Reiten Olympia
Hohe Erwartungen an deutsche Reit-Equipe

In allen drei Mannschaftswettbewerben zählen die deutschen Reiter bei Olympia zum Favoritenkreis. Doch auch im Misserfolgs-Fall wird es im Trainer-Bereich keine Konsequenzen geben.

Deutschlands Reit-Bundestrainer sitzen fest im Sattel. Vor dem Start des Olympischen Reitturniers in Hongkong mit der Vielseitigkeit am Samstag (0.30 Uhr MEZ) hat der Reit-Verband FN den Druck von den drei verantwortlichen Trainern genommen und eine Jobgarantie ausgestellt. Selbst für den Fall, dass Beerbaum ohne Medaillen heimkommen, soll es keine personellen Konsequenzen geben.

"Die Gespräche sind beendet. Die neuen Verträge liegen zur Unterschrift bereit. Ich gehe davon aus, dass wir mit den Trainern in den nächsten vier Jahren so weitermachen wie bisher", sagte Reinhard Wendt, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade Komitees (Dokr). Die Kontrakte werden immer für den Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen geschlossen.

Wendt will die Arbeit mit Springreit-Coach Kurt Gravemeier (Sendenhorst), Holger Schmezer (Verden/Dressur) und Hans Melzer (Salzhausen/Vielseitigkeit) nicht allein vom Erfolg in Hongkong abhängig machen. "Ich bin nicht der Typ, der Medaillen zählt", sagt der Funktionär, der zum fünften Mal Delegationsleiter ist.

Favoriten in allen drei Mannschaftswettbewerben

Trotz der Rückendeckung lastet ein enormer Druck auf den Trainern. Jeder will die Erfolgsserie deutscher Reiter bei Olympia mit 35 Goldmedaillen seit 1912 fortsetzen und hat berechtigte Hoffnungen dazu. In allen drei Mannschaftswettbewerben gehören die Deutschen mit zu den Favoriten. Zudem werden Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) mit Shutterfly sowie Dressurreiterin Isabell Werth (Rheinberg) mit Satchmo als heiße Gold-Anwärterinnen im Einzel gehandelt.

Allerdings: aufgrund der hohen Erwartungen ist ein Absturz nicht auszuschließen. Davon kann Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer (Verden) ein Lied singen. Seit 1972 haben die Viereck-Artisten aus Deutschland bei Olympia den Mannschaftswettbewerb gewonnen. Die Niederlage bei der EM 2007 gegen die Niederlande deutete das Ende der Superserie an. Für Schmezer ist das auch persönlich eine düstere Aussicht: "Ich will nicht, dass diese Serie ausgerechnet in meiner Amtszeit reißt."

Doch selbst wenn die Mannschaft am 14. August nach dem Grand Prix nur mit Silber dasteht, könnte Doppel-Weltmeisterin Isabell Werth fünf Tage später im Reiterstadion von Sha Tin für das Trostpflaster sorgen. Die 39 Jahre alte Rheinbergerin könnte zum fünften Mal in ihrer Karriere olympisches Gold gewinnen, weist aber alle Vorschusslorbeeren von sich: "Ich sehe mich nicht als Favoritin. Es hängt so viel an der Tagesform", sagt Werth. Nadine Capellmann (Würselen) mit Elvis und Heike Kemmer (Winsen) mit Bonaparte dürften bei der Medaillenvergabe nur mit viel Glück eine Rolle spielen.

"Wenn wir keine Medaille holen, dann haben wir enttäuscht"

Hochmotiviert gehen die deutschen Springreiter ab dem 15. August in den olympischen Parcours. "Wenn wir keine Medaille holen, dann haben wir enttäuscht", erklärt der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenbeck) vor seinen sechsten Spielen. Der Leader im deutschen Team hat noch etwas gutzumachen. 2004 bei Olympia in Athen wurde der deutschen Mannschaft nach einem positiven Medikationsfall bei seinem Pferd Goldfever die Goldmedaille wieder weggenommen.

"Wir gehören mit der Mannschaft sicherlich zum Favoritenkreis", sagt auch Gravemeier. Der Bundestrainer aus dem Münsterland erlebt in Hongkong seine zweiten Spiele und will nach zweimal Bronze 2004 in Athen auch bei Olympia ganz oben auf dem Treppchen stehen.

Michaels-Beerbaum ist die größte Goldfavoritin

Zumindest im Einzel sind die Aussichten dafür äußerst gut. Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) wird mit ihrem Ausnahme-Pferd Shutterfly von allen Kontrahenten als Top-Favoritin eingestuft, nachdem die Weltranglisten-Erste im zurückliegenden Jahr die Europameisterschaft und das Weltcup-Finale gewonnen hat. "Ich weiß, dass ich Favoritin bin und kann mit dem Druck auch leben", sagt die gebürtige Kalifornierin.

Für einen gelungenen Auftakt aus deutscher Sicht wollen die Vielseitigkeitsreiter sorgen. Der "Reitsport-Dreikampf" endet nach der Dressur (Samstag und Sonntag) und dem Geländeritt (Montag) mit dem Springen am Dienstag (12. August). "Wir reiten auf Gold", sagt Melzer, der das Vertrauen des Verbandes genauso genießt wie Disziplin- und Co-Trainer Chris Bartle.

© SID

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