Renditen um 7 %
Hochprozentiger Genuss

Genussscheine bieten mehr Zinsen als Anleihen – für ein überschaubar erhöhtes Risiko.

HB DÜSSELDORF. Auf der Suche nach attraktiven Renditen müssen Anleger derzeit besonders findig sein. Der Dax dümpelt seit Monaten vor sich hin, die Aktien am Neuen Markt sind vielen zu risikoreich, und Anleihen erscheinen wenig attraktiv. Gründe genug, einmal die ausgetretenen Anlagepfade zu verlassen und ein Nebensegment wie Genussscheine in den Blick zu nehmen. "Hier ist ein Einstieg momentan durchaus lohnend", sagt Andreas Strate, Director und Head of International Funding der Westdeutschen Landesbank. Denn die "Genüsse" können mit Renditen um die sieben Prozent aufwarten. Zum Vergleich: Zehnjährige Bundesanleihen bringen es demgegenüber nur auf magere 5,2 Prozent.



Für das deutliche Renditeplus gegenüber den Staatspapieren müssen Genussscheininhaber allerdings auch ein höheres Anlagerisiko in Kauf nehmen. Denn anders als bei Anleihen ist die jährliche Ausschüttung der "Genüsse" in der Regel abhängig vom Unternehmensgewinn. Sie kann daher in schlechten Jahren herabgesetzt werden oder ganz ausfallen. Allerdings garantieren die meisten Unternehmen in diesem Fall einen Nachzahlungsanspruch. Das heißt, die Ausschüttungen werden bei einem entsprechenden Bilanzgewinn im folgenden Jahr nachgeholt. Gerät das Unternehmen in Konkurs, haben Anleger dagegen schlechte Karten. Denn dann rangieren Genussscheininhaber hinter allen anderen Gläubigern und gehen damit in der Regel leer aus.



Der gute Name zählt, aber auch die Liquidität der Papiere

Oberstes Gebot beim Genussscheinkauf ist daher die genaue Abschätzung der Bonität des Emittenten. "Man sollte nur Scheine von Unternehmen kaufen, zu denen man Vertrauen hat, und zwar, was ihre bisherige Ertragsentwicklung als auch die Zukunftsperspektiven anbelangt", empfiehlt Andreas Strate. Doch nicht nur der gute Name zählt. Anleger sollten auch auf die Liquidität der Papiere achten. Denn nicht alle der derzeit rund 280 an der Börse gehandelten Genussscheine weisen hohe Umsätze auf. Bei illiquiden Titeln aber können An- und Verkauf sich durchaus als Problem erweisen, da sie nicht immer zu fairen Kursen gehandelt werden.



Vor diesem Hintergrund raten Anlageexperten insbesondere zu Genussscheinen von Groß- und Landesbanken (siehe Kasten). Denn hier können selbst umfangreichere Orders in der Regel problemlos abgewickelt werden. Darüber hinaus waren die "Genüsse" der großen Kreditinstitute bislang noch nie notleidend. Anleger konnten hier stets die zugesagte Ausschüttung und Rückzahlung in vollem Umfang einstreichen.



Wie bei fast allen Genussscheinen ist auch bei den Bankpapieren die Ausschüttung rentenähnlich gestaltet. Das heißt, sie besteht in einer festen Verzinsung des Nominalkapitals. Ähnlich wie bei Anleihen orientiert sich daher ihr Kursverlauf vor allem am aktuellen Zinstrend. Fallen die Zinsen, so steigen die Kurse, bei einem Zinsanstieg sinken sie. Wer sich diesem Kursrisiko nicht aussetzen will, kann die Papiere bis zum Ende der Laufzeit behalten.



Scheine mit kürzeren Restlaufzeiten bergen geringeres Risiko

Sicherheitsbewussten Anlegern empfiehlt Bernd Ullrich, Leiter der Abteilung Währungen und Renten im Commerzbank Asset Management, auf Scheine mit kürzeren Restlaufzeiten zu setzen, da sie relativ unempfindlich auf Zinsschwankungen reagieren. "Wer dagegen aktives Anlagemanagement betreiben will", meint Ullrich, "sollte in Papiere mit längeren Restlaufzeiten einsteigen. Geht die Spekulation auf fallende Zinsen auf, so kann sich der Anleger über zusätzliche Kursgewinne freuen."



Wer mit Genussscheinen gute Renditen erzielen will, sollte aber auch den Steueraspekt beachten. Denn sobald der Sparfreibetrag erschöpft ist und die relativ hohen Zinsausschüttungen voll besteuert werden, sinkt die Nachsteuerrendite erheblich. Allerdings kann ein Investment in Genussscheine auch hoch besteuerten Anlegern Vorteile bieten. Denn die "Genüsse" werden an der Börse "flat" notiert. Das heißt, in die Kurse fließen auch die Zinserträge mit ein: Unmittelbar nach dem Ausschüttungstermin sackt der Kurs erst einmal ab, um dann kontinuierlich bis zur nächsten Ausschüttung anzusteigen. Wer die "Genüsse" kurz vor der nächsten Ausschüttung verkauft, kann daher statt der steuerpflichtigen Zinserträge steuerfreie Kursgewinne vereinnahmen.



Neuemissionen vor der ersten Ausschüttung verkaufen spart Steuern

Dieser Steuertrick ist zwar durch die Verlängerung der Spekulationsfrist von sechs auf zwölf Monate erschwert worden, funktioniert aber immer noch. Das Zauberwort lautet hier "Neuemissionen". Denn bei den meisten Genussscheinen erfolgt die erste Ausschüttung für das vorangegangene Geschäftsjahr erst im Sommer des Folgejahres. "Wer neu begebene, in der ersten Jahreshälfte emittierte Genussscheine kauft, diese länger als ein Jahr hält und vor der ersten Ausschüttung wieder verkauft, dessen Kursgewinne bleiben außerhalb der Spekulationsfrist und damit steuerfrei", sagt Maren Kuhlmann, zuständig für den Bereich Anlagestrategie Privatkunden bei der Deutschen Bank. Denselben Steuervorteil bieten auch Neuemissionen, bei denen die erste Ausschüttung erst im übernächsten Jahr erfolgt. Ein Beispiel hierfür ist der in diesem Jahr ausgegebene Genussschein der Commerzbank, bei dem die angesammelten Zinserträge für die Jahre 2000 und 2001 zum 1. Juli 2002 ausbezahlt werden.



Steuerstrategen sollten allerdings bedenken, dass der termingerechte Verkauf kurz vor der Ausschüttung auch in eine Phase steigender Zinsen fallen kann, warnt Maren Kuhlmann. Je nach Höhe der Kursverluste ist der steuerliche Renditevorteil dann schnell verspielt. Um dieses Risiko zu minimieren, empfehlen sich insbesondere variabel verzinste Genussscheine. Die sind am Markt bislang allerdings eher selten anzutreffen.



Wer in Genussscheine investiert, sollte daher neben der Bonität des Emittenten auch die Zinsentwicklung genau im Blick behalten. Dies gilt insbesondere bei aktiven oder steuerlichen Anlagestrategien. Denn die hohe Rendite, die Genussscheine in Aussicht stellen, wird nur Realität, wenn alle Ausschüttungen, Kursgewinne oder die Rückzahlung sicher im Depot gelandet sind. Erst dann haben die "Genüsse" gehalten, was ihr Name verspricht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%