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„Renten-Vertrag“ für Ramelow bei Bayer 04

Ex-Nationalspieler Carsten Ramelow hat öfter als andere Fußball-Profis im Fegefeuer der Kritik gestanden. Nur bei Bayer 04 Leverkusen stand der dienstälteste Spieler des Vereins in den vergangenen acht Jahren nie zur Disposition und Diskussion.

dpa MADRID. Ex-Nationalspieler Carsten Ramelow hat öfter als andere Fußball-Profis im Fegefeuer der Kritik gestanden. Nur bei Bayer 04 Leverkusen stand der dienstälteste Spieler des Vereins in den vergangenen acht Jahren nie zur Disposition und Diskussion.

Der Bundesligist will nun den 30 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, langfristig an den Club binden. "Wir spielen mit diesem Gedanken", erklärte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vor der Champions-League-Partie bei Real Madrid. "Er ist wie Bernd Schneider oder Robson Ponte, die wir auch halten wollen, ein Führungsspieler. Dies sagt alles über seine Wertigkeit für uns."

Ramelow selbst hält eine über das Karriereende hinausgehende Zusammenarbeit für reizvoll. "Ich fühle mich hier wohl, es wäre eine Überlegung wert. Doch ich denke, dass ich zunächst noch fünf Jahre spielen kann", sagte der Vizeweltmeister von 2002, der vor der Europameisterschaft in Portugal seinen Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt hatte. Nach 46 Länderspielen wollte er nicht mehr der "Sündenbock" sein, den die Kritiker einmal mehr nach dem 1:5 am 28. April in Rumänien in ihm sahen.

Trotz der Heim-WM 2006 in Deutschland bereut er den Rückzug nicht: "Ich denke gar nicht mehr daran, das kann ich ganz ehrlich sagen." Im Gegenteil. Die ganzen Veränderungen im DFB-Team nach dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer sind für ihn eher eine Bestätigung der Richtigkeit seiner Entscheidung. "Das muss ich alles nicht mehr haben", sagte der Blondschopf, der seine Laufbahn 1987 bei Tasmania 73 in Berlin begann, vier Jahre für Hertha BSC in der 2. Liga spielte und 273 Bundesligaspiele für Bayer bestritt.

Der stete Kampf um Anerkennung hat Ramelow geprägt und zu einer Persönlichkeit werden lassen. "Damit musste ich leben. Aber ich bin immer einer gewesen, der etwas aushält. Ansonsten wäre ich untergegangen", so Ramelow. Auch für Bayer 04 Leverkusen musste er in den vergangenen Jahren oft seinen Kopf hin halten. Nach dem Kreuzbandriss von Jens Nowotny im April 2002 übernahm er die Kapitänsrolle, die ihn zu einer zentralen Figur im Abstiegskampf der Saison 2002/2 003 machte. "In dieser Phase, in der es nicht so gut lief, habe ich mich am meisten entwickelt", bekennt Ramelow.

Inzwischen engagiert er sich auch offensiv als Vorstandsmitglied der Spielergewerkschaft VdV für die Belange seiner Bundesliga- Kollegen. "Ich bin seit acht, neun Jahren Mitglied und möchte helfen, dass der VdV in der Öffentlichkeit gut präsentiert ist", sagte Ramelow. Schließlich gehe es nicht allen Profis so gut wie denen in Leverkusen. "Die in der Bundesliga oder 2. Liga unten stehen, die haben zum Teil große Probleme." Einmal im deutschen Fußball ganz oben stehen, bleibt dagegen nach vier miterlebten Vizemeisterschaften sein Traum. "Das wäre das Schönste, weil wir so oft nahe dran waren."

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