Renaissance der IT- und Stahlwerte erwartet
Nippons Aktien profitieren von schwindenden Zinsängsten

In Japan wenden sich die Anleger allmählich wieder der Aktie zu. Mit der Entscheidung, den geldmarktpolitische Schlüsselzins auf 0,25 % anzuheben, hat die Bank of Japan den Spekulationen über ihren nächsten Schritt vorerst die Nahrung entzogen. Vor diesem Hintergrund legte der Nikkei-225-Index zum Wochenschluss nochmals um 1 % auf 16 280,49 Punkte zu.

HB TOKIO. Die japanische Konjunktur erholt sich nur ziemlich schleppend. Deswegen rechnet kaum jemand ernsthaft damit, dass Gouverneur Masaru Hayami die noch zarten Triebe der Wirtschaft mit einem erneuten Drehen an der Zinsschraube gefährden wird.

Die japanische Notenbank hat mit dem Entscheid, die Null-Zinspolitik an den Nagel zu hängen, einen Achtungserfolg errungen. Sie schenkte den Einflüsterungsversuchen des Finanzministeriums und des Premiers Mori kein Gehör, und stellte damit unter Beweis, dass sie ihren Gesetzesauftrag erfüllt, geldpolitisch unabhängig zu bleiben.

Jene, die wegen der Abkehr von der Nullzinspolitik einen scharfen Zerfall der Bondrenditen prognostizierten, sind in der zweiten Augustwoche eines Besseren belehrt werden. Weder an den Zinsmärkten noch am Aktienmarkt kam es in den vergangenen Tagen zu signifikanten Kursausschlägen. In einer ereignisarmen Börsenwoche setzten sich per Saldo die Käufer durch.

Da auch eine Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten nach Einschätzung der meisten Börsianer unwahrscheinlich ist, dürfte sich nach der Rückkehr der Investoren in den nächsten Tagen am japanischen Aktienmarkt eine freundliche Tendenz durchsetzen. Der Offenmarktausschuss des Federal Reserve Board tritt am Dienstag zusammen.

Veröffentlichung des Konsumentenpreisindexes

Eine vorläufige Standortbestimmung hinsichtlich der Deflationsgefahren wird in Nippon wohl die für den kommenden Freitag angekündigte Veröffentlichung des Konsumentenpreisindexes für Juli ermöglichen. Niemand zweifelt daran, dass die Preise erneut unter dem Niveau des Vorjahresmonats zu liegen kommen werden. Doch große Abweichungen von den Vormonatswerten sind auch von den Juli-Zahlen kaum zu erwarten.

Wenn die Vertreter der japanischen Politik aus ihrem Sommerurlaub zurückgekehrt sind, steht in der Hauptstadt wohl bald die Debatte über das Budget 2000/01 auf der Tagesordnung. Zur Diskussion steht außerdem, ob im Herbst ein Impuls-Paket zur Stützung der Wirtschaft verabschiedet werden soll. Finanzminister Miyazawa will eigentlich erst nach der Analyse der Bruttoinlandsprodukt-Werte für die Monate April bis Juni eine Entscheidung fällen. Zu erwarten ist jedoch, dass er von ausgabefreudigen Kollegen aus dem Kabinett unter Druck gesetzt wird.

Neuer Unternehmergeist

Für die japanischen Aktien insgesamt spricht derzeit ein neu erwachter Unternehmergeist, der sich in den revidierten Investitionsplänen vieler großer Industriekonzerne widerspiegelt. Mehrere Unternehmen, unter ihnen Honda , NTT, Kyocera , Advantest , Sanyo sowie Mitsui und Sumitomo Mining haben nach Recherchen des Wirtschaftsblatts ihre Gewinnschätzungen nach oben korrigiert. Kommt wieder etwas Zug in den wegen der Sommermonate ziemlich verschlafenen Tokioter Aktienmarkt, sollten vor allem die Informationstechnologie und der konjunktursensitive Stahlsektor das Kaufinteresse der Anleger wecken. In den vergangenen Tagen sind bereits Toshiba, Fujitsu und NEC durch überdurchschnittliche Umsätze aufgefallen. Als Anhaltspunkt der Renaissance des IT-Sektors können auch die für September geplanten Erstnotizen von mindestens sieben Unternehmen an der Börse Nasdaq Japan gewertet werden. Auch die Gründung von Investment-Trusts, einem in Japan noch relativ unbekannten Finanzvehikel, könnte der Börse neue Mittel zuführen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%