Rekordergebnis
Shell-Ergebnis erhöht Druck auf britische Regierung

Die Riesengewinne der großen Mineralölkonzerne wecken politische Begehrlichkeiten. Die Regierung in London plant, einen Teil der Überschüsse durch eine neue Abgabe abzuschöpfen.

fmd/uhl LONDON/BERLIN. Der konstant hohe Ölpreis hat dem britisch-niederländischen Mineralölkonzern Royal Dutch/Shell im dritten Quartal in Folge ein Rekordergebnis beschert. Zwischen Juli und September sei der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 80 % auf 3,25 Mrd. $ (rund 7,4 Mrd. DM) gestiegen, teilte Shell gestern in London mit. Der Konzern sieht sich auf dem Weg zu einem Jahresgewinn von 13 Mrd. $. "Das sind außergewöhnliche Resultate angesichts eines außergewöhnlichen Ölpreises", bemerkte Chairman Mark Moody-Stuart.

Noch bessere Ergebnisse werden vom britischen Branchenriesen BP Amoco erwartet, der am kommenden Dienstag Zahlen für das dritte Quartal vorlegen wird. Hier liegen die Schätzungen der Analysten zwischen 3,5 Mrd. $ und 3,9 Mrd. $. In der vergangenen Woche hatten bereits die großen US-Ölkonzerne Exxon-Mobil, Chevron und Texaco Rekordgewinne gemeldet.

Angesichts der sprudelnden Gewinne der Mineralölriesen plant die Regierung in London, die Gewinne aus dem Ölgeschäft mit zusätzlichen Abgaben zu belasten. Die zusätzlichen Einnahmen könnten dazu dienen, Forderungen der Fuhrunternehmen und Bauern zumindest teilweise zu finanzieren. Verbände der Transportindustrie fordern eine Senkung der Steuern auf Diesel und Benzin. Bereits 1998 gab es ähnliche Pläne, die dann aber auf Grund der damaligen Ölpreisentwicklung fallen gelassen wurden.

Mit dem Plan zur Einführung der Abgabe reagiert das Londoner Schatzkanzleramt auch auf politischen Druck: In der nächsten Woche läuft ein Ultimatum von britischen Spediteuren und Landwirten ab, die im September angekündigt hatten, die Proteste wieder aufzunehmen, falls die Regierung die Mineralölsteuer nicht senken sollte.

Shell-Chef Moody-Stuart hingegen wies Vorwürfe zurück, die Ölkonzerne seien mit für die Ölpreissteigerung verantwortlich. "Wir können weder den Ölpreis noch die Treibstoffsteuer beeinflussen", sagte er. Der Aktienkurs des zweitgrößten Konzerns Europas gab gestern im Tagesverlauf nach.

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, der Anfang der Woche in London war, bestätigte dem Handelsblatt, dass die britische Regierung "dem Treiben der Ölkonzerne nicht länger zusehen will". Nach Einschätzung Müllers müssen eventuelle Gegenmaßnahmen auf europäischer Ebene beschlossen werden. Dabei sollte die Herstellung eines funktionierenden Wettbewerbs auf den Ölmärkten im Vordergrund stehen. "Darüber müssen wir mit den Unternehmen sprechen", forderte der SPD-Politiker.

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