Rekordverlust von 50 Millionen DM eingefahren
Geht nicht - Gibt's nicht: Metro nimmt Praktiker beim Wort

"Geht nicht - Gibt's nicht" verspricht die Baumarktkette Praktiker. Egal, ob es Probleme an Bord einer maroden Weltraum-Station gibt oder ein Schlossbesitzer Porträts seiner Frau von Wänden und Fußböden entfernen will, Werbefigur "Paul Praktiker" weiß eine Lösung.

dpa DÜSSELDORF. Ähnlich pfiffig wie der Kollegen im Blaumann muss das Management in der Firmenzentrale im saarländischen Kirkel ans Werk gehen. Denn Konzernchef Hans-Joachim Körber von der Metro AG in Düsseldorf nimmt die Tochtergesellschaft sozusagen beim Wort. "Geht nicht - Gibt´s nicht", heißt es auch beim Senken der eigenen Kosten.

Deutschlands zweitgrößte Heimwerker- und Baumarktkette nach OBI fuhr im vergangenen Jahr einen Rekordverlust vor Zinsen und Steuern von 50 Millionen DM ein. Kein Wunder, dass Aktionärsschützer großen Handlungsbedarf sehen. Die frühere Perle habe sich zum Sanierungsfall entwickelt, meinte eine Rednerin auf der Metro-Hauptversammlung vor drei Wochen. Wäre ein Verkauf nicht besser? Körber meinte Nein. Aber "Paul Praktiker" müsse in zwei bis drei Jahren die Gewinnvorgaben erreichen. Eine schwierige Aufgabe, sagen Branchenkenner. Mit dem Einbruch der Baugenehmigungen und der Konjunkturabkühlung werden niedrigere Ausgaben für Baumaterialen und Bauwerkzeug erwartet.

Der Markt für Heimwerker ist in Deutschland so farbig wie kein anderer in Europa. Wie Praktiker "Paul" im Blaumann und der orange OBI-Biber buhlen hier zu Lande rund 30 Anbieter um die Gunst der Verbraucher. In Großbritannien und Frankreich sind es dagegen je nur eine Hand voll Unternehmen. In Managerkreisen wird deshalb eine Konsolidierungswelle erwartet, die eine Reihe kleinerer Ketten vom Markt spült. Zusätzlich könnten ausländische Investoren für Bewegung in der Branche sorgen. Seit langem gibt es Spekulationen über einen Einstieg des US-Marktführers Home Depot und des Briten Kingfisher.

Der Wettbewerb wird härter, wie die Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte für das Jahr 2000 zeigen. Während die Umsätze im Durchschnitt um 3 % stiegen, wuchs die Verkaufsfläche um 7 Prozent. Gleichzeitig wurde auch zusätzliches Personal eingestellt. Allein in den vergangenen beiden Jahren wuchs die Mitarbeiterzahl der Branche um 9 000 auf 131 000. Eine Entlassungswelle sei nicht in Sicht, heißt es beim Verband. Ein großes Sortiment, mehr Service und der Anbau von Gartencentern gelten neben dem Preis als Mittel, um Kunden zu halten und zu gewinnen.

"Praktiker befindet sich keinesfalls auf dem Rückzug", betont Sprecher Georg Maringer. In Deutschland seien Märkte von "TopBau" übernommen worden. Die 300 bestehenden Märkte würden neu gestaltet und die Angebotsbreite um zehn Prozent erhöht. Ebenso sollen neue Angebote wie Gardinen-Center und Pickup-Verleih für den Abtransport Kunden überzeugen. Außerdem soll dieses Jahr die Firmenorganisation schlanker und flexibler werden. Nach Angaben der METRO schlugen das Umgestalten der Märkte und die Fernsehauftritte von "Paul Praktiker" im vergangenen Jahr mit 43 Millionen Euro (84 Mio DM) zu Buche.

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