Renten
Prozente für Einsteiger bei Bundeswertpapieren

"Bundeswertpapiere helfen in den Sattel." Mit diesem Slogan warb das Bundesfinanzministerium vor einigen Jahren um die Gunst von Privatanlegern. Sie sollten ihre Vermögensbildung mit Hilfe von Staatsanleihen auf Trab zu bringen. Wer damals zugriff, dürfte sich schon bald die Frage gestellt haben, ob er nicht aufs falsche Pferd gesetzt hatte. Denn im Börsenboom der späten 90er-Jahre haben die aufwärts stürmenden Aktien Anleihen weit hinter sich gelassen. Mittlerweile geht jedoch längst nicht mehr jede Aktienwette auf.

Die jüngsten Kurseinbrüche an den Aktienmärkten haben viele Anleger verunsichert. "Zwar ist die Nachfrage nach Aktien weiter stark, aber die Euphorie der letzten Jahre hat sich deutlich gelegt. Demgegenüber haben die Kurse der Rentenpapiere Zuwächse zu verzeichnen gehabt", so Christof Kessler, Rentenfachmann des Kölner Bankhauses Oppenheim und Geschäftsführer der Oppenheim Kapitalanlagegesellschaft.

Den Hintergrund für das erwachte Interesse an Anleihen bilden nicht nur die etwas freundlicheren Perspektiven auf den Rentenmärkten, sondern vielfach auch die Suche nach risikoarmen Investments. Unter Sicherheitsaspekten aber sind Bundeswertpapiere erste Wahl. Denn wer dem deutschen Staat für eine befristete Zeit sein Geld zur Verfügung stellt, ist in Bezug auf Zins- und Rückzahlung noch nie enttäuscht worden. Auf den internationalen Kapitalmärkten gilt der Bund denn auch als ein ausgezeichneter Schuldner, dessen Bonität von speziellen Kreditagenturen regelmäßig mit Bestnoten bewertet wird.

Neben ihrer Sicherheit besitzen die staatlichen Bonds weitere Vorteile. Sieht man von bestimmten Mindestanlagesummen ab, können sie in jeder beliebigen Stückelung erworben werden. Darüber hinaus handelt es sich um äußerst liquide Papiere: Auf Grund der großen Volumina ist ein Börsenkauf oder-verkauf jederzeit zu fairen Marktpreisen möglich.

Die Klassiker unter den Bundeswertpapieren bieten in Bezug auf Laufzeit und Verzinsung etwas für jeden Geschmack. Finanzierungsschätze und Bundesschatzbriefen sind dabei Papiere, die nicht an der Börse gehandelt werden. Und was die Anlagekosten anbelangt, sind die "Bündler" fast unschlagbar. Denn alle Bundeswertpapiere können bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg kostenfrei in Verwahrung gegeben werden - angesichts von Depotgebühren, die bei der privaten Konkurrenz im Schnitt bei 0,1 Prozent des Nennwerts liegen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die Sicherheit hat freilich auch ihren Preis. Als Top-Schuldner muss der Bund für seine Emissionen Zinsen zahlen, die am unteren Ende der Renditeskala liegen. Vor dem Hintergrund der derzeit niedrigen Sätze kann der Anleger mit Bundespapieren Renditen zwischen 4,65 Prozent im kurzfristigen und 5,3 Prozent im langfristigen Laufzeitbereich erzielen. Nicht staatliche Anleihen rentieren demgegenüber deutlich höher - auch solche mit vergleichbarer Sicherheit. "Zurzeit macht der Renditevorteil von erstklassigen Pfandbriefen und Unternehmensanleihen im mittleren Laufzeitsegment 0,45 bis 0,5 Prozentpunkte aus", so Katrin Witzel, Analystin für Währungen und Renten bei der Deutschen Bank. Im langfristigen Bereich ist der Vorsprung noch größer. So weisen beispielsweise die großvolumigen Pfandbriefemissionen mit 10-jähriger Laufzeit ein Renditeplus von 50 bis 60 Basispunkten auf, wie Rolf Piepenburg betont, der im Bereich Anlagemanagement der Dresdner Bank für Rentenstrategie zuständig ist. Angesichts dieses ungewöhnlich hohen Renditevorteils raten beide Analysten sicherheitsbewussten Anlegern, in erstklassige nicht staatliche Anleihen zu investieren.

Aus dem Rennen sind die Bundespapiere damit aber noch nicht. Wer zum Beispiel Zinsturbulenzen scheut und eine defensive Anlagestrategie verfolgt, ist mit Bundesschatzbriefen gut bedient. Sie können schon ab einem Mindestanlagebetrag von 100 DM gebührenfrei erworben werden. Ihr entscheidender Vorteil liegt jedoch in der vorzeitigen Rückgabemöglichkeit. Denn nach einer Sperrfrist von einem Jahr kann man sich jederzeit das angesparte Kapital zuzüglich Zinsen auszahlen lassen. Diese "relativ elegante Trennung vom Papier", so Rentenfachmann Rolf Piepenburg, bürgt nicht nur für Liquidität, sondern eröffnet auch die Möglichkeit zu einem aktiven Anlagemanagement. Denn bei steigenden Zinsen kann das Kapital in höher verzinsliche Papiere umgeschichtet werden - und das ohne Kursverluste.

Aber auch der Kauf börsennotierter Bundeswertpapiere könnte sich künftig wieder rechnen. So geht Christof Kessler davon aus, dass sich die Renditedifferenz zwischen Staats- und Hypothekenbanken beziehungsweise privaten Schuldnern - im Fachjargon Spread genannt - kurzfristig verkleinern wird und auf lange Sicht wieder auf das derzeitige Niveau ansteigt. Käme es zu einer derartigen Entwicklung, so wären die Bundespapiere gegenüber den Nicht-Staatlichen in der Vorderhand. Wenn die Renditedifferenz wieder auseinanderlaufen sollte, werden die Liebhaber von Bundespapieren mit steigenden Kursen belohnt.

Unabhängig davon dürfte aber auch das Verhalten des Bundesfinanzministers Auswirkungen auf die Perspektiven von Finanzierungsschätzen und Bundesanleihen haben. Sollte Hans Eichel dem Beispiel seines US-amerikanischen Kollegen folgen und das Haushaltsdefizit wie auch die Staatsverschuldung in Zukunft deutlich reduzieren, wird sich das Angebot an Bundestiteln verknappen. Folge: Deutsche Staatsanleihen gewinnen einiges an Attraktivität.

Nicht nur konservative Anleger sollten allerdings Bundeswertpapieren, Pfandbriefen oder Unternehmensanleihen mit einwandfreier Bonität ihre Aufmerksamkeit schenken. "Schon allein unter dem Aspekt der Risikostreuung sollten so genannte sichere Anleihen immer im Blick behalten werden", so Anlagespezialist Kessler. "Die Gewichtung kann dabei je nach individuellem Risikoprofil zwischen 10 und 80 Prozent betragen, aber fehlen sollten sie in keinem Depot."

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