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Nach US-Zinsschritt wird ein Ende der Renten-Rally erwartet

Reuters FRANKFURT. Die überraschende Zinssenkung der US-Notenbank Fed um einen halben Punkt am Mittwochabend wird nach Einschätzung von Analysten die Kursrally der europäischen Rentenmärkte beenden. Dabei werde sich der Markt aber zunächst an der Entwicklung in den USA orientieren. Dort gingen Händler ebenfalls von einem Ende ihres langanhaltenden Kursaufschwungs der Treasuries aus, wobei sich die Anleger zunächst vorsichtig verhalten und abwarten dürften, wie sich die Aktienmärkte und die US-Wirtschaft entwickeln. Eine Verkaufswelle amerikanischer Staatsanleihen schlossen sie deshalb vorerst aus.

Der Euro-Bund-Future hatte am Mittwoch zu Handelsschluss zwei Ticks im Plus bei 109,36 Zählern gelegen, nachdem er am Mittag angesichts schwächerer Aktienkurse und eines festen Euro noch auf ein Kontrakthoch von 109,62 Punkten geklettert war. Der Bobl-Future schloss 14 Ticks im Minus bei 106,39 Punkten. Am kurzen Ende verlor der Schatz-Future fünf Ticks auf 102,89 Punkte. Die zehnjährige Staatsanleihe notierte mit 104,15 Punkten nach 104,10 Punkten zur Kasse.

Schnelle Abkühlung der US-Konjunktur soll vermieden werden

Die richtungweisenden 30-jährigen US-Bonds zu 6,250 % gingen am Mittwoch mit 110-30/32 Punkten um 2/32 Stellen höher bei einer Rendite von 5,50 % aus dem Markt, nachdem sie im Verlauf zeitweise zwei volle Punkte gewonnen hatten. Am Markt in Tokio notierte der US-Langläufer am Donnerstag gegen 07.20 Uhr unverändert auf dem New Yorker Schlussniveau.

Die Fed hatte am Mittwochabend überraschend ihren Zielsatz für Tagesgeld um 0,5 %punkte auf 6,0 % und den eher symbolischen Diskontsatz um 25 Basispunkte auf 5,75 % gesenkt. Die Entscheidung begründete die Notenbank mit einer schwächeren Produktion, niedrigerem Verbrauchervertrauen und einer schwächeren Nachfrage in den USA. Zugleich erklärte die Fed, sie sei gegebenenfalls zu weiteren Zinssenkungen bereit, um eine zu schnelle Abkühlung der US-Konjunktur zu vermeiden. Das nächste reguläre Treffen des für die Zinspolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) war erst für den 30. und 31. Januar geplant.

Dies ist die erste Leitzinssenkung zwischen zwei FOMC-Treffen seit Herbst 1998, als eine von Asien ausgehende Wirtschaftskrise die internationalen Finanzmärkte zu erschüttern drohte.

Euroland könnte vergeblich auf eine Zinssenkung warten

Volkswirte der DG Bank in Frankfurt stellen zu dem Zinsschritt der Fed in einem Marktkommentar fest, die Europäische Zentralbank (EZB) werde dem Schritt auf kurze Sicht nicht folgen. Der Rat der EZB kommt am Vormittag zusammen, um über die Geld- und Kreditpolitik zu beraten.

Die expansivere Fiskalpolitik in der Euro-Zone gebe mehr Zeit zu einer abwartenden Haltung, schrieben die Experten der DG Bank. Die US-Notenbank habe gezeigt, dass sie nicht gewillt sei, ein Abgleiten in eine Rezession in Kauf zu nehmen. Die Aktienmärkte sollten sich nach diesem Schritt in den nächsten Wochen stabilisieren. Damit entfielen die Kapitalströme in den sicheren Hafen der Rentenmärkte.

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