Reitze zum hr-Intendanten gewählt
Keine Einigung auf ZDF-Programmdirektor

Beim ZDF bleibt die strategisch wichtigste Position nach dem Intendanten weiter unbesetzt. Der Verwaltungsrat des größten europäischen Senders konnte sich am Freitag in Berlin nicht auf einen neuen Programmdirektor einigen.

HB/dpa BERLIN/MAINZ. Nun soll am 8. November entschieden werden. Dann wird voraussichtlich auch ein Nachfolger für den stellvertretenden Chefredakteur Helmut Reitze benannt, der zum Intendanten des Hessischen Rundfunks gewählt wurde. ZDF-Intendant Markus Schächter sagte, er sei zuversichtlich, dass das Personalpaket in drei Wochen verabschiedet werden kann.

Auch die Entscheidung über einen Nachfolger für den zum Jahresende ausscheidenden Leiter des "heute journals", Wolf von Lojewski, sowie andere hochkarätige Besetzungen wurden vertagt. Mit Reitzes Position gebe es mehr "Verteilungsmasse", heißt es beim ZDF.

Die Programmdirektion, die mehr als ein Drittel des ZDF-Etats von 1,8 Milliarden Euro verantwortet, ist seit sieben Monaten ohne Leiter. Intendant Markus Schächter hatte Fernsehspielchef Hans Janke favorisiert. Der ausgewiesene Fachmann gilt aber als SPD-nah und wird von den Konservativen nicht mitgetragen. Für den als konservativ eingeschätzten Innenpolitik-Chef Thomas Bellut zeichnete sich aber auch keine Mehrheit ab. Schächter braucht im Verwaltungsrat 9 von 14 Stimmen, also eine parteiübergreifende Mehrheit. Nach der politischen Farbenlehre beim ZDF werden Chefredakteur und Verwaltungsdirektor der SPD zugeordnet, Intendant und Programmdirektor traditionell der CDU.

Der Programmdirektor ist unter anderem für Filme, Serien, Show, strategische Programmplanung, Medienforschung und Produktionsplanung zuständig. Er hat 620 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung, das ist der größte Einzeletat des ZDF. Janke leitet das Amt kommissarisch und wird dem Sender wohl verloren gehen, wenn er nicht um Zuge kommt. Denn ausgerechnet der konservative Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß, will Janke als Fernsehdirektor haben. Janke war unter anderem für Mehrteiler mit Star-Regisseur Dieter Wedel wie "Der große Bellheim" oder "Der Schattenmann" verantwortlich. Beim Deutschen Fernsehpreis Anfang Oktober glänzte das von Janke verantwortete ZDF - Fernsehspiel mit sechs Preisen. Wedel, Entertainer Thomas Gottschalk und andere Prominente setzten sich für Janke ein.

Die verpasste Einigung wird auch die Diskussion um die Staatsferne der derzeit von Politikern dominierten Aufsichtsgremien wieder verstärken. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats ist der rheinland- pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), sein Vertreter Thüringens Regierungschef Bernhard Vogel (CDU). Mitglieder sind außerdem die Ministerpräsidenten von Bayern und Hessen, Edmund Stoiber (CSU) und Roland Koch (CDU). Nach einem Vorschlag von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sollen keine Regierungs- und Parteienvertreter mehr in den ZDF-Aufsichtsgremien sitzen. Eine Arbeitsgruppe der Regierungschefs berät darüber. Nun heißt es in der Kieler Staatskanzlei: "Wir werden drängen, wenn das zu lange dauert. Ministerpräsidentin Heide Simonis sieht sich bestärkt."

Einige Teilnehmer meinten am Freitag, beim ZDF stehe eine Wiederholung auf dem Programm. Denn Schächter war im März erst nach monatelangem parteipolitischen Ringen ins Amt gekommen. Mehrere Kandidaten waren benannt und wieder fallen gelassen worden. Danach hatten alle Seiten betont, dass sie ein Hin und Her keinem Bewerber mehr zumuten wollten. Doch die Absicht hielt nur ein halbes Jahr.

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