Renditebringer
Impulse durch Klimawandel

Finanzprofis sehen Erde, Luft und Wasser als Renditebringer des neuen Jahrhunderts. Viel früher als andere Teile der Weltfinanzszene haben sich die Börsen daher bereits den riesigen Herausforderungen des Klimawandels angenommen. Eigentlich kein Wunder, denn mit „Mutter Erde“ und mit dem Thema Klimawandel ist gutes Geld zu verdienen.

FRANKFURT. Die im Rahmen des Kyoto-Protokolls der Vereinten Nationen in die Verantwortung genommenen Unternehmen steuern ihre Umweltbelastung auf diesem politisch gewollten, jedoch marktwirtschaftlich organisierten Markt durch den Kauf oder Verkauf von Emissionsrechten. Die Geschäfte werden dabei sowohl im Freiverkehr (OTC-Handel) als auch an Klimabörsen abgewickelt. Und so überrascht nicht, dass solche Börsen und Handelsplattformen weltweit wie Pilze aus dem Boden schießen.

Banken und Kapitalanlagegesellschaften haben erst in den vergangenen Monaten die ersten Anlageprodukte kreiert, mit denen Investoren das derzeit im Fokus der Weltöffentlichkeit stehende Thema Klimawandel spielen können. Einige visionäre Akteure der globalen Börsenszene waren mit ihren Aktivitäten dagegen wesentlich früher. Denn dass in den USA mit der Chicago Climate Exchange (CCX) bereits vor mehr als fünf Jahren Initiativen zur Gründung der ersten Klimabörse überhaupt eingeleitet wurden, ist weithin unbekannt. Dies vor allem auch, weil die Umwelt- und Klimapolitik der Regierung Bush nicht wirklich mit der Weitsicht der Wirtschaft Schritt halten konnte und sich Bush bis heute als Widersacher des Kyoto-Protokolls zeigt.

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Es war vor allem das Verdienst von Richard Sandor, der im Jahr 2000 gegen alle politischen Widerstände erste Schritte in Richtung Klimabörse ging. Der Erfinder der Financial-Futures-Idee – das sind standardisierte Terminkontrakte wie der Bund-Future – baute dabei unter anderem auf die grundlegenden Überlegungen des US-Ökonomen J.H. Dales aus dem Jahr 1968 auf. Dieser hatte mit seinem Werk „Pollution, Property and Prices“ revolutionäre Ideen für den Handel mit Zertifikaten für die Emission von Treibhausgasen vorgelegt.

Sandor gründete dann vor einigen Jahren die European Climate Exchange (ECX) in Amsterdam, die sich innerhalb nur kurzer Zeit zur führenden Emissionsbörse in der Welt entwickelt hat. Derzeit werden nach Berechnungen des Handelsblatts rund 49 Prozent der Geschäfte im Handel mit CO2-Emissionsrechten im Freiverkehr und 51 Prozent an sieben Börsen in Europa abgewickelt. Dominierend im Börsenhandel ist die ECX, auf die rund 80 Prozent der Transaktionen entfallen.

Das zunehmende Interesse der Finanzwelt hat einen guten Grund; denn die dortigen Akteure haben erkannt, dass mit „Mutter Erde“ und mit dem Thema Klimawandel gutes Geld zu verdienen ist. „Hier entsteht ein völlig neues Finanzmarkt-Modell“, sagt Vordenker Sandor. Allein die Tatsache, dass der Markt Preissignale für die Urstoffe Wasser, Luft und Erde ausgibt, wird als ungeheuer wichtig betrachtet. Dadurch wird bei der Menschheit nämlich das Bewusstsein für den schonenderen Umgang mit diesen Ressourcen geschaffen und gestärkt.

„Erde, Luft und Wasser werden die führenden Werte des neuen Jahrtausends sein“, stellt Sandor die Dinge in den großen Kontext. „Wir sehen hier einen riesigen Markt mit großer Zukunft“, sagt Gabriele Braband von der Kanzlei Simmons & Simmons in Frankfurt, die zum Beispiel südafrikanische Mandanten bei der Anerkennung von Emissionsgutschriften berät.

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