Reiten Olympia
Dritter Anlauf für Ingrid Klimke

Mit den Vielseitigkeits-Wettbewerben starten in Hongkong die olympischen Reiterspiele. Nach zweimal knapp verpasstem Edelmetall wagt Ingrid Klimke den nächsten Angriff.

Klimke - der Name verpflichtet im Reitsport. Vater Reiner ist mit sechs Goldmedaillen weltweit der erfolgreichste Olympia-Reiter. Tochter Ingrid hat Edelmetall bei Olympia zweimal hauchdünn verpasst. Das soll sich ändern. Beim olympischen Vielseitigkeitsturnier von Samstag bis Dienstag (9. bis 12. August) in Hongkong will die kesse Blondine aufs Treppchen.

"Aller guten Dinge sind drei. Ich hoffe, dieses Mal klappt es auch", sagt die 40 Jahre alte Münsteranerin. In Sydney 2000 lieferte sie in in der Mannschaftswertung das zweitbeste Ergebnis, belegte am Ende aber den undankbaren vierten Rang. Laut altem Reglement durfte sie im Einzel nicht mehr starten. 2004 in Athen hielt sie Gold in den Händen, ehe die deutsche Equipe durch den Fehler von Bettina Hoy beim Einreiten Gold am grünen Tisch verlor. Wieder stand am Ende Rang vier zu Buche.

In Hongkong soll endlich Schluss sein mit der Pechsträhne, zumal Klimke schon seit Kindertagen an den olympischen Lorbeer denkt. "Bei uns zuhause wurde immer in olympischen Ringen gezählt", berichtet die ausgebildete Grundschullehrerin. Vater Reiner nahm als Dressur-Reiter zwischen 1964 und 1988 an fünf Spielen teil und gewann sechsmal Gold. Damit rangiert Klimke Senior, der 1984 in Los Angeles mit dem legendären Ahlerich Doppel-Gold gewann, in der ewigen olympischen Bestenliste auf dem 20. und in Deutschland hinter Kanutin Birgit Fischer (achtmal Gold) auf dem zweiten Rang.

Natürlich hätte es der Vater gerne gesehen, wenn sich seine Tochter ebenfalls für die Dressur entschieden hätte. Doch Ingrid hatte ihren eigenen Kopf und wählte das "Buschreiten". Dennoch konnte sie sich seiner Unterstützung sicher sein. "Er hätte meine erste Olympia-Teilnahme so gern miterlebt", sagt Ingrid.

Doch das Schicksal wollte es anders. Ein gutes Jahr vor Sydney starb der 63-Jährige im August 1999 an den Folgen seines zweiten Herzinfarktes. "Jetzt schaut er von oben zu", glaubt Ingrid, die wegen ihrer guten Ausbildung über alle Disziplinen hinweg als eine der besten deutschen Reiterinnen gilt.

Tochter Greta, bei Turnieren oft dabei, muss dieses Mal zu Hause die Daumen drücken. Im Leben des kleinen Mädchens stehen große Augenblicke bevor. Während für die Mama am 10. August der zweite Tag der Dressur auf dem Programm steht, feiert Greta ihren sechsten Geburtstag. Und ausgerechnet am 12. August, dem Finale der "Buschreiter" mit der Vergabe von Gold in Einzel- und Teamwertung, wird Greta eingeschult. "Zum Glück hält meine Mutter zu Hause die Stellung. Sie schmeißt den Kindergeburtstag und hat die Schultüte gekauft", sagt Ingrid Klimke.

Auch ohne Hoy ein Favorit

Die deutsche Mannschaft zählt trotz des Ausfalls von Hoy zum Favoritenkreis. Neben Klimke, die ihr Nachwuchspferd Abraxxas reitet, bilden Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius, Frank Ostholt (Warendorf) mit Mr. Medicott, Peter Thomsen (Lindewitt) mit The Ghost of Hamish und Andreas Dibowski (Egestorf) mit Leon ein ausgeglichenes Team. "Wir wollen Gold", sagt Bundestrainer Hans Melzer selbstbewusst.

Aus der deutschen Mannschaft mussten Peter Thomsen (Lindewitt) mit seinem Pferd The Ghost of Hamish und Frank Ostholt (Warendorf) mit Mr. Medicott am Samstagmorgen als Erste an den Start. Am Abend folgt Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius. Neben Klimke wird Andreas Dibowski (Egestorf) mit Leon im letzten Dressurblock am Sonntagmorgen starten. Alle fünf Pferde überstanden am Freitag den Veterinär-Check problemlos.

Insgesamt starten 75 Reiter aus 24 Nationen im "Dreikampf des Pferdesports". Elf Nationen stellen ein Team mit je fünf Reitern, der Rest des Feldes besteht aus Einzelstartern. Nach der Dressur am Wochenende folgt am Montag der Geländeritt auf dem Golfplatz des Beas River Country Club. Den Abschluss der Teamwertung bildet das Springen am Dienstag. Die 25 besten Paare qualifizieren sich fürs Einzelfinale, das im Anschluss ausgeritten wird.

© SID

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