Rekorde angepeilt
Nur wenige Schwimmer schwimmen im Geld

Bis auf Franziska van Almsick müssen sich die deutschen Schwimmer bei der Europameisterschaft kräftig ins Zeug legen, damit es auch in der Kasse klingelt.

HB BERLIN. Nur wenige Schwimmer schwimmen im Geld. In Deutschland eigentlich nur Superstar Franziska van Almsick. Die 24- jährige Berlinerin ist auch zur EM in ihrer Heimatstadt überall präsent. Die Werbemillionärin blickt von allen Litfaßsäulen, schmückt Anzeigen ihrer Sponsoren und kommt per Fernsehspot direkt ins Wohnzimmer. Auf knapp zehn Millionen Euro wird "Franzi" inzwischen geschätzt. Mit einem neuen Weltrekord über 200 m Freistil will sie kommende Woche wieder Schwimm-Geschichte schreiben - und am Markt bleiben.

"Das ist ihr Image, ihre Persönlichkeit", sagt Cheftrainer Ralf Beckmann vom Deutschen Schwimm-Verband (DSV), "das Schwimmen ist da nur noch Transportmittel." Profi Franziska van Almsick steht da in einer Reihe mit den Großverdienern Ian Thorpe (Australien) und Alexander Popow aus Russland. Andere können davon nur träumen. Die Hamburgerin Sandra Völker (28), Weltrekordlerin und dekoriert mit 55 internationalen Medaillen, wird bisher auf immerhin rund 400 000 Euro und ein aktuelles Jahreseinkommen von 100 000 Euro geschätzt. Das reicht, um noch etwas für die Zukunft zurückzulegen. Franziska van Almsick kommt nach Schätzungen trotz langer sportlicher Flaute auf 300 000 Euro pro Jahr. Beckmann: "Bei Sandra Völker ist das mehr von der Leistung abhängig."

Das gilt auch für Thomas Rupprath. Der Profi-Schwimmer verdient nach Experten-Meinung rund 50 000 Euro im Jahr und kann sich damit als 25-Jähriger einen guten Lebensstandard leisten. Im Moment - für die Zukunft muss er sich etwas einfallen lassen. Beckmann: "Für Rupprath könnte diese EM auch der finanzielle Durchbruch werden." Der Wuppertaler will mit Weltrekord zum Titel über 100 m Schmetterling schwimmen. "Die EM kann ihm schlagartig viele Türe öffnen", sagte Beckmann. Aber der Markt ist in der schwächelnden Konjunktur hart umkämpft. Der Kuchen ist kleiner geworden - und immer mehr wollen davon leben. "Ich sehe die Tendenz, dass immer weniger immer mehr bekommen", so ein Werbe-Experte. Der sportliche Erfolg reicht da schon lange nicht mehr - die Ausstrahlung muss stimmen. Man muss über den Sport hinaus interessant sein. Franziska van Almsick war nach der politischen Wende zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz.

Dazu schön, schnell im Wasser und frech an Land. Die typische Berliner Göre. Dazu das richtige Management und die Zeiten des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs. Jetzt kränkelt die Wirtschaft. Die Erlangerin Hannah Stockbauer bekommt das zu spüren. Auch als zweifache Weltmeisterin von Fukuoka 2001, Sportlerin des Jahres und Model im Playboy muss die 20-Jährige um jeden Vertrag kämpfen. Beckmann: "Das ist ganz, ganz mühevoll." Und die Unabhängigkeit des Athleten muss gewahrt bleiben. Wenn mit dem sportlichen Misserfolg auch der finanzielle Abstieg droht, "werden auf dem Startblock die Arme schwer" (Beckmann).

Das Gros der Schwimmer wird in Deutschland vom Schwimmen nie leben können. Deshalb gilt es, Sport mit Schule und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Zukunft muss geplant sein. Der Verband und die Dachorganisationen tragen hier Verantwortung. Das Einkommen des "normalen" deutschen Schwimmers setzt sich aus Erfolgsprämien der Deutsche Sporthilfe, einer Verbandspauschale und Beteiligung an den DSV-Sponsoreneinnahmen zusammen. Dies reicht zum Leben - aber auch nur im Erfolgsfall. Und das gilt auch nur für die Schwimmer. Wasserspringer, Langstreckler und Synchronschwimmerinnen nagen da schon am Hungertuch.

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