Rekordabflüsse bei Aktienfonds
Privatanleger scheuen Aktienbörsen

Aktienfonds erfreuen sich derzeit keiner großen Beliebtheit: In den USA und Europa trennen sich Privatanleger weiter von ihren Aktienfonds.

tmo FRANKFURT/M. Von Mai bis Oktober umfassten die Rückflüsse in den USA sage und schreibe 109 Mrd. Dollar, schätzt David Bowers, Chef-Anlagestratege der US-Investmentbank Merrill Lynch. "Der Oktober wäre der fünfte Monat in Folge, in dem amerikanische Aktienfonds Abflüsse verzeichnen", erklärt Bowers in einer neuen Studie.

Europäische Anleger verkauften im September Aktienfonds für drei Mrd. Euro. Das war der schlechteste Monat seit Jahresbeginn, sagt Analyst Moneesh Puri von Schroder Salomon Smith Barney. Traditionell halten die Europäer weniger Geld in Aktien als die US-Amerikaner. Deshalb fallen die Zahlen hier nicht ganz so dramatisch wie in den USA aus. Trotzdem ist auch auf dem alten Kontinent klar: Der Rückzug der Fondsanleger belastet die nationalen Aktienmärkte - und das in einer ohnehin schwierigen Phase, in der die Aussichten für Konjunktur und Unternehmensgewinne unklar sind.

Manche Analysten betrachten das Anlageverhalten der Privatanleger als so genannten Kontra-Indikator. In der Vergangenheit stiegen die Privaten oft auf dem Tiefpunkt aus, wenn Kurse und Erwartungen am Boden lagen. Auf starke Mittelabflüsse folgten häufig Phasen mit positiver Kursentwicklung. Doch wenn die Privatanleger dem Aktienmarkt dauerhaft und immer stärker den Rücken kehren, funktioniert das Kontra-Signal womöglich nicht mehr.

Eine baldige Rückkehr in Aktienfonds erwartet Salomon-Analyst Puri nicht: "Die bisherige Erfahrung spricht dafür, dass die Privatanleger erst nach einer längeren Phase steigender Kurse wieder einsteigen", sagt er. Einen starken psychologischen Einfluss auf das Kaufverhalten hat die Frage, ob Fondsdepots über oder unter dem Einstandskurs notieren. In Europa sind die allermeisten Privatanleger nach Puris Schätzungen längst ins Minus gerutscht. Denn viele sind erst in den späten neunziger Jahren in den Markt eingestiegen, als die Aktienfonds-Branche einen riesigen Boom erlebte.

In den USA liegen die Privatanleger laut Merrill Lynch - noch - im Plus. "Aber die unrealisierten Kursgewinne der Anleger schmelzen rapide ab", sagt Merrill-Stratege Bowers. Wer seit Januar 1990 jeden Monat den gleichen Betrag in ein Aktienportefeuille investiert hat, das dem Standardindex Standard & Poor?s 500 (S & P 500) gleicht, dessen Einstandskurs liegt laut Merrill bei 772 Punkten. Diese Marke ist erreicht, wenn der S & P 500 von seinem aktuellen Niveau etwas mehr als zehn Prozent verliert. Bei Erreichen dieser kritischen Marke könnten die US-Investoren noch nervöser werden, als sie es ohnehin schon sind.

Für die Aktienmärkte verheißen die monatlichen Fondsstatistiken derzeit nichts Gutes. Merrill-Stratege Bowers sorgt sich insbesondere darum, dass die hohen Fondsverkäufe in den USA zusammen treffen mit einer niedrigen Kassenposition vieler Fonds. "Das Liquiditätspolster ist immer noch historisch niedrig. Wer wird da als Käufer am Aktienmarkt auftreten?" fragt Bowers. Er fürchtet im Gegenteil, dass viele Aktienfondsmanager Dividendenpapiere verkaufen müssen, um die flüchtenden Privatanleger auszahlen zu können.

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