Archiv
Rendite-Cocktail: Gemischte Fonds

Wer nur auf Aktien setzt, wurde in den vergangenen Wochen schmerzlich an die Risiken erinnert. Gemischte Fonds bieten sich als Alternative an.

FRANKFURT. Wodka, Zitronensaft, gemahlener Pfeffer, Selleriesalz, Tabasco, Worcestersauce und Tomatensaft - wer nur auf eine dieser Zutaten setzt, wird schnell feststellen, dass die Bekömmlichkeit nicht mehr gegeben ist. Nur in bestimmten Mengen zusammengerührt ergibt sich die bewährte Erfolgsformel: "Bloody Mary", einer der beliebtesten Cocktails weltweit.

Ähnlich halten es die Manager gemischter Fonds. Deren Dienste sind wieder gefragter, seit sich das einseitige Verlassen auf Aktienfonds oder Titel am Neuen Markt als wenig magenfreundlich herausgestellt hat.

Gemischte Fonds waren die Evergreens der Branche, kommen sie in ihrer Konzeption dem ursprünglichen Portfolio-Gedanken, Risiken durch Streuung auf verschiedene Anlageklassen zu verringern, doch am nächsten. Anfang der neunziger Jahre ließ das Interesse an solchen Kapitalsammeltöpfen aber nach. Die Anleger seien stärker auf eine klare Trennung von Dividenden- und Zinspapieren aus gewesen, erläutert Andreas Fink vom Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI). In den vergangenen Jahren schoben sich dann noch speziellere Instrumente in den Vordergrund. Themenfonds seien im Vertrieb beliebter als die Mischfonds, weil man die Story - etwa Logistik oder Biotechnologie - besser verkaufen könne, sagt ein Branchenkenner. Laut BVI-Statistik waren zum 30. September 2000 gerade einmal 39,3 Milliarden DM in gemischten Fonds angelegt. Bei einem Volumen von 883,8 Milliarden DM für alle Publikumsfonds entsprach dies einem Anteil von nur 4,4 Prozent.

Aber die heftigen Kursrückschläge am Aktienmarkt könnten dem Renditemix wieder zu einer Renaissance verhelfen. "Gerade jetzt sind gemischte Fonds aktueller denn je", freut sich Frank Hagenstein, einer der Manager für den UniRak von Union Investment. Mit den Rentenanteilen in den Portfolios existiere ein guter Ausgleich der Risiken. Allerdings könnten damit richtige Einbrüche am Aktienmarkt eben auch nur zu einem gewissen Teil abgefedert werden.

Das Angebot an gemischten Fonds ist keinesfalls klein, sondern wahrlich unübersichtlich. Allein die Ratingagentur Standard & Poor's listet unter dieser Kategorie rund 265 Produkte auf. Wenn sich der Anleger nicht nur auf die Empfehlungen seiner Hausbank verlassen will, die in erster Linie die Fonds aus der eigenen Konzerngruppe oder dem Finanzverbund herausstellt, der sollte sich zuerst darüber im Klaren werden, welche Risiken er akzeptieren will. Defensive Anleger müssen sich nach höheren Rentenanteilen umschauen, dynamische Anleger setzen auf eine überproportionale Aktienquote. Danach entscheiden bei den Aktienpaketen in den Fonds die Länderauswahl und letztendlich das "Händchen" beim Herauspicken der einzelnen Titel über den Anlageerfolg.

Bei globalen Fonds zusätzlich Währungsrisiken

Bei den Rentenanteilen stehen die Währungen und das Laufzeitenmanagement im Vordergrund, erklärt Reinhard Pfingsten vom Fondsmanagement der Anlagegesellschaft Adig. "Wer Währungsrisiken meiden will, der sollte keinen globalen Fonds kaufen", warnt Pfingsten. Auf jeden Fall lohnt sich genaues Hinsehen bis in die hintersten Winkel der Sammeltöpfe, deshalb sollte der Investor unbedingt den Verkaufsprospekt studieren. "Am Namen des jeweiligen Fonds wird jedenfalls nicht klar, wie er investiert", sagt Pfingsten. Denn im Zuge der Finanzmarktliberalisierung in Deutschland können Mischfonds jetzt auch teilweise auf Immobilien setzen, was zu Lasten der Übersichtlichkeit geht.

So legt der Dachfonds Hansa-Balance der Anlagegesellschaft Hansainvest in Renten-, Aktien- und Immobilienfonds an. "Immobilien nehmen sehr gut Risiken raus", wirbt Fondsmanager Jörg Lösche. Gewerbliche Gebäude seien zu 98 Prozent langfristig vermietet, deshalb seien die Erträge gut zu prognostizieren. Seit Auflegung habe sein Fonds eine Rendite von 6,7 Prozent erzielt. Bei gemischten Dachfonds ist aber noch weniger Transparenz gegeben, denn bei zum Beispiel 20 Unterfonds müsste man theoretisch auch entsprechend viele Rechenschaftsberichte studieren.

Wer sich für die Zwitter-Fonds entscheidet, sollte Zeit mitbringen. Ein Jahr gilt als Minimum, ansonsten lassen sich die oft hohen Ausgabeaufschläge kaum herausholen. Eine Anlagedauer von fünf Jahren ist als guter Mittelwert zu sehen, denn wer zehn Jahre oder länger investiert bleibt, lässt sich die Renditechancen entgehen, die eine reine Aktienanlage in diesem Zeitraum - statistisch gesehen - bietet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%