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Rekruten schildern Misshandlungen

Bei der Bundeswehr ist es möglicherweise auch an anderen Standorten zu Misshandlungsfällen wie im münsterländischen Coesfeld gekommen. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner, sagte der Zeitung „Die Welt“, er habe eine entsprechende Eingabe erhalten.

dpa BERLIN. Bei der Bundeswehr ist es möglicherweise auch an anderen Standorten zu Misshandlungsfällen wie im münsterländischen Coesfeld gekommen. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Willfried Penner, sagte der Zeitung "Die Welt", er habe eine entsprechende Eingabe erhalten.

"Dem gehen wir nach." Das Verteidigungsministerium konnte sich am Donnerstag dazu nicht äußern, da es nach Angaben eines Sprechers bislang nicht über den Vorfall informiert wurde. Rekruten aus der Kaserne in Coesfeld schilderten unterdessen Einzelheiten ihrer Misshandlungen durch Ausbilder.

Die Soldaten berichteten laut "Bild"-Zeitung, dass sie bei einer nachgestellten Geiselnahme gefesselt, geschlagen und mit Wasser abgespritzt worden seien. Nur ein Soldat habe sich getraut, das Codewort "Tiffy" zu sagen und damit die Gewalttätigkeit zu beenden. Der neue Fall, den der Wehrbeauftragte nun untersuche, soll sich ebenfalls in einer nordrhein-westfälischen Garnison abgespielt haben und der Coesfelder Geiselhaft-Übung ähnlich sein, schreibt die "Welt".

Der Beauftrage für Erziehung und Ausbildung im Verteidigungsministerium, General Alois Bach, sagte der "Sächsischen Zeitung" (Donnerstag), das Rollenspiel "Verhalten als Geisel" gehöre bei der Bundeswehr zur regulären Vorbereitung von Auslandseinsätzen. Es sei aber nicht Bestandteil der Grundausbildung für Wehrpflichtige.

Ein Soldat schilderte der "Bild": "Plötzlich griffen uns maskierte Männer an, zogen uns Leinensäcke über den Kopf, fesselten uns mit Kabelbindern." Die Opfer seien in einen Keller gebracht worden. Ein anderer Soldat sagte: "Wir mussten uns hinknien und abwarten. Dann wurde jeder Einzelne weggeführt und "verhört". Einige wurden mit Wasser abgespritzt, andere erhielten Schläge in den Nacken. (...) Einem Kameraden haben sie die Kabel in den Nacken gehalten, ihm dort Stromschläge verpasst. Sie drückten ihn mit Gewalt runter. Er schrie auf."

Dass die Wehrdienstleistenden die Schikanen über sich ergehen ließen, begründete ein Soldat so: "Niemand wollte als Feigling oder Schwächling dastehen." Die Staatsanwaltschaft Münster ermittelt wegen der Misshandlungen von rund 80 Bundeswehrsoldaten im Instandsetzungs- Bataillon sieben gegen 21 Vorgesetzte. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) lässt nun prüfen, ob Soldaten durch Auslandseinsätze verrohen.

Der Jurist Matthias Mahlmann von der Freien Universität (FU) Berlin sprach von Körperverletzung. Rekruten zu misshandeln, sei in jeder Hinsicht unzulässig, sagte der Experte für Menschenrechte und Menschenwürde in einem dpa-Gespräch.

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