich mit Bronze begnügen.

In Hongkong wurde der Triumphzug der deutschen Reiter erstmals gestoppt. Zuvor hatten die "Goldreiter" bei drei Entscheidungen dreimal triumphiert. Zunächst hatten Hinrich Romeike (Nübbel) mit seinem Pferd Marius sowie die deutsche Equipe in der Vielseitigkeit Doppel-Gold gewonnen. Dann siegte die deutsche Dressur-Equipe im Kampf um Mannschaftsgold. Letztmals gewann die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936 in allen drei Nationenwertungen Gold.

© SID

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