Rekordgewinn dank hoher Finanzerträge
Bertelsmann will die Krise für Zukäufe nutzen

Die Bertelsmann AG hat im abgelaufenen Geschäftsjahr so viel verdient wie nie zuvor. Trotzdem ist die Unsicherheit angesichts der aktuellen Konjunkturlage groß. Konzernchef Thomas Middelhoff wollte deshalb gestern in Berlin bei der Vorlage der Bilanz keine Umsatz- oder Gewinnprognose für das kommende Jahr abgeben. Noch sei nicht abzusehen, welche Auswirkungen die Attentate vom 11. September wirklich auf die Medienmärkte haben würden, sagte er.

pos BERLIN. Der Jahresüberschuss des Medienkonzerns aus Gütersloh stieg im Geschäftsjahr 2000/01 (zum 30.6.) von 672 Mill. auf 968 Mill. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen schoss von 1,77 Mrd. auf 3,16 Mrd. Euro in die Höhe. Alleine der Verkauf des Netzwerkanbieters Mediaways und die erste Tranche des Verkaufserlöses für AOL Europe haben einen Vorsteuergewinn von 3,2 Mrd. Euro gebracht. Nächstes Jahr sollen weitere 4,3 Mrd. Euro folgen - und diese dann fast steuerfrei, betont Finanzchef Siegfried Luther.

Middelhoff, der den Konzern weiter auf einen Börsengang vorbereitet, hat schon Pläne mit dem Geld. Lange hat er zusehen müssen, wie Konkurrenten über Fusionen (wie AOL Time Warner) oder strategische Zukäufe (wie Vivendi Universal) Bertelsmann in der Weltrangliste nach unten drückten. Jetzt will er die Krise der Medienindustrie für günstige Zukäufe nutzen. Speziell das Fernsehgeschäft gilt dabei seit längerem als Wachstumsfeld.

Höhere Verzinsung für Genussscheine

Probleme bereitet Bertelsmann der Umsatz. Der ist zwar 2000/01 um 21 % auf 20,04 Mrd. Euro gestiegen. Doch das Wachstum kam ausschließlich aus Akquisitionen, Neukonsolidierungen und Wechselkursgewinnen. Das interne Wachstum war null, da Gewinne in anderen Sparten durch einen Umsatz- und Ertragseinbruch bei der Musiktochter BMG aufgezehrt wurden. Hier liegt ein wichtiger Grund für die Delle im operativen Konzernergebnis, das sich leicht um 41 Mill. Euro auf 1,204 Mrd. Euro (Ebitda) abschwächte.

Die Internet-Aktivitäten des Konzerns kosteten insgesamt 888 Mill. Euro. Die Investitionen seien nur so hoch ausgefallen, weil man bereits die Finanzerträge gekannt habe. Der "für einen Medienkonzern unerlässliche" Internet-Bereich werde aber bereits im kommenden Jahr die Verluste halbieren. Auch an der Beteiligung am Web-Portal Lycos Europe will Middelhoff festhalten.

Der plötzliche Geldsegen lässt auch die Besitzer der Bertelsmann-Genussscheine profitieren. Sie können sich auf einen Ausschüttungssatz von voraussichtlich 18,4 % freuen. Damit werde zum ersten Mal seit Börseneinführung der Scheine die Zielausschüttung von 15 % übertroffen, heißt es.

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