Rekordverlust im ersten Halbjahr – Analysten hatten Schlimmeres befürchtet
Zurich Financial wagt den Neubeginn

Um die Bilanz wieder auf eine finanziell stabile Basis zu stellen, ist eine Mammut-Kapitalerhöhung geplant. Altaktionäre sollen einen Preisabschlag von 70 bis 75 Prozent erhalten.

ZÜRICH/FRANKFURT/M. Der neue Konzernchef der Zurich Financial Services (Zfs), James Schiro, räumt auf. Nachdem das erste Halbjahr mit einem Verlust von 2,03 Mrd. $ beendet wurde, baut die Versicherung rund 4 500 von insgesamt über 76 000 Arbeitsplätzen ab. Außerdem soll die Kapitalbasis des Konzerns um 5 Mrd. $ gestärkt werden. Zu den dafür geplanten Schritten gehört der Verkauf von ertragsschwachen Aktivitäten, eine niedrige Dividende und eine strukturierte Finanzierung über 0,5 Mrd. $. Der Mammutanteil soll jedoch durch eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht über bis zu 2,5 Mrd. $ aufgebracht werden.

Wie das Handelsblatt aus Bankenkreisen erfuhr, wird voraussichtlich jeder Altaktionär für einen alten Anteilsschein einen neuen angeboten bekommen. Es wird mit einem Preisabschlag von 70 bis 75 % gerechnet. Damit folgt Zfs dem Beispiel von Ericsson. Die Schweden hatten bei ihrer jüngsten, mit 3,2 Mrd. bislang größten Emission 2002 in Europa, einen Preisnachlass von drei Viertel des aktuellen Kurses eingeräumt. Üblich sind in Deutschland normalerweise 25 bis 35 %. Doch das ist angesichts der Flaute an den Kapitalmärkten zu wenig. Außerdem sollen die Hedge Funds abgeschreckt werden, die zuletzt viele Aktienemissionen torpediert hatten. Da das Risiko für die federführenden Banken im jetzigen Börsenumfeld vergleichsweise groß ist, hat sich Zfs für vier Banken an der Spitze entschieden: Citigroup, CSFB, Goldman Sachs und UBS. Die Zfs-Aktionäre sollen Informationen zufolge am 16. September zu einer außerordentlichen Hauptversammlung eingeladen werden. Die Zustimmung ist für den 10. oder 11. Oktober geplant. Am 25. Oktober soll die Kapitalerhöhung abgeschlossen sein.

Wenn alle Maßnahmen beendet seien, dann entstehe "die neue Zurich", betonte Schiro. Endgültig vorbei seien die hohen Wachstumsversprechen oder die "normalisierten" Gewinne, mit denen Schiros Vorgänger Rolf Hüppi versuchte hatte, den Blick auf den Krankheitszustand zu verstellen. Alle Aktivitäten sollen mittelfristig eine operative Eigenkapitalrendite von 12 % einspielen, bei deren Berechnung realisierte Kapitalgewinne ausdrücklich nicht berücksichtigt werden. Aktivitäten, die das Ziel nicht erreichen, werden verkauft oder aufgegeben. Angesichts dieser Strategie werde sich Zurich künftig auf die Märkte USA, Großbritannien, Schweiz, Deutschland, Italien und Spanien konzentrieren, erklärte Schiro. Neben den eigenen Versicherungspolicen sollen Finanzprodukte von Dritten vertrieben werden. Als Erfolg bezeichnete Schiro die angelaufene Exklusivpartnerschaft mit der Deutschen Bank. Rückversicherung und Vermögensverwaltung gehören nicht mehr zum Kerngeschäft; sie wurden an die Börse gebracht (Converium) bzw. großteils verkauft (Scudder).

Höhere Prämien, verbesserte Risikostruktur

Bis zum Jahr 2003 soll der Gewinn wieder um mindestens 1 Mrd. $ steigen. Die Maßnahmen: höhere Prämien, verbesserte Risikostruktur, effizientere Schadensregulierung und Kostensenkungen auf allen Konzernstufen. Das Ergebnis des zweiten Halbjahres wird in diesem Zusammenhang mit Restrukturierungskosten von 0,5 Mrd. $ belastet. Um den Konzern wieder auf die Beine zu stellen, wurden im 1. Halbjahr Rückstellungen über 2,71 Mrd. $ gebildet. Dazu gehören Schadensrückstellungen (1,76 Mrd. $) und Abschreibungen auf den Goodwill (0,73 Mrd. $) und Software (0,23 Mrd. $).

Trotz des Rekordverlusts im ersten Halbjahr gab es auch Fortschritte. So konnten die Bruttoprämien um 18 % auf 20,7 Mrd. $ und die Combined Ratio im Sachgeschäft (Schäden und Kosten im Verhältnis zu den Prämien) um 2,3 auf 103,3 % verbessert werden. Um das Risikoprofil weiter zu verringern, soll der Anteil der Aktien an den Kapitalanlagen auf nur noch 10 (derzeit 11,5) % reduziert werden.

Rückgang des Konzerngewinns höher als erwartet

Der Rückgang des Konzerngewinns vor Sonderabschreibungen um knapp 21 % auf 683 Mill. $ lag über den Erwartungen der Analysten. Die Bank Sarasin erwägt sogar, angesichts der positiven Perspektiven für 2003 die Zfs-Aktien von "Halten" auf "Kaufen" heraufzustufen. Allerdings erwarten die Basler, dass die Kapitalerhöhung den Kurs kurzfristig noch belasten könnte. Die Privatbank Pictet begrüßt, dass die Zfs die Probleme angeht. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, ob dies ausreichen wird. Die Genfer kritisieren, dass keine klaren Aussagen zu den geplanten Verkäufen gemacht wurden. Positiv sei dagegen, dass die Kapitalerhöhung mit 2,5 Mrd. $ kleiner als erwartet ausfällt. Merrill Lynch bezeichnet das Ergebnis zwar als "überzeugend", noch wichtiger seien aber die Maßnahmen, um die Bilanz zu stärken.

Die Investoren nahmen das Ergebnis positiv auf. Die Zfs-Aktien stiegen um 6,5 % auf 127,50 (Jahreshoch 489,00) sfr. Insgesamt zählen sie zu den schwächsten im Blue-Chip-Index SMI.

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