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Rennen um größte Fusion in Kreuzfahrtbranche wieder offen

Das Rennen um die größte Fusion in der Kreuzfahrtbranche ist wieder offen. Die Aktionäre der britischen Traditionsreederei P&O Princess verschoben in der Nacht zum Freitag ihre Entscheidung zum bereits vereinbarten Zusammengehen mit dem US-Konkurrenten Royal Caribbean, um das höhere Gegengebot des Branchenführers Carnival zu prüfen.

rtr LONDON. P&O will eigenen Angaben zufolge gleichwohl am geplanten Zusammenschluss festhalten. Fusionspartner Royal Caribbean zeigte sich enttäuscht über die Verzögerung, ohne sich jedoch über mögliche weitere Schritte zu äußern. Im Vorfeld der P&O-Hauptversammlung hatte Royal Caribbean noch angekündigt, bei einer Verschiebung der Entscheidung sei die Fusion gefährdet. Rivale Carnival begrüßte dagegen das Votum der P&O-Aktionäre.

Diese hatten nach einer Marathon-Hauptversammlung mehrheitlich für einen Aufschub ihrer Abstimmung über das Fusionsvorhaben votiert. Damit wollen sie mehr Zeit gewinnen, um die zuletzt aufgebesserte Offerte von Carnival von 3,8 Mrd. Pfund (rund 6,2 Mrd. ?) zu prüfen. Je P&O-Aktie bietet Carnival damit rund 550 Pence. Das Gebot von Royal Caribbean liegt nach Schätzung von Analysten dagegen bei lediglich 475 bis 500 Pence. P&O-Chef Jeffrey Sterling hatte zuletzt Zweifel geäußert, ob Carnival sein Gebot tatsächlich einhalten könne.

Carnival-Chef Micky Arison erklärte hingegen nach der Entscheidung der P&O-Aktionäre: "Wir sind verpflichtet, den Princess-Aktionären die Möglichkeit zu geben, unser erhöhtes Angebot anzunehmen, und werden unsere Bemühungen darauf konzentrieren, die Genehmigung der Behörden dafür zu bekommen." Branchenexperten gehen davon aus, dass die Offerte von Royal Caribbean geringeren wettbewerbsrechtlichen Hindernissen ausgesetzt wäre als die von Carnival. Nach Ansicht des Analysten Carsten Sudhölter von der Deutschen Verkehrsbank würden Royal Caribbean und P&O zudem in vielen Märkten wesentlich besser zueinander passen.

Der Übernahmekampf um die britische Traditionsreederei P&O Princess, weltweit Nummer drei in der Kreuzfahrtindustrie, tobt bereits seit mehreren Monaten. Hintergrund ist der Investitionsbedarf der Branche für die Expansion auf den Wachstumsmärkten in Europa und Asien. Gleichzeitig zwingt die Buchungsflaute nach den Anschlägen vom 11. September zu Sparmaßnahmen und legt damit Zusammenschlüsse nahe.

Mit einer Fusion von Royal Caribbean und P&O entstünde ein neuer Weltmarktführer mit gemeinsam 41 Schiffen und einem Gesamtumsatz von 5,6 Mrd. Dollar. P&O sollte den bisherigen Plänen zufolge einen Anteil von 50,7 % an dem neuen Reedereikonzern haben. Branchenprimus Carnival verfügt allein über 43 Schiffe und macht 3,8 Mrd. Dollar Jahresumsatz.

Weltweit buchten im Jahr 2000 knapp neun Mill. Menschen eine Kreuzfahrt, davon sechs Mill. aus den USA und Kanada. Nach einer aktuellen Studie der Deutschen Verkehrsbank zum weltweiten Kreuzfahrtmarkt wird bis 2010 weltweit mit 14 Mill. Passagieren jährlich gerechnet. Die P&O-Tochter Seetours liegt in Deutschland mit knapp 80 000 Gästen an der Spitze und rangiert beim Umsatz mit gut 130 Mill. ? im Jahr 2000 hinter der Preussag-Tochter Hapag Kreuzfahrten. -Lloyd P&O will in Deutschland mit erheblichen Investitionen die Kapazität vervierfachen und Marktführer werden.

P&O-Aktien fielen bis Freitagmittag an der Londoner Börse in einem freundlichen Marktumfeld ein halbes Prozent auf 397,25 Pence. Royal-Caribbean-Papiere hatten am Donnerstag an der Wall Street 5,1 % auf 17,30 Dollar, Carnival-Titel 0,2 % auf 26,43 Dollar verloren.

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