„Rekord-Absteiger“ bangt um Lizenz
Bielefeld droht jetzt der Ausverkauf

Die Tränen waren schnell getrocknet. Beim Rekord-Absteiger" DSC Arminia Bielefeld hielten sich Enttäuschung und Wut über den sechsten Bundesliga-Abstieg in Grenzen. "Wir hatten in den letzten Wochen nicht mehr die Power und Energie, um auf die für den Klassenverbleib so wichtigen 40 Punkte zu kommen", gestand ein deprimierter Trainer Benno Möhlmann nach der alles entscheidenden 0:1-Schlappe gegen Hannover 96 ein.

HB/dpa BIELEFELD. 30 Begegnungen hatte seine Mannschaft auf höchstem Level gespielt. Jetzt war der Akku des Teams leer, der Sturz somit in die zweite Liga nicht zu vermeiden.

"Wir können nun nicht anfangen zu jammern. Die Bundesliga ist nicht mit dieser Niederlage am letzten Saison-Spieltag verloren worden", analysierte Arminia-Präsident Hans-Hermann Schwick und fügte resigniert hinzu: "Wir hatten fünf Matchbälle. Es konnte keiner verwandelt werden. Das ist bitter." Die Führungsetage hat in den kommenden Wochen Schwerstarbeit zu verrichten. "Wir müssen sehen, dass wir die Lizenzbedingungen für die zweite Bundesliga erfüllen. Das wird schwer genug", sagte Schwick. Um die Auflagen zu erfüllen, müssen Spieler verkauft werden. Der Präsident hofft, dass die Sponsoren ihre Verträge einhalten und das durch den Verkauf der Stürmer Artur Wichniarek (zu Hertha BSC) und Mamadou Diabang (zum VfL Bochum) das nötige Geld in die Kasse kommt.

Trainer Benno Möhlmann will den "Betriebsunfall" schon im nächsten Jahr reparieren. "Die Basis dazu, ist in der Mannschaft gelegt. Es wird allerdings wieder kein leichtes Unterfangen, nach oben zu kommen", meinte der Ex-Profi, der sich vor allem um neue Angreifer bemühen muss. Abwehrchef Bastian Reinhardt, der mit Hannover 96 in Verbindung gebracht wird, befürchtet einen Spieler-Aderlass: "Wenn Angebote aus der Bundesliga kommen, dann ist kaum ein Kollege zu halten."

Mit dem spielentscheidenden Treffer des eingewechselten Conor Casey (85.) verstummte vor 26 601 zahlenden Zuschauern auf der Alm auch jeglicher Verdacht der Manipulation. Arminia-Torwart Mathias Hain hatte vor dem Spiel besonders in Richtung Nürnberg gewettert, dass dort bei der Begegnung des "Clubs" gegen Bayer Leverkusen nicht alles mit rechten Dingen zugehen könnte. Doch mit der Niederlage gegen Hannover hatten sich die Bielefelder selbst jede Chance genommen. Für Hain brach nach dem Aus eine Welt zusammen: "Die Bundesliga war immer mein Kindertraum. Jetzt ist er erst einmal vorbei."

Für Jörg Sievers ist nach 14 Jahren als Torwart die Profizeit bei Hannover 96 vorbei. Der Schlussmann war auf der Alm in der letzten halben Stunde von über 4000 Fans immer wieder in Sprechchören gefordert worden. 96-Trainer Rangnick tat den Anhängern den Gefallen und schickte den 37 Jahren alten Kapitän kurz vor dem Abpfiff zum Abschied noch einmal zwischen die Pfosten. Mit ein paar Tränen in den Augen gestand der Torhüter: "Es war ein wunderbarer Moment."

In den nächsten beiden Wochen will Hannover die Weichen auf dem Personalsektor für die Zukunft stellen. Für Fredi Bobic (zu Hertha BSC) sucht Trainer Ralf Rangnick einen passenden Ersatz. Torschützenkönig Thomas Christiansen vom VfL Bochum steht auf der Wunschliste ganz oben.

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