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Renten: Wenig Spielraum

Am Rentenmarkt grenzt die Auswahl mittlerer Laufzeiten und guter Bonität nach Ansicht von Annette Pacl-Schneeweis, Rentenmarktexpertin der BHF-Bank, die Risiken ein.

HB DÜSSELDORF. Was haben Rentenanleger im kommenden Jahr zu erwarten?

Eine wichtige Frage ist, wie sich die Konjunktur entwickelt. Wir sind etwas pessimistischer als der Marktkonsensus. Wir glauben zwar auch an die konjunkturelle Erholung, aber vielleicht wird sie später einsetzen und schwächer ausfallen, als viele Anleger jetzt vermuten.

Und was folgt daraus für den Rentenmarkt?

Wenn die Konjunkturhoffnungen, die derzeit im Markt enthalten sind, enttäuscht werden, könnten die Renditen im kommenden Quartal nochmals etwas zurückgehen. Auf Sicht von einem Jahr gehen wir jedoch per saldo von steigenden Renditen aus. Wir liegen im langfristigen Bereich, also bei zehnjährigen Bundesanleihen, zurzeit bei Sätzen von rund 4,75 % und sehen in einem Jahr die Zinsen mindestens auf diesem Niveau.

Welche Laufzeiten empfehlen Sie den privaten Kunden?

Wir empfehlen mittlere Laufzeiten von rund vier Jahren.

Welche Möglichkeiten haben Anleger, die mit den Renditen von Staatsanleihen oder Pfandbriefen nicht zufrieden sind?

Bei Anleihen gilt wie bei Aktien: Je höher die Rendite, desto höher ist auch das Risiko. Höhere Zinsen gibt es grundsätzlich bei Anleihen aus Schwellenländern und bei Papieren, die Unternehmen ausgeben.

Welche Auswirkungen hat die Argentinien-Krise auf dieses Marktsegment?

Argentinien-Anleihen galten schon vor der aktuellen Krise als spekulativ. Für private Anleger sind Unternehmensanleihen mit guter Bonität eine Alternative zu Schwellenländer-Anleihen.

Aber hier gab es auch Ausfälle.

Richtig. Swiss Air war ein prominentes Beispiel für ein Unternehmen, das früher als grundsolide galt. Private Anleger sollten darauf achten, dass sie bei solchen Papieren nur kleinere Einzelpositionen im Depot halten. Es ist sehr wichtig, das Vermögen auf möglichst viele Papiere zu verteilen, um das Ausfallrisiko einzugrenzen. In vielen Fällen dürfte das am besten über einen Investmentfonds möglich sein. Damit sind zwar Kosten wie z.B. ein Ausgabeaufschlag verbunden, aber unter Risikogesichtspunkten lohnt sich das.

Wie schätzen Sie die Anleihen der Telekombranche ein?

Da sehe ich noch Risiken. Die Renditeabstände zu Staatsanleihen sind enger geworden, aber das muss sich nicht so fortsetzen.

Was ist von Autoanleihen zu halten?

In der nächsten Zeit schätze ich die Kursentwicklung nicht allzu optimistisch ein. Für die Anleger, die Papiere heute kaufen und bis Fälligkeit in drei oder vier Jahren halten, stellen Autoanleihen der großen Emittenten eine Investitionsmöglichkeit dar.

Welche Branchen sind noch interessant?

Pharmaanleihen, zum Beispiel von Aventis. Allerdings sind sie auch schon recht teuer.

Die Fragen stellte Frank Wiebe.

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