Religiöse Rhetorik bei Franzosen unbeliebt
Bush hätte in Frankreich keine Chance

In Frankreich sind sich Regierung und Volk mit Blick auf den künftigen US-Präsidenten einig: 87 % der Franzosen bervorzugen Kerry. Auch die Regierung übt keine diplomatische Zurückhaltung mehr.

HB PARIS. In Frankreich sind sich Regierung und Volk mit Blick auf den künftigen US-Präsidenten einig: Eine breite Mehrheit von 87 % der Franzosen würde nach einer Umfrage des Instituts CSA für den demokratischen Herausforderer John Kerry stimmen. Amtsinhaber George W. Bush käme abgeschlagen auf 13 %. Auch die Regierung macht keinen Hehl aus ihrer Haltung.

Spätestens seit bekannt wurde, dass Kerry in seiner Kindheit oft im Land der Gallier war, genießt er hier einen Sympathiebonus. Zwar hegen nicht nur Linke Zweifel, ob der Abkömmling der Dollar- Aristokratie tatsächlich für Sozialpolitik und Frieden steht. Vor allem sein langes Zaudern in der Irakdebatte macht skeptisch. Doch die Alternative hieße nun mal Bush.

Und der Präsident hat in Frankreich das Image des schießwütigen "texanischen Cowboys", gegen dessen rücksichtsloses Vormachtstreben man sich wappnen muss. Zudem fürchten die auf Trennung von Religion und Politik fixierten Franzosen mehr als alle anderen Europäer, der Herr im Weißen Haus könne die Welt immer tiefer in einen Religionskrieg treiben.

Die Franzosen verübeln Bush auch die Wahlkampfaussage, er werde die Sicherheit der USA niemals Ländern wie Frankreich im UN Sicherheitsrat - anvertrauen. Selbst Staatspräsident Jacques Chirac übt keine diplomatische Zurückhaltung mehr und warnte vor kultureller Verarmung durch die Amerikanisierung der Welt.

Mit ihrem Votum für Kerry verbinden die Franzosen nicht allzu viel Hoffnung auf eine grundlegende politische Wende. Das Kalkül ist bescheidener: Mit Kerry würden auch die Spannungen im bilateralen Verhältnis verschwinden. Man könnte Konflikte wie um die Airbus - Subventionen gelassener angehen. Und Chirac könnte dem US-Präsidenten wieder unbeschwert die Hand reichen.

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