Rekordergebnis durch Nebeneffekte
Bertelsmann mit geringerem operativem Ergebnis

Die Bertelsmann AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2000/2001 im operativen Geschäft Einbußen erlitten, aber zugleich dank Sondereffekten wie dem Verkauf von Beteiligungen an AOL Europe ein Rekordergebnis ausgewiesen.

Reuters BERLIN. Nach den Anschlägen in den USA seien die Planungen für Umsatz und Gewinn nicht revidiert worden, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff am Donnerstag in Berlin. Im Geschäftsjahr 2000/2001 war die Musiksparte den Angaben des Konzerns zufolge in die roten Zahlen gerutscht. Zudem sei die Verlagstochter Gruner+Jahr durch den Einbruch der Werbemärkte und hohe Investitionen belastet worden.

Bertelsmann bekräftigte sein Engagement bei der Multimedia-Agentur Pixelpark und dem Internet-Portal Lycos Europe. Der Konzern erwägt zudem einen Ausbau des Kredits für die Online-Musiktauschbörse Napster.

Ergebnis stieg durch Sondereffekte

Die Bertelsmann AG hatte nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2000/2001 - vor Internetgeschäften und positiven wie negativen Einmaleffekten - ein um 41 Millionen Euro rückläufiges Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) von 1,204 Milliarden Euro verzeichnet. Durch Sondereffekte stieg das Gesamtergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen aber um 79 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro. In dem am 30. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr seien Veräußerungsgewinne von insgesamt 3,5 Milliarden Euro erzielt worden, zu denen der Verkauf des Netzwerkanbieters MediaWays an Telefonica und der Ausstieg bei AOL Europe 3,2 Milliarden Euro beigetragen hätten.

Der schrittweise Ausstieg bei AOL Europe solle im ersten Halbjahr 2002 abgeschlossen sein, sagte Middelhoff. Von den insgesamt 6,8 Milliarden US-Dollar für die Bertelsmann-Anteile an AOL Europe stünden noch 4,3 Milliarden US-Dollar aus. Um eine kartellrechtliche Genehmigung für die Fusion mit Time Warner zu bekommen, hatte AOL seine Verbindungen zu Bertelsmann kappen müssen.

Zu künftigen Entwicklung auch in Folge der Anschläge vom 11. September sagte Middelhoff: "Wir werden mit großer Gelassenheit unsere Stammgeschäfte entwickeln." Eine konkrete Prognose machte er nicht. 2000/2001 steigerte Bertelsmann seinen Jahresüberschuss im Vorjahresvergleich um 44 Prozent auf 968 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs gleichzeitig um 21 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Aus der Gesamtkapitalrendite von 17,4 Prozent ergebe sich für die Genuss-Scheine voraussichtlich für die Ausschüttung am 16. Oktober voraussichtlich ein Ausschüttungssatz von 18,4 Prozent.

Bertelsmann hatte in einem Aktientausch mit der belgischen Holding GBL die Mehrheit an der RTL Group übernommen, die mit einem Ebita von 537 Millionen Euro nach 357 Millionen Euro nun 44 Prozent zum Bertelsmann-Gewinn beiträgt. Im Gegenzug hatte GBL 25,1 Prozent der Bertelsmann-Anteile erhalten, die die Holding in vier Jahren an die Börse bringen. Nach Einschätzung von Analysten werden potenzielle Investoren die Performance der Gruppe erst an dem Ergebnis von 2002 messen. "Dieses Geschäftsjahr kann ziemlich abgeschrieben werden", sagte ein Analyst.

Umsatzzuwächsen vor allem bei der Fernsehgruppe RTL, dem Mediendienstleister Arvato und der Buchverlagsgruppe Random House stehe ein Umsatzrückgang bei der Bertelsmann Music Group (BMG) gegenüber. BMG verzeichnete den Angaben zufolge ein Ebita von minus fünf Millionen Euro und strebt mit neuem Management und Umstrukturierungen im neuen Geschäftsjahr eine Ertragswende an. Bisher seien 600 Stellen abgebaut worden. Die neu geschaffene Direct Group mit den Buchclubs und E-Commerce-Aktivitäten wie den Internet-Buchhändler bol.com steigerte den Umsatz um 19 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Ohne das Internet-Geschäft habe hier das Ebita mit 54 Millionen Euro im Minus gelegen.

Für das Internet-Geschäft seien 499 Millionen Euro allein in die Direct Group investiert worden, teilte Bertelsmann mit. Insgesamt hätten die Anlaufverluste für die Internetgeschäfte bei 888 Millionen Euro gelegen. Sie hätten damit ihren Scheitelpunkt erreicht. Zudem werde erwogen, den Kredit an die Online-Musiktauschbörse Napster auszuweiten, sagte Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff in einem Reuters-Interview. Mit dem inzwischen in die Buchclubs integrierten Web-Buchhändler bol.com sei ein "Medienbringdienst" geplant, der schon Anfang 2002 getestet werden solle. Damit sollen Kunden die Möglichkeit erhalten, sich jede auf dem Markt befindliche Buch, CD oder Video bestellen zu können. Damit würden die Clubs erstmals in Konkurrenz zum klassischen Buchhandel treten.

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