Rennen musste unterbrochen werden
Zuschauer im Schottenrock lief auf Formel-1-Piste

Verrückte Formel 1: Ein dramatischer Zwischenfall hat den Großen Preis von Großbritannien zu einem Roulette gemacht, aus dem Rubens Barrichello am Sonntag in Silverstone als großer Sieger hervor gegangen ist.

HB/dpa SILVERSTONE. Mit seinem insgesamt sechsten Erfolg half der 31-Jahre alte Brasilianer seinem Ferrari-Stallgefährten Michael Schumacher, nach dem elften Lauf der Weltmeisterschaft die sichere Führung in der Gesamtwertung gegen den Finnen Kimi Raikkönen zu behaupten. Der fünfmalige Weltmeister aus Kerpen kam nach einer tollen Aufholjagd hinter Barrichello, Juan-Pablo Montoya (Kolumbien) und Raikkönen noch auf Platz vier und liegt in der Gesamtwertung mit 7 Punkten vor dem finnischen McLaren-Piloten in Führung.

Für das dramatische Intermezzo sorgte in der zwölften Runde ein mit einem Schottenrock bekleideter Zuschauer, der auf die Piste rannte und damit sich und die Piloten in Lebensgefahr brachte. Damit wiederholte sich ein Zwischenfall aus dem Jahr 2000 auf dem Hockenheim-Ring, wo ebenfalls ein Fan auf die Rennstrecke gestürmt war. Das Rennen in Silverstone musste unterbrochen werden. Die Reihenfolge der Fahrer wurde total durcheinander gewürfelt. So war es dem überlegenen Ferrari-Paket zu verdanken, dass sich Barrichello wieder ganz nach vorn fuhr und Michael Schumacher mit seinem viertem Rang noch für Schadensbegrenzung sorgen konnte. Das Punkteverhältnis vor den fünf letzten Rennen der Saison lautet nun 69:62 gegenüber Raikkönen.

Zu den Verlierern zählte Ralf Schumacher. Nach seinen zwei Siegen auf dem Nürburgring und in Magny-Cours blieb für den 28-Jahre alten Kerpener auf seinem Williams-BMW nur der 9. Platz übrig. Das warf ihn in der Gesamtwertung hinter seinen Stallgefährten Montoya (55) auf den vierten Platz (53) zurück. Die Chance auf den Weltmeistertitel ist damit auch stark gesunken.

Bei Lufttemperaturen von 20 Grad verdrängten der Italiener Jarno Trulli (Renault) und Raikkönen den Trainingsschnellsten Barrichello durch einen Blitzstart vom ersten Platz, die Schumacher-Brüder behaupteten Rang vier und fünf. Doch nach 12 Runden ging die Formel- 1-Normalität abrupt zu Ende: Während das Safety Car das Rennen unterbrach und ein Streckenposten den auf der Piste den Rennwagen entgegenlaufenden Fan zu Fall brachte, versuchte fast alle Piloten die Neutralisation zum Nachtanken zu nutzen. Das Chaos an den Pumpstationen wirbelte das gesamte Feld durcheinander. Plötzlich war der Brasilianer Cristiano da Matta auf seinem Toyota in Front, Michael Schumacher wurde um neun Ränge auf den 14. Platz zurückgeworfen.

Den größten Nutzen aus diesem Boxen-Roulette zog zunächst Raikkönen. Als Fünfter und Bestplatzierter der Favoriten nach der Unterbrechung gewann er die Spitze, und die Konkurrenz blieb erst einmal im aufgescheuchten und durcheinander gewirbelten Feld stecken. Mit großem Einsatz und riskanten Überholmanövern mühte sich Michael Schumacher, in dem Rennen über 308,355 Kilometer (60 Runden á 5,141 km) Boden gut zu machen. Doch ganz an die Spitze schaffte er es nicht mehr.

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